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Tegernseer Seilschaften – Ein Fall für Anne Loop

Erstellt von Werner Karl am 12. März 2010

tegernseer-seilschaften-ein-fall-fr-anne-loopJörg Steinleitner
Tegernseer Seilschaften – Ein Fall für Anne Loop

Originalausgabe März 2010
Piper Verlag GmbH München
ISBN 9783492257879
Taschenbuch, Kriminalroman
Umschlaggestaltung semper smile, München
Umschlagfort VISUM
Umfang: 254 Seiten

www.piper.de
www.steinleitner.com

Zum Autor:

Jörg Steinleitner, geboren 1971 im Allgäu, studierte Jura, Germanistik und Geschichte in München sowie Augsburg und absolvierte die Journalistenschule in Krems/Wien. 2002 ließ er sich nach Stationen in Peking und Paris als Rechtsanwalt in München nieder. Er veröffentlichte mehrere Bücher und schreibt unter anderem für den Focus und das Süddeutsche Zeitung Magazin. Steinleitner, dessen Familie ursprünglich vom Tegernsee stammt, lebt und arbeitet in München sowie im Bayerischen Oberland.

Zum Buch:

Das Buch Tegernseeer Seilschaften – Ein Fall für Anne Loop von Jörg Steinleitner unterteilt sich in den Prolog und 5 Teile. Es kommt ohne Kapitelüberschriften aus, was zunächst etwas befremdlich anmutet. Der Prolog entführt den Leser gleich mitten in den Kriminalfall hinein. Im April, am Tegernsee, denkt ein Mann darüber nach, dass er nun einen Menschen umbringen wird. Der Grund ist ihm nicht klar, aber diese Person muss sterben.

Mit dem Teil 1 des Buches beginnt die eigentliche Ermittlung. Anne Loop ist mit ihrer Tochter Lisa und ihrem Freund Bernhard aufs Land an den Tegernsee gezogen, in das Ferienhaus von Bernhards Eltern. Nach der Polizeischule hat sie sich für eine Stelle in Bad Wiessee beworben und diese auch bekommen. Ihr Freund will sich, während seine Freundin ihrer Arbeit bei der Polizei nachgeht, um Lisa, Annes uneheliche Tochter aus einer anderen Beziehung, kümmern und an seiner Doktorarbeit schreiben. Gerade in Bad Wiessee angekommen, lernt Anna ihre Kollegen kennen. Ihr Chef, Kurt Nonnenmacher, meist mit seinem unruhigen Magen beschäftigt, und ihr direkter neuer Kollege Sepp Kastner, immer noch auf der Suche nach einer geeigneten Frau zwecks Gründung einer Familie, sind schon etwas merkwürdige Gestalten.

Gleich zu Beginn konfrontiert Anne dann auch ihre neuen Kollegen mit ihrer eigenen Auffassung hinsichtlich der Leiche des ortsansässigen Bauern Herrn Fichtner, der im Wald erhängt aufgefunden wurde. Sie glaubt nämlich nicht an einen Selbstmord und setzt Stück für Stück alle die Puzzleteilchen zusammen, die die ortsansässigen Kollegen bislang gelinde gesagt ignoriert haben. Damit macht sie sich zunächst keine Freunde, aber Stück für Stück nähern sich die  unterschiedlichen Charaktere einander an. Zuvor aber muss Anne einiges an Ermittlungsarbeit leisten und sich immer wieder den Annäherungsversuchen ihres Kollegen Seppi widersetzen. Und dann wird auch noch ein Milliardär leblos schwimmend in seinem Swimmingpool aufgefunden. Wissen Fichtners Stammtischbrüder etwas darüber?

Auch im privaten Umfeld läuft nicht alles wie gewünscht. Annes Lebenspartner glänzt aufgrund einer merkwürdigen Erkrankung immer häufiger mit Abwesenheit und so muss Anne mehr als einmal ihre Tochter mit zu den Ermittlungen nehmen und handelt sich auch in der Nachbarschaft und im Kindergarten so manche Probleme ein. Die Tegernseer sind eben ein ganz besonderes Völkchen und das bekommt Anne Loop als gebürtige Rheinländerin mehr als einmal zu spüren.

Dieser Kriminalroman ist weder blutrünstig noch spannend. Hier wird zwar ermittelt, aber die Geschichte lebt von den einheimischen Charakteren und ihren Eigenarten einerseits und von Annes Problemen andererseits. Vor allem den Lokalcholorit muss man mögen, sonst sollte man die Finger von diesem Buch lassen. Für Liebhaber solcher Bücher aber ist dies eine unterhaltsame kurzweilige Lektüre ohne viel Tiefgang, auch wenn die ein oder andere gesellschaftspolitische Frage hier angerissen wird.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Plasma

Erstellt von Werner Karl am 7. März 2010

plasmaJeff Carlson
Plasma

Originaltitel: Plague War (2008)
Aus dem Amerikanischen von Birgit Reß-Bohusch
München: Piper Verlag 2009
Piper Taschenbuch 6685
Thriller
Umfang 407 Seiten
ISBN 9783492266857

www.piper-verlag.de

Plasma  ist die direkte Fortsetzung von Nano, und deutlich niveauvoller geraten als Carlsons Erstling, mit dem das Buch allerdings den hohen Spannungsgehalt teilt. Dr. Ruth Goldmann ist es inzwischen gelungen, Nanobots gegen die tödliche Seuche zu entwickeln, die fast die gesamte Menschheit ausgerottet hat. Nur in einer Höhe über 3000 Metern haben weltweit Menschen überlebt, die erbittert ums Überleben kämpfen. Die Regierung und führende Militärs der USA haben sich nach Leadville zurückgezogen, wo es der Wissenschaftlerin auch gelingt mit den dortigen Forschungseinrichtungen ein Gegenmittel gegen die verheerenden Nanos zu kreieren.

Doch die Führung in Leadville denkt nicht daran, der Menschheit das Antidot zur Verfügung zu stellen, strebt statt dessen die Weltherrschaft an, weshalb Dr. Goldmann, Cameron Najarro und der junge Soldat Newcombe aus Leadville fliehen. Auf eigene Faust wollen sie das Gegenmittel an die Überlebenden verteilen, um so, nachdem diese immun gegen die Nanopest geworden sind, allen wieder ausreichend Lebensraum zur Verfügung zu stellen. Verfolgt von Soldaten aus Leadville müssen sich die drei jedoch durch ein verheertes Land schlagen, in dem die Nanopest noch immer wütet. Als dann auch noch eine Atombombe auf dem Gebiet der USA detoniert, scheint das Ende der Menschheit endgültig besiegelt. Oder ist dies gar eine zweite Chance für die Rebellen um Najarro und Goldmann?…

Auch die Fortsetzung von Nano beginnt mit sensationeller Action und lässt befürchten, dass der Autor sein tolles Thema erneut an Oberflächlichkeiten verschenkt. Aber Plasma zeigt einen eindeutig reiferen Autor, der sich diesmal seines spannenden Themas bewußt ist und mehr auf seine Protagonisten als auf sensationelle Kämpfe setzt. So kommt die Action diesmal wohl dosiert daher, Carlson setzt mehr auf inhaltliche Ideen und der vorliegende Roman erreicht deshalb eine nahezu optimale Mischung von Handlung, Atmosphäre und starken Charakteren.

Zudem wird das Sujet einigermaßen glaubhaft weiter entwickelt, auch wenn es etwas zweifelhaft erscheint, dass die kümmerlichen Reste der Menschheit wirklich genug Technologie haben retten können, um mehrere neue Varianten der Nanobots zu erschaffen. Erfreulich ist aber, dass die Handlung immer neue, mehr oder weniger überraschende Haken schlägt, der Leser somit gebannt verfolgt, welchen Fortgang alles nimmt. Plasma ist ein gelungener SF-Thriller und der Rezipient kann nur hoffen, dass der Autor noch weitere Bände vorlegt, welche die Handlung weiter voran treiben, denn die Frage, ob und wenn ja wie sich die Reste der Menschheit wieder zusammen raufen und weiter entwickeln, dürfte weitere packende Abenteuer verheißen.

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald
 
Titel bei Buch24.de:
Plasma

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Nano

Erstellt von Werner Karl am 5. März 2010

nanoJeff Carlson
Nano

Originaltitel: Plague Year (2007)
Aus dem Amerikanischen von Andreas Decker
München: Piper Verlag 2008
Thriller
Piper Taschenbuch 6676
Umfang 398 Seiten
ISBN 9783492266765

www.piper-verlag.de

Ein entsetzlich fehlgeschlagenes Experiment, welches dazu dienen sollte, medizinische Nanotechnik zu entwickeln, die wirkungsvoll Krebs bekämpfen sollte, hat die Erde fast entvölkert, als es aus Versehen freigesetzt wurde. Da die Entwickler als “Abschaltmechanismus” die deutliche Verringerung des Luftdrucks wählten, welches die winzigen Maschinen zerstört, ist jedes höhere tierische und menschliche Leben unterhalb der Höhe von etwas über 3000 Metern über dem Meer ausgestorben (leider spricht die Übersetzung nur von den im Original erwähnten 10000 Feet und lässt so die deutschen Leser etwas im Dunkeln tappen).

Die letzten Überlebenden kauern auf den höchsten Berggipfeln der Welt und auf der Raumstation ISS, und kämpfen mit teilweise brachialen Methoden um das Überleben. So auch die Gruppe, welcher der junge Cameron Najarro und der mysteriöse Albert Sawyer angehören. Sie hocken auf einem kargen, zugigen und kalten Gipfel in den Rocky Mountains und sichern ihr Überleben durch gelegentlichen Kannibalismus, wenn die Nahrungsmittel knapp werden. Die Nachricht vom Nachbargipfel, dass es dort mehr zu Essen und sogar eine Funkanlage gibt, motiviert die Gipfelbewohner, in das gefährliche Tal hinab zu steigen und zu versuchen, den anderen Gipfel zu erreichen. Währenddessen forscht man auf der Erde und der ISS verzweifelt an der Vernichtung der Nanos, ohne zu ahnen, dass einer der Schöpfer der todbringenden Mikromechanismen noch am Leben ist: Denn ausgerechnet Albert Sawyer ist dieser Mann.

Sein Wissen könnte dem Spuk ein Ende bereiten. Doch kann er sich mit dem Forschern in Verbindung setzen und können diese die Nanos wirklich stoppen? Zumal die Reste der Menschheit gerade mal wieder in einen blutigen Krieg um Lebensraum verstrickt sind und jeder die große Gelegenheit nahen sieht, vielleicht seiner “Rasse” als einziger die zukünftige, dann wieder bewohnbare Erde zu sichern, denn noch nie war die Gelegenheit so günstig und der Gegnerschaft so wenige…

Jeff Carlson ist mit seinem Erstling ein spannender SF-Thriller gelungen, auch wenn man das Thema Bedrohung der Menschheit durch Nanotechnik sicherlich nicht mehr als ganz “taufrisch” bezeichnen kann, haben hier bereits Schriftsteller wie Michael Crichton und auch andere Autoren gewildert. Das vom Autor erschaffene Post-Doomsday-Szenario wird jedoch von Carlton glaubhaft entwickelt, ebenso die Protagonisten. Etwas ärgerlich ist dagegen der “Anfängerfehler” des Autors, der offensichtlich glaubt, trotz des packenden Themas mit nervigen Cliffhangern Spannung erzeugen zu müssen. Vor allem die anfängliche Handlung auf der ISS, die nur dazu dient, die Wissenschaftlerin Dr. Ruth Goldman einzuführen und den Stand der Forschung zu illustrieren, wird viel zu lange ausgewalzt.

Auch die sehr zynische Handlung im zweiten Teil der Geschichte, in der die wenigen Überlebenden nur noch daran zu denken scheinen, wie sie sich gegenseitig der Gar ausmachen können, und nur die wenigen “heldenhaften” Protagonisten für die Vernichtung der tödlichen Nanos kämpfen, ist sicherlich gewöhnungsbedürftig und zwar dem Spannungsgehalt der Handlung zuträglich, nicht jedoch ihrem Niveau. Gegen Ende verkommt die ansonsten durchaus lesenswerte Geschichte zu einem dumpfen Geballer, bei dem man die “bleihaltige” Verfilmung durch Hollywood geradezu vor sich sieht. Schade, dass der Autor sich hier nicht entblödet und der Roman zur stumpfsinnigen Gewaltdarstellung verkommt. Trotzdem bleibt das Buch insgesamt lesenswert, denn es ist spannend und neben der dichten Atmosphäre gelingt es dem Autor glaubhafte Protagonisten zu entwerfen, mit denen man sowohl mitfiebern als auch mitleiden kann.

Copyright © 2008 by Gunther Barnewald
 
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Nano

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Der Mann, der nicht geboren wurde

Erstellt von Werner Karl am 20. Februar 2010

der-mann-der-nicht-geboren-wurdeTobias O. Meißner
Der Mann, der nicht geboren wurde
Im Zeichen des Mammuts 5

München: Piper Verlag 2009
Piper Taschenbuch 6665
Umfang: 367 Seiten
ISBN 9783492266659

www.piper.de

Nachdem Rodraeg von seinen eigentlich tödlichen Verletzungen durch Magie geheilt worden ist, ist er im Haus des Mammuts in Warchaim unter der liebevollen Pflege einer heilenden Schwester angelangt. Außer Cajin, der eine Art Hausmeister darstellt, und der schwangeren Schmetterlingsfrau Naenn, weilt auch noch der blinde und magisch begabte Schmetterlingsmann Estéron, der zum Kreis der Auftraggeber der Mammutgruppe gehört, im Haus der Truppe. Noch immer erhält die Gemeinschaft anonyme Drohbriefe, welche mit DMDNGW unterzeichnet sind. Bald erweist sich, dass ein mächtiger Strippenzieher und geschickter Mörder hinter diesem Kürzel stehen muss, denn unaufhaltsam geschieht ein Mord nach dem anderen, ohne dass Rodraeg und seine Freunde es verhindern könnten.

Wie ein Detektiv versucht der Anführer des Mammuts sich auf die Spur des Attentäters zu setzen, aber nichts scheint zu helfen. Ganz im Gegenteil erscheint es für die örtlichen Behörden immer wahrscheinlicher, dass die Mitglieder des Mammuts die wahren Verschwörer sind. Zwar kehrt Bestar in Begleitung einer jungen Frau namens Tjarka zurück, die sich dem Mammut anschließen möchte, doch von Eljazokad fehlt leider jede Spur, und bald wird Rodraeg verhaftet, hat er doch versucht, den Kommandanten der örtlichen Wachtruppen im Schlaf zu ermorden. Rodraeg selbst ist fassungslos, ist er doch einem mächtigen Hypnosezauber erlegen, und versucht nun verzweifelt mit Hilfe seiner Freunde vom Gefängnis aus das Mysterium um DNDNGW zu lösen, während ihm die Zeit zwischen den Händen zerrinnt und die Lage immer aussichtsloser wird…

Meißner schont weder sich noch seine Leser. Die Handlung treibt einem äußerst verzweifelten Höhepunkt entgegen, während ein wichtiger Protagonist und Sympathieträger nach dem anderen sein Leben lassen muss. Auch der innere Kreis des Mammuts wird diesmal nicht verschont. Als eine erste Art brutaler Kliffhänger stirbt eines der Mammutmitglieder, und diesmal gibt es keine magische Rettung. Unfassbar, wie der deutsche Autor die Spannungsschraube bis zum Anschlag dreht, den Leser bibbern und zittern lässt, während ein positives Ende in immer weitere Ferne rückt. Neben den glaubhaften Protagonisten und der packend-sinisteren Atmosphäre, entwickelt sich die Enttarnung des Attentäters in kriminalistischer Manier zum großen Plus des Buchs und macht es zum bisher besten Teil des Zyklus um die “grüne” Truppe des Mammuts.

Ein Lob auch an den Verlag, der das Taschenbuch mit einem wunderbar düster-romantischen Titelbild versehen hat. Auch wenn der Titel des vorliegenden Romans leider verrät, wofür das Akronym DMDNGW steht, so wird seine wahre Identität doch erst gegen Ende der Geschichte enthüllt. Ebenfalls überraschend ist der Auftraggeber hinter dem geschickten Killer, doch hier soll nicht zu viel verraten werden.

Zwar verscherzt sich der Autor durch seinen trivialen Epilog wieder einige Sympathien, aber bis dahin ist das vorliegende Werk Lesespaß und Spannung pur, auch wenn letztere einige Zeit braucht, bis sie wirklich anfängt zu knistern (sieht man vom erschreckenden Prolog ab). Aber dann saugt den Leser die Handlung mit hinein ins Abenteuer. Für alle Fans des Mammutzyklus ist Der Mann, der nicht geboren wurde das bisherige Highlight einer tollen Serie, die wieder einmal zeigt, dass niveauvolle und nahezu klischeefreie Fantasy sehr gut unterhalten und sogar aus Deutschland kommen kann.

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald

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Der Mann, der nicht geboren wurde

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Hölle

Erstellt von Werner Karl am 17. Februar 2010

holleWill Elliott
Hölle

Originaltitel: The Pilo Family Circus (2007).
Aus dem australischen Englisch von Birgit Reß-Bohusch.
München: Piper Verlag 2009.
Piper Taschenbuch 6709.
Umfang 388 Seiten
ISBN 9783492267090

www.piper.de

Will Elliott ist ein junger australischer Autor, der mit Hölle ein äußerst beeindruckendes Debüt vorgelegt hat. Der Roman erschien bereits 2008 bei Piper und wird hier, in veränderter Covergestaltung und mit neuer Nummer, wieder aufgelegt. Wer schon Will Elliotts wunderbare Kurzgeschichte “Mrs Claus” in der von Carsten Polzin herausgegebenen Weihnachtsanthologie Das Fest der Elfen (Piper TB 6706) wegen ihres schrägen Humors und der tollen Ideen bewundert hat, der dürfte auch vom vorliegenden Roman überaus erfreut sein, denn dem Autor gelingt ein eigenständiges, gut ausgedachtes Werk, welches zwar nicht immer stilsicher an allen Geschmacklosigkeiten vorbei kommt (v. a. die Erwähnung des “berühmten Anstreichers” aus Österreich hätte sich der Autor verkneifen sollen) und zeitweise auch arg brutal wirkt, welches jedoch zweifellos zu den interessantesten Horrorgeschichten der letzten Jahre gehört.

Alles beginnt damit, dass der junge Australier Jamie fast einen Clown überfährt, der urplötzlich vor seinem Auto zu materialisieren scheint. Von da an verfolgt ihn eine Bande rabiater Clowns, die ihn schließlich in eine jenseitige Welt entführen, den Zirkus Pilo. Dort herrschen rohe Gewalt und Brutalität, mühsam verdeckt unter der scheinbar höflichen Schicht des Zirkusdirektors Kurt Pilo, der eine Mischung aus Werwolf und Dämon zu sein scheint. Jamie muss zu seinem Erschrecken erkennen, dass er selbst zu einem brutalen Psychopathen namens JJ wird, wenn er die bewusstseinsverändernde Clownsschminke trägt. Verzweifelt sucht der junge Mann einen Ausweg aus diesem entsetzlichen Inferno, doch JJ wird immer mächtiger und auch sonst gibt es nur wenige, scheinbar schwache Verbündete, während der entmenschlichte Rest der Zirkustruppe entweder völlig gleichgültig ist oder gar die Bestialitäten zu genießen scheint…

Hölle ist eine ungewöhnliche Mischung aus roher Kraft und Einfallsreichtum und besticht, neben der lebendigen Atmosphäre und seiner künstlerischen Kreativität, vor allem durch einen Haufen irrwitziger Charaktere, die den Rummelplatz bevölkern. Allen voran die wahnwitzigen Clowns, jeder für sich der Alptraum aller Schwiegermütter. Aber auch die anderen Figuren können sich sehen lassen, vom frustrierten Meistermagier, der zu seinem Verdruss immer nur den minderwertigen Kaninchentrick vorführen darf, über den Wachsmenschen, dessen Körper immer zu zerfließen scheint, über den Glas kauenden Yeti bis zum fischköpfigen Leiter der Menagerie, der als einer der wenigen seine freundliche Menschlichkeit behalten zu haben scheint.

In kreativer Hinsicht kann der junge australische Autor sicherlich mit literarischen Vorbildern wie Ray Bradburys Das Böse kommt auf leisen Sohlen oder Tom Reamys Blinde Stimmen mithalten, die ebenfalls (zumindest teilweise) im Zirkusmilieu spielen, auch wenn die hier geschilderte Variante an Grausamkeiten alles in den Schatten stellt, was bisher geschildert wurde. Zwar ist die stilistische Brillanz des Newcomers noch längst nicht so ausgeprägt wie bei Bradbury oder Reamy, aber für einen Erstling ist Hölle absolut lesens- und damit für Horrorfans unbedingt empfehlenswert (wobei es verwundert, dass das Cover den Roman als “Thriller” klassifiziert, was definitiv nicht zutreffend erscheint).

Copyright (C) 2009 Gunther Barnewald

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Hölle

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Für immer untot

Erstellt von Werner Karl am 15. Februar 2010

fur-immer-untotKaren Chance
Für immer untot
Cassie Palmer 3

Embrace the Night, USA, 2008
Piper Verlag, München, dt. Erstausgabe: 12/2009
TB, Paranormal Romance, Urban Fantasy, Horror
ISBN 9783492291866
Aus dem Amerikanischen von Andreas Brandhorst
Titelgestaltung Guter Punkt, München unter Verwendung eines Motivs von Larry Rostant/artist partners ltd

www.piper.de
www.karenchance.com
www.guter-punkt.de
www.rostant.com

Cassie Palmer kam nach dem frühen Tod ihrer Eltern in die Obhut von Vampiren. Als sie herausfand, dass einige von ihnen ihre Hand bei der Tragödie im Spiel hatten, entflieht sie ihrem goldenen Käfig, um Rache zu nehmen. Nachdem die Macht der Pythia auf sie überging, wird sie schnell zu mehr als nur einem kleinen Ärgernis, und etliche verfeindete Parteien bemühen sich um Cassies Gunst – oder ihren Tod. Wer gestern noch Freund war, kann heute schon Feind sein und umgekehrt, denn alle Beteiligten haben Verpflichtungen oder Wünsche. So wird ausgerechnet der Kriegsmagier John Pritkin, der sie lange jagte, zu Cassies loyalstem Verbündeten. Oder doch nicht? Hat wirklich er den Dschinn Saleh, der über wichtige Informationen verfügte, ermordet? Ist der leidenschaftliche Mann wirklich der kühle Pritkin, den Cassie kennt? Schon immer ahnte sie, dass er mehr ist als nur ein Mitglied des weißen magischen Zirkels, doch was sie aufdeckt, überrascht sie wirklich.

Aber Pritkin ist nur ein Teil des großen Rätsels, das Cassie im Moment am meisten beschäftigt: Der ‚Geis’, der auf ihr und Mircea, dem Vampir, in den sie schon als kleines Mädchen verknallt war, liegt, hat sich verändert und droht, den attraktiven Meistervampir in den Wahnsinn zu treiben. Um ihm zu helfen, muss Cassie viele Versprechen geben, ungewollte Bündnisse eingehen und den ‚Codex Merlini’ in der Vergangenheit suchen. Und wieder kommt Pritkin ins Spiel. Aber kann und will er wirklich – einem Vampir – helfen? Um der Handlung des dritten „Cassie Palmer“-Bandes problemlos folgen zu können, sollte man die vorherigen Romane „Untot mit Biss“ und „Hinreißend untot“ gelesen haben. Auch wenn jedes Buch in sich abgeschlossen ist und mit ausführlichen Erklärungen aufwartet, wird doch vorausgesetzt, dass man weitgehend mit den Geschehnissen und Protagonisten vertraut ist. Gerade der vorliegende Teil nimmt regelmäßig Bezug auf zurückliegende Ereignisse.

Hinzu kommt, dass die Handlung sehr komplex ist. Die Protagonistin, aus deren Sicht die Geschichte in saloppem Ton erzählt wird, muss nicht mit einem großen Problem fertig werden, sondern nebenbei weitere Konflikte lösen, um ihr eigentliches Anliegen verfolgen zu können. Mitunter nehmen die Action-Szenen „Bond“’sche Ausmaße an – Action um der Action Willen -, und man fragt sich, wozu das alles nötig ist, denn auch als Leser läuft man dabei Gefahr, den roten Faden zu verlieren. Dazu tragen auch die vielen Charaktere, die mehr oder minder große Rollen innehaben, mal auf dieser, mal auf jener Seite stehen, ihren Teil bei. Bis auf jene im engen Kreis um Cassie sind die meisten austauschbar, und auch die Gegenspieler schieben oft nur Handlanger vor, statt ihr wahres Gesicht zu zeigen. Ein paar Quasi-Verbündete weniger und dafür mehr Informationen über die Widersacher könnten einiges an Licht und Struktur in die Handlung bringen.

In den ruhigen Minuten wird gezickt bzw. knistert die Erotik. Dass Antworten auf drängende Fragen gegeben werden, ist eher die Ausnahme. Allerdings dauert es noch eine ganze Weile, bis Cassie und das weibliche Publikum bekommen, was sie sich - in den meisten Fällen -gewünscht haben. Anders als viele Kolleginnen bleibt Karen Chance bei ihren Beschreibungen seriös und überlässt die Details der Phantasie des Publikums. Derbe Worte und grafische Inhalte sind Fehlanzeige – und so dürfen auch Fans ab 14 Jahren zugreifen. Die Autorin weiß durch ihren flüssigen Stil und die frechen Kommentare gut zu unterhalten. Ihre Figuren wachsen einem schnell ans Herz, vor allem jene, die sich in der Grauzone bewegen. Allerdings will Karen Chance zu viel auf einmal und zersplittert den Konflikt in unnötige Probleme mit zahlreichen Nebenfiguren, so dass der Roman trotz der ständigen unvorhersehbaren Wendungen vermeidbare Längen aufweist.

Dennoch ist die „Cassie Palmer“-Reihe für ein Publikum, das neben der Romantik auch eine Handlung wünscht, interessanter als manch anderer Titel. Mag man es witzig, aber nicht gar so schrill wie bei Mary Janice Davidson, erotisch, aber nicht so detailliert wie bei Lori Handeland, dazu reich an Action, aber nicht mit dieser als Hauptanliegen wie bei den männlichen Autoren, dürfte man hier an der richtigen Stelle sein. Gefallen Serien wie „Stadt der Finsternis“ oder „Dante Valentine“, sollte man auch der vierteiligen „Cassie Pamer“ eine Chance geben.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann
 
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Für immer untot

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Drachenkaiser

Erstellt von Werner Karl am 8. Februar 2010

drachenkaiserMarkus Heitz
Drachenkaiser

Piper Verlag, München, 09/2009
HC, Steampunk, Fantasy, Action
ISBN 9783492701532
Titelbild von Klaus Scherwinski

www.piper-fantasy.de
www.mahet.de
www.klausscherwinski.de

Viel muss man nicht mehr zu Markus Heitz sagen, der inzwischen fast ähnlich erfolgreich ist wie Wolfgang Hohlbein und sich daran macht, dem Altmeister der dt. Fantasy den Rang abzunehmen. Dabei bewegt er sich in der dunklen Phantastik genau so sicher wie in der Fantasy. Aber man merkt schon, dass ihm das letzte Genre mehr liegt. So hat er nach über zwei Jahren eine Fortsetzung seines Erfolgs „Mächte des Feuers“ verfasst, ohne daraus gleich eine ganze Reihe zu machen. „Drachenkaiser“ schließt direkt an den ersten Roman an, nur wenige Wochen oder Monate sind vergangen.

Im Jahr 1926 sieht das Europa, das Silena und Grigorij kennen, ganz anders aus, als der Leser es aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung hat. Allein eine Tatsache hat die Menschen daran gehindert, sich gegenseitig in Kriegen zu zerfleischen oder alte Ordnungen umzustürzen: Drachen. Diese haben das Land in Territorien aufgeteilt. Auch wenn sie sich nur wenig darum scheren, was die normalen Menschen in ihrem Gebiet so treiben, wenn diese ihren Tribut leisten, so rivalisieren sie munter miteinander und versuchen, ihre Gebiete zu vergrößern. Silena, direkte Nachfahrin eines der Drachenheiligen und selbst Drachentöterin, und der russische Fürst Grigorij Wadim Basilius Zadornow haben es geschafft, die erste entscheidende Schlacht gegen die Drachen Europas zu schlagen und damit deren Intrigen ein Ende zu bereiten.

Die beiden ahnen jedoch, dass der Krieg noch nicht vorbei ist. So dämmert das Jahr 1926 in angespannter Erwartung herauf. Grigorij beobachtet mit Sorge, dass es aufgrund einer Wirtschaftskrise in der menschlichen Bevölkerung brodelt, vor allem in seiner eigenen Heimat. Silena indessen fragt sich, ob die Trennung vom Officium eigentlich rechtens war und beschließt, das heraus zu finden, indem sie nach Deutschland zurückkehrt. Ernüchtert stellt sie dort fest, dass die Organisation, die einst ihr ganzes Leben bestimmte, von innen her am Verfaulen ist. Und dann droht noch eine andere Gefahr, die ausgerechnet aus dem fernen Osten kommt, und diese geht weit heimtückischer und skrupelloser vor als die europäischen Drachen. Schon bald steht die Welt wieder in Flammen. Die Helden wissen gar nicht, wo sie zuerst eingreifen sollen, um den Machenschaften des chinesischen Drachen Nie-Lung Einhalt zu gebieten. Schließlich ist klar: Nur im Reich der Mitte selbst können sie etwas finden, um ihn zu stoppen …

Markus Heitz schreibt spannende Romane, die einem kaum Zeit lassen, Atem zu holen, so viel passiert in ihnen – das ist etwas, was er ausgezeichnet beherrscht und was auch in „Drachenkaiser“ sehr gut zu bemerken ist. Er setzt in erster Linie auf Dramatik und lässt es an mehreren Schauplätzen gleichzeitig ordentlich krachen. Es tauchen sehr viele Figuren auf und haben ihren Anteil an der Handlung, so dass man schon genau darauf achten muss, wer mit wem agiert. Allerdings kann es leicht passieren, dass man bei den vielen Sprüngen den Faden verliert. In erster Linie trägt tatsächlich die Action die Geschichte, weniger sind es die Charaktere selbst, die wie der Hintergrund leider sehr schwammig und oberflächlich bleiben. Es gelingt ihm nicht wirklich, das besondere Flair der zwanziger Jahre einzufangen, da es nicht unbedingt immer ausreicht, einige Dinge nur beim Namen zu nennen.

Wer sich weiterhin nicht daran stört, dass die Figuren sehr zweidimensional bleiben, die Dialoge oft flapsig wirken und kein wirkliches Flair dieser schillernden Zeit in der eigenen Phantasie entstehen mag, sondern allein damit zufrieden ist, dass dramatische Geschehnisse mit leicht durchschaubaren Intrigen und die Action an erster Stelle stehen, wird gut unterhalten. Langweilig wird die Geschichte nicht, nur wirklich in Erinnerung behalten wird man sie kaum, wenn man das Buch beendet hat. Auch ist es sinnvoll, „Die Mächte des Feuers“ zu kennen, da der Autor immer wieder Bezug auf den Roman nimmt und darauf verzichtet, viel zu erklären. Wie sein Vorgänger ist auch „Drachenkaiser“ für alle Action verwöhnten Fans gedacht, die einfach nur ein wildes Abenteuer genießen wollen - nicht mehr und nicht weniger.

Copyright © 2010 Christel Scheja
 
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Die Nebelelfen

Erstellt von Werner Karl am 7. Februar 2010

die-nebelelfenMonika Felten
Die Nebelelfen

Piper Verlag, München, 09/2009
HC, High Fantasy
ISBN 9783492701518
Titelbild von Lea Müntges

www.piper-fantasy.de
www.monikafelten.de
www.soundso.de.tc

Vor vielen Jahren debütierte Monika Felten mit ihrem Fantasy-Roman „Elfenfeuer“, der eine ganz klassische Geschichte erzählte. Damals stöhnten die Bewohner von Thale unter der Herrschaft eines grausamen und finsteren Herrschers, bis es einer Schar mutiger Heldinnen gelang, diesen zu stürzen und damit eine über dreihundert Jahre währende Tyrannei zu beenden. In zwei nachfolgenden Romanen schilderte die Autorin, wie das Böse noch einmal zurückzukehren versuchte und wie das Grauen eigentlich begann.

„Die Nebelelfen“ zeigt dass das Böse nicht zum ersten Mal versucht hat, die Welt zu erobern. Denn in einer fernen Vergangenheit wurden die Wurzeln für das spätere Verhängnis gelegt. Damals herrschten allein die Nebelelfen über Thale und lebten im Einklang mit der Natur und den anderen Völkern, die das fruchtbare Land besiedelten, wie etwa die Maare. Die Menschen hatten das Land noch nicht gefunden und sich dort niedergelassen. Eines Tages öffnen sich in einem Bergwerk, in dem das kostbare magische Metall Sternenbulit abgebaut wird, magische Tore in eine andere Dimension. Angeführt und geleitet von einem gewissen An-Rukhbar dringt eine Schar von Magiern vor und verwandelt die Bergleute, ehe diese sich versehen, in mächtige, aber seelenlose Eberkrieger, die ihnen aufs Wort gehorchen. Einzig der junge Bergmann Warti entkommt dem Verhängnis und versucht, die Nebelelfen und ihren König zu warnen, nachdem er feststellen muss, dass sogar seine Familie bereits verloren ist. Dabei trifft er nicht nur auf Nam, ein eher friedliches Wesen aus der anderen Welt, sondern auch auf einen Weisen, der ihm den Grund für ihre Anwesenheit und die Pläne der Magier verrät.

Derweil tappen die Kurierreiterin Brinnah und ihr Riesenalp Artair in eine Falle, als sie bei den Maaren nach dem Rechten sehen wollen. Während Brinnah in einen Käfig gesperrt wird, vergiftet man den großen Vogel. Glücklicherweise können Warti und Nam die Kurierreiterin befreien und mit ihr das Bergwerk verlassen. Sie reisen jedoch nicht gemeinsam weiter, da die Chance größer ist, dass einer von ihnen das Ziel erreicht, wenn sie nicht zusammen bleiben, sondern getrennte Wege gehen. Vor allem Brinnah weiß, dass die Zeit drängt. Der Elfenkönig muss so schnell wie möglich erfahren, über welche Macht An-Ruhkbar verfügt und was er als nächstes plant. Die junge Nebelelfe wagt eine Menge, als sie sieht, dass die Gefahr bereits weiter fortgeschritten ist, als sie dachte. Aus diesem Grund reist sie in die Zwischenwelt, um den Weg abzukürzen, doch dieser ist voller Gefahren.

„Die Nebelelfen“ ist nur locker mit dem „Elfenfeuer“-Zyklus verbunden, und man muss diesen nicht kennen. Trotzdem ist der Aha-Effekt größer, wenn man die Trilogie bereits gelesen hat, denn die Autorin hat viele kleine und feine Hinweise auf spätere Ereignisse eingebaut, die einen entweder amüsieren oder sogar überraschen, da man so etwas nicht gedacht hat. Besonders interessant ist der interessante Brückenschlag zu den späteren Ereignissen und Figuren. Vor allem spielt Brinnah eine größere Rolle, als man zunächst annimmt. Ansonsten bleibt Monika Felten ihrem Erfolgsrezept treu. Das Böse macht sich in einer eher heilen Welt breit, und am Anfang versuchen einige wenige, die sein Wirken entdeckt haben, etwas zu unternehmen. Zwar gelingt es, die Warnung zu überbringen, aber ein epischer Kampf, der viele Opfer fordern wird, ist unvermeidlich.

Zwar ist die Handlung sehr vorhersehbar, aber das stört nicht wirklich, denn die Welt der Nebelelfen wird atmosphärisch in Szene gesetzt, ihre Protagonisten sind so angelegt, dass man unwillkürlich mit ihnen mitfiebert, hofft und leidet. Und die eine oder andere Wendung kommt doch so überraschend, dass man sich darüber freut. Zudem gelingt es der Autorin, all zu kitschige Momente gekonnt zu umschiffen. Auch wenn Thale zunächst märchenhaft-idyllisch wirkt und Figuren wie Nam eher niedlich erscheinen, so nimmt sie doch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Gewalt und Grausamkeit geht. Kämpfe sind auch bei ihr blutig und Kriege verlustreich, vor allen sieht das Happy End, doch anders aus, als man vermuten mag.

„Die Nebelelfen bietet ein durchweg gelungenes High Fantasy-Abenteuer mit einer angenehmen Mischung aus Action, Romantik und Drama, das sicherlich zwar in erster Linie Mädchen und junge Frauen ansprechen dürfte, aber auch kritischere Geschmäcker zufrieden stellen kann.

Copyright © 2010 Christel Scheja
 
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Die Nebelelfen

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Das Fest der Elfen

Erstellt von Werner Karl am 2. Februar 2010

das-fest-der-elfenCarsten Polzin (Hrsg.)
Das Fest der Elfen

Originalanthologie
ISBN 9783492267069
Übersetzungen von Jürgen Langowski (Mike Shultz und Dan Wells), Barbara Röhl (John Christopher)
und Birgit Reß-Bohusch (Jeff Carlson und Will Elliott)
München: Piper Verlag 2009
Piper Taschenbuch 6706
Umfang 204 Seiten

www.piper-verlag.de

Schon im dritten Jahr erscheint nun im Piper Verlag eine Originalanthologie mit phantastischen Geschichten zum Thema Weihnachten, zusammengestellt von Carsten Polzin. Während die ersten beiden durchaus gelungen waren, fällt die diesjährige Sammlung eher mäßig aus. Schuld daran ist vor allem die hohe Anzahl nichtssagender Geschichten. Zwar ist keine Story wirklich schlecht, die Summe wirklich guter Erzählungen hält sich jedoch leider arg in Grenzen, zumal diesmal nur 11 Kurzgeschichten enthalten sind (alle bis auf eine erstmals in Deutschland abgedruckt, nur die Story von John Christopher ist hierzulande bereits erschienen und stammt als einzige nicht aus dem Jahr 2009, sondern von 1949). Diese stammen von 6 deutschsprachigen und 5 englischsprachigen Autoren.

Wirklich gut ist die Story des jungen australischen Autors Will Elliott, der in ironischem Ton von der heimlichen Fast-Machtübernahme der Ehefrau des Weihnachtsmanns berichtet, die ihre ganz eigene Vorstellungen von adäquaten Geschenken für Kinder hat, vor allem für die weniger braven. Der genarrte Santa kann im letzten Moment verhindern, dass ein Weihnachtsblutbad entsteht, denn die Vorstellungen von “Mrs Claus” (so der Titel der Kurzgeschichte) über die “Bestrafung unartiger Kinder” würden jedem Kinder hassenden Sadisten zur Ehre gereichen.

John Christophers melancholischer, 60 Jahre alter Klassiker über das schwere Schicksal “abgenützter” Raumfahrer ist ebenso lesenswert wie die atmosphärisch dichte Kurzgeschichte von Richard Schwarz, der einmal im Jahr eine Geisterarmee auferstehen lässt, da deren letzte Pflicht noch nicht erfüllt ist. Lediglich Markolf Hoffmanns gallige Geschichte über die Regelübertritte des fiesen Königs des Dunklen Hofs und Marliese Arolds stilistisch brillante aber inhaltlich dieser Brillanz leider nicht ganz ebenbürtige Story über das zunächst traurige Schicksal einer Mischlingsfrau, deren Mutter Mensch und deren Vater Elfe ist, verdienen weitere Erwähnung und überzeugen.

Alle anderen Erzählungen bieten wenig Erwähnenswertes, wobei man vor allem vom US-Amerikaner Jeff Carlson ob seiner beiden hervorragenden (bei Piper erschienen) Romane mehr erwartet hätte. Gleiches gilt für Tobias O. Meißner, in den beiden ersten Anthologien Garant für intelligente und überraschende Unterhaltung, diesmal jedoch mit einer Geschichte vertreten, die man getrost so schnell wieder vergessen kann, wie man sie gelesen hat.

Auch Julia Conrad, Thomas Plischke, Mike Shultz und Dan Wells ist nichts Bemerkenswertes gelungen, alle Storys sind lesbar, leider aber nicht mehr. Wer gerne Kurzgeschichten liest, der sollte sich diese Anthologie zulegen, schon als Ergänzung zu den beiden vorangegangenen, das Niveau von Das Fest der Zwerge und Das Fest der Vampire erreicht die vorliegende Sammlung jedoch leider nicht mehr.

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Titel bei Amazon.de:
Das Fest der Elfen

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Nur Drachen leben länger

Erstellt von Werner Karl am 1. Februar 2010

nur-drachen-leben-langerJohn Moore
Nur Drachen leben länger

Originaltitel: A Fate worse than Dragons (2007)
Aus dem Amerikanischen von Birgit Reß-Bohusch
München: Piper Verlag 2009
Piper Taschenbuch 6662
Umfang: 317 Seiten
ISBN 9783492266628

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Sir Terry und Prinzessin Gloria haben sich ineinander verliebt, doch leider ist der Ritter ein armer Schlucker und deshalb nicht in der engeren Auswahl als Bräutigam für die Thronfolgerin. Deshalb zieht er aus, um einen feuerspeienden Drachen zu erschlagen und so die Prinzessin doch noch freien zu können. Zwar klappt das Drachentöten ganz gut, nach vollbrachter Heldentat muss der konsternierte Held jedoch feststellen, dass er das Ungeheuer im Nachbarkönigreich erschlagen hat, ihm also nur die Hand der verrückten Thronfolgerin von Oblongata, so der Name des Nachbarkönigreichs von Medulla, zusteht. Gedankenschnell verkauft Sir Terry seinen Knappen als eigentlichen Helden und entflieht. Zurück in Medulla haben er und Prinzessin Gloria bald eine neue Idee, wie ihre Hochzeit doch noch stattfinden könnte, obwohl die Thronfolgerin inzwischen dem reichen Bäckereierben Roland versprochen ist. Dieser wiederum ist mehr an seinen Backwaren interessiert, als an seiner zukünftigen Braut.

Durch eine fingierte Entführung erhoffen Gloria und Sir Terry, ihren Willen doch noch durchzusetzen zu können. Leider wird unversehens Ernst aus der Täuschung und Gloria wirklich entführt. Deshalb bricht Sir Terry mit Roland im Schlepptau auf, die Prinzessin zu befreien, bevor diese zu Greifenfutter verarbeitet werden kann, denn eigentlich sollte gar nicht sie entführt werden…

Pleiten, Pech und Pannen, so auch wieder das Motto des vorliegenden Romans von John Moore, der zweifellos zu seinen besten zählt. Die Geschichte ist fein ausgedacht, haarsträubend komisch und alle Protagonisten geben sich Mühe, bekannte Fantasyklischees durch den Kakao zu ziehen, was hervorragend gelingt. Besonders köstlich die Szene mit der jungen Frau, die sich erst mit ihrem Verführer nicht einlassen will, bis der Greif sie wegen ihrer Jungfräulichkeit verschlingen will, und die ihren Galan dann fast vergewaltigt, um ihrem Schicksal zu entgehen. Überhaupt wimmelt der wunderbare Roman von solchermaßen absurden Szenen, und es ist pures Vergnügen, der meisterhaft ausgedachten Geschichte in ihren abstrusen Wendungen zu folgen, wobei kaum ein Auge trocken bleibt. Allein die witzigen Namen der Königreiche, größtenteils wohl einem Anatomielehrbuch entlehnt, rufen beim kundigen Leser Heiterkeit hervor.

Lobenswert ist aber vor allem, mit welcher scheinbaren Mühelosigkeit der Autor es schafft, allzu banale Trivialitäten zu vermeiden und fantasytypische Dummbeuteleien geschickt zu veralbern, ohne dabei auf Flachwitzniveau zu sinken. Kaum einer beherrscht die niveauvolle Blödelei so hervorragend, wie John Moore in seinen Büchern, von denen Nur Drachen leben länger neben Blödprinz Charlie ganz klar eines seiner besten bisher ist. Bleibt nur zu hoffen, dass dem Autor die kruden Ideen und der köstlich-bescheuerte Humor niemals ausgehen mögen. (2xPRT)

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald

Titel bei Amazon.de:
Nur Drachen leben länger

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