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Die Magier von Montparnasse

Erstellt von Thomas Hofmann am 27. Februar 2010

Oliver Plaschka:magier
Die Magier von Montparnasse
Klett Cotta, 2010, 430 Seiten
978-3608938746

Klett-Cotta Verlag

Homepage des Autors

Die Idee ist nicht übel: Angesiedelt im Paris in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts existiert eine Gesellschaft von echten Magiern, die eifersüchtig über ihr Zauberei-Monopol wacht. Magisch Begabte, die außerhalb ihrer Gesellschaft Magie praktizieren, werden überwacht und verfolgt.

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Die Helden der Geschichte sind ein charmantes Varietee-Zauber-Pärchen, die mit der ihrem Bühnenprogramm die Aufmerksamkeit der Agenten der Société Silenciense (Stille Gesellschaft) auf sich ziehen, erleben nun mehrmals immer wieder denselben Tag mit leichten Veränderungen.

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Wo der Autor mit seinem Erstlingswerk, „Fairwater“, erschienen im Verlag Feder & Schwert, ausgezeichnet mit dem Deutschen Phantastik Preis 2008, hindeutet, kann er hier weiter ausbauen. Der erste Roman spielte ja vornehmlich in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert, zugegebener Maßen vor einer phantastischen Kulisse, doch dem Stil des Textes merkte man an, dass der Autor sich eher älteren Epochen verpflichtet fühlt und hier den Leser vergessen lässt, in welcher (gegenwärtigen) Zeit der Roman eigentlich spielt.

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Nun hat er also konsequent seinen Plot in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verlegt, wo er gerne auch seiner Vorliebe für ausgefeilte Wortwahl und antiquierter Erdzählweise frönen kann. Da muss man als Leser zunächst schon einmal mögen.

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Leider verdeckt dieser Stil – bereits auch schon in „Fairwater“ - den Plot gänzlich. Mir ist es so ergangen, dass ich beim Lesen von einer, zwei Seiten mich fragte, was ich denn da gelesen habe. Vor lauter Formulierungswut wurde für meine Begriffe der zu vermittelnde Inhalt nicht transportiert. Im genannten Erstlingswerk wechselten sich Passagen langer Innerlichkeit mit wirklichen Handlungs-Teilen ab, so dass man immer wieder zum Weiterlesen animiert wurde. Leider fiel mir hier die Lektüre tatsächlich noch schwerer, zumal das Erzählte sich aufgrund des Plots (also der sich immer wiederholende Ablauf desselben Tages mit leichten Nuancen) dem noch Vorschub leistete. Das fordert die Geduld des Lesers heraus. Anfänglich verwirrend, dann aber eigentlich nicht mehr so schlimm ist, dass jedes Kapitel aus der Sicht einer von 7 Hauptpersonen geschildert wird, alles Kapitel in der Ich-Form verfasst.

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Diese allerdings sehr feine und wohl gesetzte Sprache kann auch faszinieren. Es gibt Sätze, die ins Poesiealbum gehören. Das macht dann auch Sapß, keine Frage. Doch sollte man als potentieller Leser dafür eine Ader haben und keine „knallharte“ Action erwarten. Dagegen bietet der Roman absynthgeschwängerte Bohème-Atmosphäre

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Das Setting, die Figuren sind durchaus sehr phantastisch und befördern einen Eskapismus, der in den letzten Jahren nach dem Erfolg von „Harry Potter“ durch die Neuerfindung den phantastischen Genres große Leserschaften (und sicher noch mehr Kinogänger) begeistert. Wo „Harry Potter“ doch eher auf ein jüngeres Publikum zielt, hat diese spezielle Phantastik auch das erwachsene Publikum erreicht; exemplarisch möchte ich da „Jonathon Strange und Mr. Morrell“ von Susannah Clarke und den tollen Film “Das Kabinett des Dr. Parnassus” nennen. In diese Linie findet sich auch der vorliegende Roman wieder. Ach ja, sehr erinnerte er mich auch an “Prestige. Die Meister der Magie“ von Christopher Priest (ebenfalls brillant verfilmt).

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Ja, der Autor gehört zu den deutschen Neuendeckungen der Phantasik-Szene. Es ist einfach toll, was hier möglich ist – neben Endlos-Sagas um Trolle und Zwerge oder „romantische“ Vampire! So kann Phantastik auch sein, auch wenn sie wahrscheinlich am Ende nicht so eine große Verbreitung finden wird. Ich kann dem Autor nur die Daumen drücken (und mir wünschen, dass er das nächste Mal mehr am Plot bleibt).
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Bei Amazon zu finden
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Die geheime Geschichte Moskaus

Erstellt von Werner Karl am 12. Februar 2010

moskauEkaterina Sedia
Die geheime Geschichte Moskaus

Originaltitel: The Secret History of Moscow (2007).
Ins Deutsche übertragen von Olaf Schenk.
Stuttgart: Klett-Cotta 2009.
Umfang 327 Seiten
ISBN 9783608938739

www.klett-cotta.de

Durch den Erfolg der “Wächter-Trilogie” von Sergej Lukianenko boomt in Deutschland derzeit russische Phantastik. Da ist es nur folgerichtig, dass auch Klett-Cotta mit dem vorliegenden Roman an diesem Erfolg teilhaben will, auch wenn die Autorin in den USA lebt und das Buch im Original auch in der dort üblichen Landessprache erschienen ist. Inhaltlich ist Die geheime Geschichte Moskaus jedoch wirklich eigenständige Russische Phantastik, spielt die Autorin doch geschickt mit den dortigen Mythen und Märchen. Auch wenn Sedias Erstling nicht mit dem genialen Debüt Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky (erschienen als TB bei Heyne) mithalten kann, so gelingt ihr doch ein äußerst unterhaltsames und anregendes Werk, welches sich inhaltlich gar nicht mit Glukhovskys Werk vergleichen lässt.

Alles beginnt damit, dass die junge Moskauerin Galina Zeugin wird, wie ihre jüngere Schwester nach der abrupten Geburt eines Kindes scheinbar spurlos aus dem verschlossenen Badezimmer der häuslichen Wohnung verschwindet. Auch vor und unterhalb des Badezimmerfensters befindet sich niemand, nur ein einsamer Vogel kreist vor dem Fenster. Da Galina als verrückt gilt und auch schon einige Zeit wegen ihrer merkwürdigen Wahrnehmungen in der Psychiatrie weilte, würde ihr niemand glauben, dass sie in der kreisenden Dohle ihre Schwester wiederzuerkennen glaubt.

Doch bald darauf verwandeln sich immer mehr Moskauer in Vögel und Galina und der Polizist Jakov machen sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Aber erst der häufig angetrunkene Maler Fjodor, der als eine Art Stadtstreicher in Moskau lebt, zeigt den beiden den Weg in eine jenseitige Welt unterhalb der Stadt. Durch von der Realität abweichende Spiegelbilder in Pfützen oder auf Fensterscheiben fahrender Züge kann man eindringen in die phantastische Welt unterhalb der Stadt. Hierhin haben sich die meisten russischen Mythen- und Legendenwesen zurück gezogen, so die Kuh Zemun, die dereinst die “Milchstraße” erschaffen hat, der unsterbliche Kaschtschei, der seinen eigenen Tod gebannt hat, und viele andere Sagenwesen. Aber auch viele dereinst verfolgte oder verzweifelte Menschen finden sich in der jenseitigen Welt, in der man nicht mehr zu altern scheint. Neben einer vom Pogrom dereinst bedrohten jüdischen Familie findet Jakov auch seinen Großvater wieder, der vor dem Geheimdienst floh und hier eine Bar betreibt, in der alle zu verkehren scheinen.

Galina, Jakov und Fjodor verbünden sich mit den Sagengestalten und den geflohenen Menschen, denn hinter der massenhaften Verwandlung von Bewohnern Moskaus scheint ein finsterer Plan zu stecken, bei dem sich die kriminelle Moskauer Unterwelt mit jemand Mächtigem aus der jenseitigen Welt verbündet zu haben scheint, um die Grenze zwischen den beiden Welten aufzuheben und die Macht zu ergreifen. Während Galina verzweifelt versucht, ihre Schwester wieder zu finden und von ihrem Fluch zu befreien, gelingt es Kaschtschei einen ermordeten Kleinganoven wiederzuerwecken, der einem mächtigen örtlichen Schutzgelderpresser unterstand und getötet wurde, weil er zu viel wusste. Immer mehr verdichtet sich das Bild einer Existenz bedrohenden Verschwörung, deren Rädelsführer sogar über die Fähigkeit zu verfügen scheinen, menschliche Seelen in Edelsteine zu bannen und so für ewig gefangen nehmen zu können. Eine gewaltige Bedrohung für alle Menschen, vor allem für die Moskaus, sollte der Gefahr nicht bald Einhalt geboten werden…

Neben der dichten Atmosphäre muss vor allem die stilistische Fähigkeit der Autorin hervor gehoben werden, die dermaßen unauffällig und unspektakulär schreibt, dass es schon fast wieder als genial bezeichnet werden muss. Auch wenn der westliche Leser die russischen Mythologien kaum kennen dürfte (neben Väterchen Frost, der hier einen Gastauftritt hat, fehlt leider die berühmte Baba Jaga, die Hexe, die in dem Haus auf den Hühnerbeinen lebt; beide dürften so ziemlich die einzigen sein, die der westliche Leser kennt), so macht doch der bunte Kosmos der russischen Sagen und Märchen großen Spaß. Die geheime Geschichte Moskaus ist einfach Lesespaß pur, garniert mit interessanten und gut ausgearbeiteten Charakteren (so sind viele einzelne Kapitel bestimmten Personen gewidmet und erzählen die Geschichte und oft auch die Vorgeschichte dieser Protagonisten aus deren Sicht) und einer packenden Handlung. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch!

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald
 
Titel bei Amazon.de:
Die geheime Geschichte Moskaus

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Der Untergang des Römischen Weltreichs

Erstellt von Werner Karl am 1. November 2009

der-untergang-des-romischen-weltreichs1Peter Heather
Der Untergang des Römischen Weltreichs

The Fall of the Roman Empire, GB, 2005
Klett-Cotta, Stuttgart, 9/2007
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Sachbuch, Geschichte
ISBN 9783608940824
Aus dem Englischen von Klaus Kochmann
Titelgestaltung von Klett-Cotta-Design unter Verwendung der Originalausgabe
16 Seiten mit farbigen Abbildungen aus verschiedenen Quellen
16 Karten von ML Design, London
Autorenfoto von Gail Sawyer

www.klett-cotta.de
www.kcl.ac.uk/schools/humanities/depts/history/about/staff/heather.html

Das Römische Reich (die legendäre Gründung Roms wird auf 753 v. Chr. datiert) bestand etwa vom 6. Jh. v. Chr. bis ins 5. Jh. n. Chr. und wandelte sich im Laufe der Zeit von einem von Königen kontrollierten, expandierenden Reich zur Republik und schließlich zu einem Kaiserreich. Seine größte Ausdehnung hatte es unter Trajan im frühen 2. Jh. n. Chr. Warum dieses Großreich ab dem 4. Jh. zunehmend Probleme bekam und schließlich 476 mit der Absetzung des weströmischen Kaisers Romulus Augustulus durch den Germanen Odoaker sein Ende fand, beschäftigt die Historiker seit Generationen. Lange hielt sich die Meinung, dass die Römer degenerierten und einfach nicht mehr dem Ansturm der viel aggressiveren germanischen Volksstämme standhalten konnten. Politische und taktische Fehlentscheidungen, ein übergroßer, korrupter Beamtenapparat und zu hohe Steuern, eine mangelhafte Versorgung der Truppen und die Eingliederung von Fremdvölkern ins Heer wurden als Ursachen genannt.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde diese Theorie zunehmend infrage gestellt, da die Forschung neue Erkenntnisse gewinnen konnte, welche bislang in Fachkreisen, nicht jedoch unter Laien Verbreitung fanden. Wichtige Hinweise zur Neuinterpretation der Geschehnisse lieferten z. B. schriftliche Quellen, die nun unter völlig anderen Gesichtspunkten betrachtet wurden. Ging man zuvor von der Zuverlässigkeit der Angaben in zeitgenössischen Dokumenten – die zumeist von römischen Verfassern stammten - aus, so warf eine differenzierte, skeptischere Betrachtungsweise ein völlig neues Licht auf die Problematik: Natürlich waren die Schriftstücke aus römischer Sicht eingefärbt und betonten die Überlegenheit des eigenen Volkes, während andere Kulturen als primitiv und barbarisch abgewertet, Geschehnisse sogar verfälscht wiedergegeben wurden. Aus all dem entwickelte der aus Nordirland stammende Historiker Peter Heather, der sich nicht nur mit dem Römischen Reich sondern auch mit den Kulturen jener Völker befasste, die gegen das Imperium kämpften, von ihm unterworfen wurden oder sich ihm aus freien Stücken anschlossen, eine neue Deutung, die teilweise im Gegensatz zu den gängigen Erklärungen steht.

Zunächst beschreibt Peter Heather ausführlich die Gegebenheiten, als sich Rom auf dem Höhepunkt seiner Macht befand: Die Legionen waren bestens trainiert, optimal ausgerüstet und durch ein Elitedenken konditioniert, während es sich bei den so genannten Barbaren um untereinander zerstrittene Stämme handelte, die zwar manche Schlacht, nicht aber den Krieg für sich entscheiden konnten. Durch die Integration ins Römische Imperium wurde diesen Barbaren die Kultur der Eroberer vermittelt, so dass sich die Lebensbedingungen in jenen Regionen West- und Nordeuropas verbesserten, was zu einem Bevölkerungswachstum und der Entstehung einer einflussreichen Oberschicht nach römischem Vorbild führte. Neue Waffen und Strategien, die Kooperation mit anderen Stämmen und verschiedene Faktoren mehr ließen aus einem bislang unterschätzten Gegner eine Macht werden, mit der Rom nicht gerechnet hatte. Die von den Hunnen ausgelöste Völkerwanderung, die Gründung von autonomen germanischen Kolonien auf vormals römischem Gebiet (Spanien, Africa etc.) und weitere Probleme führten schließlich zu mehreren Konfliktherden auf eigenem Territorium und damit zu einer schweren Krise.

Nachweislich erlitt das Römische Reich keinen wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang – dieser Fakt wird auch durch die Blüte Ostroms gestützt, das unter den gleichen Voraussetzungen seine Souveränität erlangte und noch einige Jahrhunderte länger Bestand hatte -, doch kam es zu einer Verlagerung von einem zu mehreren Machtzentren, einer Umstrukturierung im Beamtenapparat sowie im Heerwesen, und die Fremdvölker schlossen in ihrer Entwicklung zu den Römern auf. Das Vordringen der Hunnen verzögerte die Übergriffe der Germanen, die in diesen Jahrzehnten erstarken konnten und nach dem Zerfall des Hunnenreichs die Römer überrannten. Peter Heather erläutert seine Theorien sehr sorgfältig, indem er Bezug auf die frühere Sichtweise nimmt und Vergleiche zulässt. Andere Historiker und zeitgenössische Quellen werden regelmäßig zitiert, um seine Sichtweise zu untermauern. Er beruft sich vor allem auf den aktuellen Stand der Kenntnisse und die neue Deutung von Zeitdokumenten.

Sein Buch ist verständlich und interessant geschrieben, was auch ein Verdienst von Übersetzer Klaus Kochmann (1943 – 2007: „Der Untergang des Römischen Weltreichs“ ist sein letztes Werk) ist. Er bemühte sich, den Originalton des Autors zu treffen, so dass sich die Schilderungen spannend lesen, für den Laien nachvollziehbar sind und dazu einladen, eine andere Sichtweise kennen zu lernen und eigene Spekulationen anzustellen. Trotzdem wendet sich der Titel hauptsächlich an Oberstufenschüler und Geschichtslehrer, an Studenten der Klassischen Altertumswissenschaften und an all jene, die sich aus beruflichen und privaten Gründen intensiver mit dem Thema befassen und seriöse Information wünschen, die über das Infotainment populärwissenschaftlicher Magazine und TV-Sendungen hinausgeht. Alles in allem ist „Der Untergang des Römischen Weltreichs“ ein sehr interessantes und gut lesbares Sachbuch, das viele Detailinformationen und schlüssige Theorien bietet. Abgerundet wird durch einen umfangreichen Anhang, der vor allem durch die Bibliographie besticht, die auf weiterführende Bücher hinweist. (IS)

Titel bei Amazon.de:
Der Untergang des Römischen Weltreichs

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Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen

Erstellt von Werner Karl am 24. Oktober 2009

persisches-feuer-e28093-das-erste-weltreich-und-der-kampf-um-den-westenTom Holland
Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen

Persian Fire. The First World Empire and the Battle fort he West, GB, 2005
Klett-Cotta, Stuttgart, 9/2008
HC mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Sachbuch, Geschichte
ISBN 9783608944631
Aus dem Englischen von Andreas Wittenburg und Susanne Held
Titelgestaltung von malsyteufel, willich
unter Verwendung des Originalumschlags von Kim
McGillivray@www.debutart.com
unter Verwendung eines Motivs: Chigi-Vase; Rom, Museo di Villa Giulia, 1990
16 Seiten mit Fotos in Farbe und SW und Karten aus verschiedenen Quellen
Autorenfoto von Camilla Broadbent

www.klett-cotta.de

Vor rund 2.500 Jahren war Persien, dessen Kerngebiet im heutigen Iran liegt, das erste Großreich der Welt. Den Grundstein dazu legte Kyros II, dessen Söhne und Nachfolger jedoch schon bald dem Machthunger der eigenen Offiziere zum Opfer fielen. Aus dem Gerangel um den Thron ging Dareios I siegreich hervor, der die Geschichte in seinem Sinne verfälschte, so dass die Historiker heute noch rätseln, was sich damals tatsächlich abspielte. Nachdem Dareios die Grenzen seines Reiches weiter ausdehnen und festigen konnte, lenkte der ‚Ionische Aufstand’ in Kleinasien die Aufmerksamkeit des Herrschers auf die Ägäis. Um aufrührerische Stadtstaaten wie Athen und Sparta zu befrieden und die ‚überlegene’ persische Kultur nach Westen zu tragen, sandte er seine Flotte aus. Das persische Heer wurde bei der Schlacht von Marathon besiegt, und die Niederlage des Xerxes stoppte endgültig den persischen Vormarsch.

Die Invasion der Perser wird als der erste ernsthafte Versuch einer Macht aus ‚dem Osten’ betrachtet, ihr Einflussgebiet nach Europa zu erweitern, was beinahe das Ende der westlichen Kulturen bedeutet hätte. Weitere Beispiele in der Folgezeit sind die Konflikte zwischen dem Sassaniden-Reich und Ostrom, das Vordringen der Mauren bis nach Spanien und Portugal, das Ende von Byzanz durch die Osmanen und ihr Vorrücken bis Wien.

Und noch immer droht dem Westen aus dieser Region Gefahr, da die zeitgenössischen Politiker sich als unfähig erwiesen haben, auf die Anliegen der dort ansässigen Völker richtig zu reagieren, ihre Anführer sogar unterschätzten. Die aktuellen Unruheherde und Kriege, vor allem aber der Terror, der sich gegen den Westen richtet, sind Folgen einer Jahrhunderte währenden Krise. Tom Holland, Historiker und Journalist, mag manchen als Verfasser einer Vampir-Trilogie, die sich um Lord Byron rankt, bestens bekannt sein. Nun bringt der Autor sein Geschichtswissen in Form eines unterhaltsamen, gut lesbaren Sachbuchs ein, das sich mit dem Aufstieg Persiens zur ersten Weltmacht und ihrem Niedergang nach dem Scheitern des Xerxes gegen die Griechen befasst.

Ausführlich und anschaulich beleuchtet Tom Holland die politische und kulturelle Situation in Persien und Griechenland, geht dabei auch auf die unterschiedlichen Versionen der Geschehnisse ein, denn schon damals schrieben die Sieger die Geschichtsbücher. Ergänzt wird mit Bildtafeln, Karten, einer Zeittafel von 1250 - 447 v. Chr., Anmerkungen und einer weiterführenden Bibliographie. Das Buch wendet sich in erster Linie an geschichtsinteressierte Leser: u. a. Schüler, Studenten, Lehrer und (Hobby-) Historiker, Journalisten. Man darf „Persisches Feuer“ als populärwissenschaftliches und doch anspruchsvolles Werk betrachten, das mit vielen Fakten und Theorien aufwartet, durch die auch die heutige politische Situation leichter verständlich wird. (IS) (3xPRT)

Titel bei Amazon.de: Persisches Feuer – Das erste Weltreich und der Kampf um den Westen

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Macmuth Ebelinger
2. Sergej Schicketanz
3. Ulf Schindler
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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Die Kinder Hurins

Erstellt von Werner Karl am 24. Oktober 2009

die-kinder-hurinsJ. R. R. Tolkien & Christopher R. Tolkien (Hrsg.)
Die Kinder Hurins

The Children of Hurin, GB/USA, 2007
Nach dem gleichnamigen Roman „Die Kinder Hurins“, Klett-Cotta, Stuttgart, 3/2007
Der Hörverlag, München, 11/2008
7 CDs in Plastiktütchen in einer aufklappbaren Papp-Box, Hörbuch, Fantasy
ISBN 9783867172394
Laufzeit: ca. 484 Min.
Aus dem Englischen von Hans J. Schütz und Helmut W. Pesch
Gelesen von Gert Heidenreich
Titelillustration von Alan Lee
Fotos von Finepic/Henkensiefken und Ullstein Bild/AP
Karte von Christopher R. Tolkien
Booklet à 42 Seiten

www.hoerverlag.de
www.tolkiengesellschaft.de
www.gert-heidenreich.com

Das Heldenepos um „Die Kinder Hurins“ wurde bereits im „Silmarillion“ erwähnt. Da es für sich stehen kann, lagerte dtv/Hobbot Press den Zyklus schon vor einigen Jahren aus und veröffentlichte ihn in Form dreier Taschenbücher. Christopher Tolkien berichtet im Vorwort, dass sein Vater bis zum Tod an jenen Geschichten arbeitete, die chronologisch vor dem „Herrn der Ringe“ spielen, doch er selber ergänzte und kürzte schließlich die Fragmente, um den Freunden von Mittelerde eine weitere reizvolle und in sich abgeschlossene Erzählung bieten zu können. Kennt man die anderen berühmten Werke von J. R. R. Tolkien, weiß man, worauf man sich einlässt: „Die Kinder Hurins“ ist keine Action-Fantasy mit markigen Dialogen sondern ein tragischen Epos im Stil des „Nibelungenliedes“. Der ernste Ton und die altertümlich anmutenden Formulierungen werden von Gert Heidenreich („Der Hobbit“, „Der Name der Rose“, „Dalai Lama: Perlen der Weisheit“ u. a.) glaubwürdig gelesen.

Die Gestaltung des Hörbuchs ist ansprechend: In einer aufklappbaren Papp-Box, die von einer Illustration Alan Lees geziert wird, der sich auf ‚Tolkien-Art’ spezialisiert hat, liegen sieben CDs in Plastiktütchen und ein umfangreiches Booklet, das ein Inhaltsverzeichnis des Hörbuchs, Informationen zu J. R. R. Tolkien und Gert Heidenreich, Stammbäume der wichtigsten Figuren, eine Namensliste und eine Karte von Mittelerde bietet.

In Beleriand leben Menschen und Elben friedlich nebeneinander, denn ein gemeinsamer Feind macht sie zu Verbündeten. Der finstere Morgoth will immer noch alles zerstören, was seine Valar-Geschwister an Schönem erschaffen haben. Hurin ist einer der Menschenkrieger, die sich gegen Morgoth stellen, doch wird er gefangen genommen und gefoltert. Da ihn die Tortur nicht brechen kann, verflucht Morgoth Hurin und seine Nachkommen. Deren Leben steht dann auch unter keinem guten Stern. Turin, der vom Elbenkönig wie ein Sohn aufgezogen wurde, verlässt seine Heimat nach einem Unglücksfall und taucht in den Wäldern unter. Dort schließt er sich einer Bande Ausgestoßener an und wird deren Anführer. Als ein Freund Turin schließlich findet und ihm erzählt, dass er längst von aller Schuld frei gesprochen wurde, lässt er sich dennoch nicht zur Rückkehr bewegen. Stattdessen zieht er unter neuem Namen weiter und lernt die geheimnisvolle Niniel kennen und lieben – mit fatalen Folgen, als sie herausfindet, wer er in Wirklichkeit ist…

„Die Kinder Hurins“ ist eine Chronik, die das Schicksal einer Sippe schildert, die sich Morgoths Zorn zuzog und fortan unter seinem Fluch leidet. Auch wenn man Anteil am Unglück der Figuren nimmt, so wahren sie doch Distanz zum Leser/Zuhörer, da ihre Motive und Handlungsweisen auf bestimmte Schemata reduziert wurden und der Erzähler aus einer neutralen Position heraus berichtet. Die Akteure reflektieren kaum ihr Tun und reagieren fast nur auf die Situation. Regelmäßig gibt es kleine Höhepunkte bis zum Finale, das mit einer letzten Tragödie aufwartet, die den angemessenen Schlusspunkt setzt.

Wer es zu ermüdend findet, die doch etwas trockenen Bücher Tolkiens zu lesen, wird dankbar für die Hörbuch-Umsetzungen sein, die eine echte Alternative darstellen, wenn man nach dem „Kleinen Hobbit“ und dem „Herrn der Ringe“ jene Titel kennen lernen möchte, die nicht ganz so gefällig und unterhaltsam konzipiert und aufbereitet wurden. Die Umsetzung des Hörverlags macht auch aus „Die Kinder Hurins“ eine einfachere und angenehmere Version für alle Tolkien-Fans! (IS)

Titel bei Amazon.de: Die Kinder Hurins

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Cotta’s kulinarischer Almanach No 16

Erstellt von Detlef Hedderich am 11. August 2009

Erwin Seitz (Hrsg.)
Cotta’s kulinarischer Almanach No 16

Klett Cotta, Stuttgart, 9/2008
HC mit Schutzumschlag und zwei Lesebändchen, Sachbuch, Lesebuch, Lifestyle, Essen & Trinken, 978-3-608-91339-2, 238/2190
Titelfoto von stockfood/michael brauner
Innenillustrationen von Isabel Klett

www.klett-cotta.de
www.isabelklatt.de

Zum Thema „Bodenständiger Süden“ steuerten zwanzig Autoren, die sich mit Reisen und Esskultur befassen, ihre Impressionen in Form unterhaltsamer Essays bei. Was jedoch soll man unter diesem Stichwort verstehen? Und wo beginnt der Süden?

Darüber gehen die Meinungen auseinander, denn es gibt keine konkrete Grenze, die Nord und Süd trennt. Nach Meinung der einen findet man südländische Lebensart bereits in Bayern und im Elsaß, für andere muss es schon die Schweiz oder Italien sein. An Gerichten wünschen sich jedoch alle etwas Natürliches und Unverfälschtes, das leicht, aber nicht abgehoben ist und die Umgebung mit ihrem Flair repräsentiert.

Hans-Josef Ortheil betrachtet das oberfränkische Coburg als eine ‚südliche Stadt’. Nach einigen Worten zu historischen Begebenheiten wendet sich der Autor dem gegenwärtigen Stadtbild zu, konzentriert sich dabei auf charakteristische Winkel und Lokale, schwärmt vom ‚Coburger Kloß’ und anderen kulinarischen Köstlichkeiten.

Herausgeber Erwin Seitz lädt nach Berlin in Restaurants ein, in denen man überraschenderweise mit schwäbischen Spezialitäten verwöhnt wird, und in einem zweiten Text berichtet er von den Weinen der Wachau, des Burgenlands und der Steiermark. Empfehlenswerte Adressen inklusive.

Renate Peiler erzählt, wie sie vor Jahren per Anhalter nach Päestum reiste - ein unvergessenes Erlebnis, das Grund genug für sie ist, immer wieder zu kommen. Und reicht es mal zeitlich nicht für einen Abstecher nach Italien, dann ist Regenburg genauso schön und kulinarisch erfüllend.

Katja Mutschelknaus schreibt über Kärnten und ergänzt ihre lebendigen Eindrücke durch ein Rezept für „Kärnter Kasnudeln“, das beweist, wie lecker selbst relativ einfache Gerichte sein können.

David Wagner stellt einen Linzer Speisezettel aus dem Jahr 1790 einem von 2008 gegenüber, der sich in gut 200 Jahren gar nicht so sehr verändert hat. Gern hätte man hier ein bisschen mehr als nur eine Liste gelesen.

Mit Innereien (Kutteln & Co.) befasst sich Michael Klett. Jedermanns Ding sind sie nicht, und der Autor bemüht sich, Vorurteile, die er selbst einst hatte, abzubauen.

Das sind nur einige Beispiele für den bunten Inhalt, der „Cotta’s kulinarischen Almanach No 16“ zu einem interessanten, vielseitigen Lesebuch macht. Man darf Städte und Landstriche mit den Augen von jemandem betrachten, der dort gewesen ist und die schönen Seiten – vor allem das gute Essen – kennen lernte. Ergänzt wird daher auch mit Rezepten und Adressen, so dass man sich davon überzeugen kann, ob der jeweilige Autor Recht hat. Bei so mancher Schilderung bekommt man Fernweh und Appetit!

Ergänzt wird mit dem „Deutschen Küchenkalender 2009“: Erwin Seitz hat jedem Monat ein bestimmtes Produkt zugeordnet, das er zusammen mit einem Rezept vorstellt. Es folgen thematisch passende Buchbesprechungen von Peter Eickhoff und eine kurze Biografie der Autoren. Abgerundet wird mit cartoonhaften, lustigen Illustrationen.

„Cotta’s kulinarischer Almanach ist eine unterhaltsame und informative Lektüre für jeden, der gerne reist, gutes Essen, Esskultur und Lebensart schätzt. Man darf schmunzeln, nachkochen und Reisepläne schmieden. Ein Buch das Spaß macht, wenn man mehr vom Leben möchte als Fertiggerichte daheim und Fast Food unterwegs! (IS)

Titel bei Amazon.de
Cotta’s kulinarischer Almanach No. 16: Bodenständiger Süden

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Die Welt der Hetären – Berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Juli 2009

Wolfgang Schuller
Die Welt der Hetären – Berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit

Klett-Cotta, Stuttgart, 3/2008
HC mit Schutzumschlag, Sachbuch, Kulturgeschichte, 978-3-608-96001-3, 304/2490
Titelgestaltung von Philippa Walz, Stuttgart unter Verwendung eines Fotos von akg-images/Werner Forman
16 Seiten mit Abbildungen aus verschiedenen Quellen
Autorenfoto von N. N.

www.klett-cotta.de

www.uni-konstanz.de/geschichte/altegeschichte

Hetären, Kurtisanen und Geishas – gebildete Frauen, die am Rande der Gesellschaft eine Ausnahmestellung innehatten und in allen Zeiten bewundert, aber gleichzeitig auch verachtet wurden, bewegten von jeher die Phantasie der Menschen. Wer waren sie? Wie waren sie wirklich? Wie lebten sie?

Was ist Wahrheit, was Mythos? – Diesen Fragen geht der Altertumswissenschaftler Wolfgang Schuller anhand von historischen Quellen in seinem Buch „Die Welt der Hetären“ nach.

Zunächst beschreibt er die Probleme, die sich ihm stellten: Von keiner Hetäre gibt es unmittelbare Überlieferungen wie Schriftstücke sondern nur Gedichte und Lieder von Freunden und Kritikern, die die Schönheit und Klugheit dieser Frauen preisen oder sie verspotten, sowie bruchstückhafte Berichte aus zweiter und dritter Hand, die aus denselben Gründen mit Vorsicht zu genießen sind. Oft bleibt unklar, ob die Schilderung einer realen oder fiktiven Persönlichkeit gilt bzw. ob es mehrere Frauen dieses Namens gegeben hat. Forschungsergebnisse wurden bislang nur von männlichen Altertumswissenschaftlern zusammengetragen, was das Bild der Hetäre nicht unerheblich mit beeinflusst hat.

Dann wendet sich der Autor den Hetären selbst zu und nennt einige der bekanntesten Frauen der archaischen Zeit, des Klassik, der hellenistischen Epoche, des römischen Reichs bis zum Ende der Spätantike. Da es zu weit führen würde, auch die Kurtisanen der Renaissance, die Mätressen absolutistischer Herrscher und die Musen vieler Künstler aus der ‚Demi-Monde’ des 19. Jahrhunderts oder ihre Pendants aus anderen Kulturkreisen zu berücksichtigen, verbleibt der Schwerpunkt der Abhandlung auf den griechischen und römischen Hetären.

Man geht davon aus, dass sich ihr Stand aus den Begleiterinnen entwickelte, die während eines Symposions bei Tisch aufwarteten, für schongeistige Unterhaltung und durchaus auch für erotische Spiele sorgten. Oft handelte es sich um Sklavinnen, um Freigelassene, seltener um Bürgerinnen. Wurde der Wert einer Sklavin erkannt, sorgte ihr Besitzer für eine umfassende Bildung und genoss Dank seiner klugen Begleiterin Ansehen bzw. mehrte durch sie sein Vermögen. Die kostbaren Geschenke ihrer Bewunderer erlaubten es der Hetäre, sich schließlich freizukaufen, in Wohlstand zu leben und sich die Männer auszusuchen, denen sie ihre Gunst schenkte.

Darin unterscheidet sich die Hetäre von der einfachen Prostituierten, die nur ihren Körper an Männer verkaufen konnte und bei den Freiern keine Wahl hatte. Zwar war es nicht ungewöhnlich, dass eine Hetäre eine Liebesbeziehung einging und unter Umständen zur Ehefrau erhoben wurde, doch wurden klare Grenzen gezogen: Die Gemahlin war zuständig für einen geordneten Haushalt und das Aufziehen legitimer Kinder (Bürger), wodurch sie der Polis von Nutzen war. Die Konkubine/Prostituierte bot sexuelle Vergnügungen.

Die Hetäre erfüllte die geistigen Ansprüche. Der junge Protegé wurde als zuverlässiger Gefährte und eventueller Nachfolger erzogen, wobei die ‚Knabenliebe’ vom Älteren auf den Jüngeren – nicht umgekehrt - projiziert wurde und entgegen vieler Meinungen das Zusammensein nie über ‚Schenkelverkehr’ hinaus ging.

Der Niedergang der Hetären wird ihrem sinkenden Ansehen – mehr Schein als Sein - in römischer Zeit und dem Erstarken des Christentums, das Sinnesfreuden durch eine neue Prüderie ersetzte, zugeschrieben.

Zweifellos hat es keine Ära gegeben, in denen die Hetären wirkliche Achtung genossen. Vordergründig wurden sie von ihren Verehrern gerühmt, einige Frauen konnten sogar politischen Einfluss nehmen und es zu einem beträchtlichen Vermögen bringen, doch die Mehrheit sah sich allgemeiner Verachtung ausgesetzt, und nicht selten wurden sie noch posthum von Dichtern und Geschichtsschreibern getadelt und angeklagt.

Interessiert man sich für (griechische und römische) Kulturgeschichte, und möchte man mehr über das Leben der Hetären erfahren, sollte man zu seriösen und wissenschaftlich fundierten Sachbüchern wie „Die Welt der Hetären“ greifen – und nicht zu oberflächlichen Abhandlungen der Regenbogenpresse, die bloß die deftigen Details medienwirksam aufbereitet. Fakten mögen zwar nicht so unterhaltsam zu lesen sein wie verkappte Liebesromane, doch wer echte Wissbegierde mitbringt, wird von den Zitaten und Auszügen aus Liedern und Gedichten fasziniert sein und sich über die Quellenangaben freuen, die es ermöglichen, sich weitere Kenntnisse zu dem Thema anzueignen. (IS)

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Die Welt der Hetären: Berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit

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Das Letzte Einhorn und Zwei Herzen

Erstellt von Wolfgang Wieser am 21. April 2009

Peter S. Beagle
Das Letzte Einhorn und Zwei Herzen

OT: The Last Unicorn (1961) und Two Hearts (2005)
übersetzt von Jürgen Schweier (The Last Unicorn) und Cornelia Holfelder-von der Tann (Two Hearts)
Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: März 2009
304 Seiten
ISBN 978-3-608-93872-2

Der Roman „The Last Unicorn” („Das letzte Einhorn”) von 1961 und vor allem dessen wunderbare Verfilmung als Zeichentrickabenteuer mit der herrlichen Musik der Band America (geschrieben von Jimmy Webb) verhalfen dem Autor Peter S. Beagle dereinst zu Weltruhm. Nichts wäre naheliegender gewesen, als die abenteuerliche Geschichte fortzusetzen, über eine Trilogie zu einem Zyklus zu kommen und später weitere Zyklen folgen zu lassen, wie dies derzeit in der Fantasy so üblich ist. Doch die gnadenlose Auswalzung und Vermarktung seiner Produkte, die gnadenlose Trivialisierung, scheint nicht Beagles „Stärke” zu sein. Stattdessen gibt es bis heute nur eine „kleine” Novelle von etwas mehr als 50 Seiten, in welcher der Autor in seinen Kosmos zurückkehrt.

In „Zwei Herzen” sind die Protagonisten alt geworden. Molly Grew hat graues Haar, lebt jedoch noch immer mit dem Zauberer Schmendrick zusammen, obwohl sie angeblich nicht „mit ihm zusammen” ist. Aus der Sicht des fast 10jährigen Dorfmädchens Sooz wird erzählt, dass sich ein mächtiger Greif in der Nähe des Dorfs des Mädchens niedergelassen hat. Zwar frisst dieser zuerst nur die Ziegen und Schafe der Bauern, doch bald vergreift er sich auch an den Kindern der Dorfbewohner. So schickt man einen Boten zu König Lír, der einen Ritter entsendet, welcher dem Spuk ein Ende machen soll. Dieser Kämpfer verschwindet jedoch genauso wie die später ausgeschickten fünf Ritter und eine noch später entsandte Armee von Rittern. Als die Dorfbewohner bereits alle Hoffnung aufgegeben haben, macht sich die beherzte Sooz allein auf zum König, um erneute Hilfe zu erbitten, da der blutrünstige Greif inzwischen auch ihre beste Freundin gefressen hat. Auf dem Weg zum König trifft sie ausgerechnet Schmendrick und Molly Grew, die das Mädchen dann zum König geleiten.

Doch Lír ist alt geworden und die Zeit nagt an seinem Geist. Vieles hat er vergessen, oft scheinen seine Gedanken im Nichts zu verschwinden und nur die Erwähnung von Lady Amalthea, seiner einstigen Geliebten, die Schmendrick von einem Einhorn kurzzeitig in einen Menschen verwandelt hatte, damit sie den bösen König Haggard und seinen mächtigen Gehilfen, den Roten Stier, besiegen konnte, bringt ihn wieder zurück in die Gegenwart. Ohne zu zögern entschließt sich Lír jedoch, den Dorfbewohnern zu helfen, und macht sich in Begleitung von Molly, Schmendrick und Sooz auf, das Untier zu töten…

„Zwei Herzen” ist ein wunderbar melancholischer Abgesang auf die bekannten Helden, die alt und müde geworden ihrem letzten großen heroischen Abenteuer entgegen streben. Für alle Fans von „Das letzte Einhorn” ist die Novelle ein ebenso freudiges wie trauriges Wiedersehen mit ihren Lieblingshelden. Die tragische kleine Geschichte trifft noch einmal jene einzigartige Atmosphäre, die das wunderbare Buch Beagles auszeichnet und ist somit ein würdiger und ehrenvoller Abgesang auf die Helden.

Auch wenn die Liebhaber des Meisterwerks von 1961 bedauern werden, dass der Autor keinen mehrtausendseitigen Zyklus aus seinem Meilenstein der Fantasyliteratur gemacht und somit alle Einzigartigkeit zerwalzt und vernichtet hat, die wahren Fans werden Peter S. Beagle dafür danken, dass er bisher keine Verwässerung und Trivialisierung zugelassen hat und eventuellen monetären Verführungen widerstanden hat. Möge es so bleiben und mögen auch eventuelle Erben des Autors dereinst die Finger lassen von schundigen Fortsetzungen, denn etwas so Einzigartiges wie „Das letzte Einhorn” sollte für immer ein Unikat bleiben dürfen! (gb)

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Die geheime Geschichte Moskaus

Erstellt von Wolfgang Wieser am 21. April 2009

Ekaterina Sedia
Die geheime Geschichte Moskaus

OT: The Secret History of Moscow
übersetzt von Olaf Schenk
Klett-Cotta
Erscheinungsdatum März 2009
Hardcover
328 Seiten
ISBN 978-3-608-93873-9

Durch den Erfolg der „Wächter”-Trilogie von Sergej Lukianenko boomt in Deutschland derzeit russische Phantastik. Da ist es nur folgerichtig, dass auch Klett-Cotta mit dem vorliegenden Roman an diesem Erfolg teilhaben will, auch wenn die Autorin in den USA lebt und das Buch im Original auch in der dort üblichen Landessprache erschienen ist.

Inhaltlich ist „Die geheime Geschichte Moskaus” jedoch wirklich eigenständige Russische Phantastik, spielt die Autorin doch geschickt mit den dortigen Mythen und Märchen. Auch wenn Sedias Erstling nicht mit dem genialen Debüt „Metro 2033″ von Dmitry Glukhovsky (erschienen als Paperback bei Heyne) mithalten kann, so gelingt ihr doch ein äußerst unterhaltsames und anregendes Werk, welches sich inhaltlich gar nicht mit Glukhovskys Werk vergleichen lässt.

Alles beginnt damit, dass die junge Moskauerin Galina Zeugin wird, wie ihre jüngere Schwester nach der abrupten Geburt eines Kindes scheinbar spurlos aus dem verschlossenen Badezimmer der häuslichen Wohnung verschwindet. Auch vor und unterhalb des Badezimmerfensters befindet sich niemand, nur ein einsamer Vogel kreist vor dem Fenster. Da Galina als verrückt gilt und auch schon einige Zeit wegen ihrer merkwürdigen Wahrnehmungen in der Psychiatrie weilte, würde ihr niemand glauben, dass sie in der kreisenden Dohle ihre Schwester wiederzuerkennen glaubt. Doch bald darauf verwandeln sich immer mehr Moskauer in Vögel und Galina und der Polizist Jakov machen sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Aber erst der häufig angetrunkene Maler Fjodor, der als eine Art Stadtstreicher in Moskau lebt, zeigt den beiden den Weg in eine jenseitige Welt unterhalb der Stadt. Durch von der Realität abweichende Spiegelbilder in Pfützen oder auf Fensterscheiben fahrender Züge kann man eindringen in die phantastische Welt unterhalb der Stadt. Hierhin haben sich die meisten russischen Mythen- und Legendenwesen zurückgezogen, so die Kuh Zemun, die dereinst die Milchstraße erschaffen hat, der unsterbliche Kaschtschei, der seinen eigenen Tod gebannt hat, und viele andere Sagenwesen. Aber auch viele dereinst verfolgte oder verzweifelte Menschen finden sich in der jenseitigen Welt, in der man nicht mehr zu altern scheint. Neben einer vom Pogrom dereinst bedrohten jüdischen Familie findet Jakov auch seinen Großvater wieder, der vor dem Geheimdienst floh und hier eine Bar betreibt, in der alle zu verkehren scheinen.

Galina, Jakov und Fjodor verbünden sich mit den Sagengestalten und den geflohenen Menschen, denn hinter der massenhaften Verwandlung von Bewohnern Moskaus scheint ein finsterer Plan zu stecken, bei dem sich die kriminelle Moskauer Unterwelt mit jemand Mächtigem aus der jenseitigen Welt verbündet zu haben scheint, um die Grenze zwischen den beiden Welten aufzuheben und die Macht zu ergreifen. Während Galina verzweifelt versucht, ihre Schwester wieder zu finden und von ihrem Fluch zu befreien, gelingt es Kaschtschei einen ermordeten Kleinganoven wiederzuerwecken, der einem mächtigen örtlichen Schutzgelderpresser unterstand und getötet wurde, weil er zu viel wusste. Immer mehr verdichtet sich das Bild einer Existenz bedrohenden Verschwörung, deren Rädelsführer sogar über die Fähigkeit zu verfügen scheinen, menschliche Seelen in Edelsteine zu bannen und so für ewig gefangennehmen zu können. Eine gewaltige Bedrohung für alle Menschen, vor allem für die Moskaus, sollte der Gefahr nicht bald Einhalt geboten werden…

Neben der dichten Atmosphäre muss vor allem die stilistische Fähigkeit der Autorin hervor gehoben werden, die dermaßen unauffällig und unspektakulär schreibt, dass es schon fast wieder als genial bezeichnet werden muss.

Auch wenn der westliche Leser die russischen Mythologien kaum kennen dürfte (neben Väterchen Frost, der hier einen Gastauftritt hat, fehlt leider die berühmte Baba Jaga, die Hexe, die in dem Haus auf den Hühnerbeinen lebt; beide dürften so ziemlich die einzigen sein, die der westliche Leser kennt), so macht doch der bunte Kosmos der russischen Sagen und Märchen großen Spaß.

„Die geheime Geschichte Moskaus” ist einfach Lesespaß pur, garniert mit interessanten und gut ausgearbeiteten Charakteren (so sind viele einzelne Kapitel bestimmten Personen gewidmet und erzählen die Geschichte und oft auch die Vorgeschichte dieser Protagonisten aus deren Sicht) und einer packenden Handlung.  Ein unbedingt empfehlenswertes Buch! (gb)

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BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Salvatore Bruno
2. Hugo Wendelin
3. Ilona Bootz
4. Martin Steller
5. Micha Gretschmar
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
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