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Mordlust

Erstellt von Michael Drewniok am 13. Februar 2010

sandford-mordlust-cover-tb-2009John Sandford
Mordlust

Originaltitel: Invisible Prey (New York : G. P. Putnam’s Sons, a member of Penguin Putnam, Inc. 2007)
Übersetzung: Ellen Schlootz
Deutsche Erstausgabe (geb.): September 2008 (Page & Turner Verlag)
447 S.
ISBN-13: 978-3-442-20336-9
Als Taschenbuch: Dezember 2009 (Wilhelm Goldmann Verlag/TB Nr. 46258)
447 S.
ISBN-13: 978-3-442-46258-2

Das geschieht:

Constance Bucher, eine alte Lady aus noch älterem Geldadel der Doppelstadt Minneapolis/St. Paul, wird zusammen mit ihrer Hausangestellten erschlagen und ausgeraubt. Der soziale Status der Toten bringt die Behörden auf Trab; Lucas Davenport, Ermittler des Staatskriminalamts Minnesota, übernimmt den brisanten Fall, der viele Rätsel aufgibt, wurde doch zusammen mit kostbarem Schmuck allerlei Dachkammer-Trödel gestohlen, der sich indes bald als antiquarisch wertvoll erweist: Offensichtlich waren die Einbrecher einschlägig vorgebildet.

In der Tat sind Leslie Widdler und seine Ehefrau Jane anerkannte Experten für wertvolle Altertümer. Pikanterweise wurden ausgerechnet sie von der Polizei als Berater im Mordfall Bucher engagiert. Davenport versorgt das Paar nichtsahnend mit aktuellen Infos über die Ermittlungen und wird im Gegenzug mit falschen Auskünften in die Irre gelockt.

Doch Davenport ist ein hartnäckiger Fahnder und bereitet den Widdlers bald große Sorgen, denn er kommt einer ganzen Kette ihrer Verbrechen auf die Spur, die mit dem Bucher-Fall in Zusammenhang zu bringen sind: Ältere und sehr vermögende Damen kamen gewaltsam zu Tode, und aus ihrem Besitz verschwanden Antiquitäten.

Während Davenport noch im dunkeln tappt, macht sich bei den Widdlers Angst breit. Sie versuchen Beweise zu vernichten, agieren unvorsichtig, erregen Aufsehen. Ein Fehler führt zum nächsten, ein Mord muss begangen werden, um eine allzu neugierige Zeugin auszuschalten. Die Widdlers rettet nur, dass Davenport durch einen alten, noch offenen Fall abgelenkt ist, aber es ist abzusehen, dass er dennoch bald alle Teile für dieses Mordpuzzle zusammen hat. Nun ist sich jeder der Widdlers selbst der bzw. die Nächste, das Chaos erreicht seinen Höhepunkt, und Davenport selbst gerät ins Visier des panischen Paars …

Katz-und-Ratten-Jagd

17 Fälle der meist vertrackten Art hat Lucas Davenport bisher gelöst; eine stolze Zahl, die aber erst richtig beeindruckt, weil er bzw. sein geistiger Vater John Sandford keine Altersmüdigkeit zeigen. Sicherlich gab es in der Serienvergangenheit weniger gelungene Abenteuer, und da Sandford die Reihe fortsetzt, wird das auch zukünftig geschehen. Doch immer wieder überrascht der Autor mit Romanen wie „MordLust“, die stabil geplottet, mit interessanten Figuren besetzt und mit der Handwerkskunst des selbstbewussten Schriftsteller-Routiniers geschrieben sind.

Einmal mehr legt Sandford eine Mischung aus „Whodunit“ und „Howdunit“ vor. Mit der Frage nach dem Täter muss sich Davenport herumschlagen, während die Leser bereits früh über die Identität desselben (bzw. derselben) aufgeklärt sind (weshalb es kein Spoiler ist, wenn an dieser Stelle Schurke und Schurkin bei den Namen genannt werden). Für den Verfasser bedeutet diese Konstruktion eine besondere Herausforderung: Ihm muss es gelingen, die Suche nach Tätern, die wir kennen, mit Spannung zu versetzen. Andererseits birgt die Herausforderung auch eine vielversprechende Möglichkeit: Die Jagd lässt sich mit den zunehmend verzweifelten Bemühungen der Mörder, sich in Sicherheit zu bringen, konterkarieren.

In der Tat gelingt Sandford das Kunststück, zwei Handlungsstränge parallel laufen zu lassen und so zu verzahnen, dass die Verbindungen zunächst nur dem Leser, nicht aber Davenport auffallen, ohne diesen dadurch als begriffsstutzig zu brandmarken. Stattdessen zieht der Autor das Tempo stetig an und fügt den Strängen immer mehr Verbindungssprossen ein, bis bei Davenport endlich – aber nicht gar zu spät – der Groschen fällt und die mühsam in Erfahrung gebrachten Informationsstückchen sich zum großen Erkenntnismosaik fügen.

Der Wolf und beiden Wiesel

Mit der Doppelung der Handlung sichert sich Sandford die Möglichkeit, quasi einen neuen Blick auf Lucas Davenport, eine Person, über die wir scheinbar längst alles wissen, zu werfen. Wir sehen ihn durch die Augen der Wibblers und lernen ihn dabei wieder kennen: Davenport ist der geborene Jäger, intuitiv, trotzdem geduldig und vor allem ein Mann, der seinen Job liebt – kein Wunder, dass die Wibblers, zwei gestandene Serienkiller, allmählich die Nerven verlieren. Sie haben als Berater der Polizei quasi Logenplätze für diese Ermittlungsvorstellung. Ahnungslos setzt Davenport sie sogar selbst in Kenntnis über den Stand der Fahndung. Sie müssen feststellen, dass er ihnen immer näher rückt, weil er einfach gut ist. Dies setzt die turbulenten und gewaltreichen Aktionen in Gang, die das letzte Romandrittel prägen und in einem spektakulären, Sandford-typisch leicht überzogenen Finale münden.

Serienkiller können als Duo ‚arbeiten‘, wie die Kriminalgeschichte belegt. Eher ungewöhnlich aber dramaturgisch effektvoll ist es, sie eine funktionierende Ehe führen zu lassen. Freilich darf man Sandford auch hier nicht auf den Leim gehen: Die Wibblers sind Räuber und Mörder, aber sie sind voreinander durchaus auf der Hut. Als es misslingt, Davenport auf eine falsche Spur zu locken oder gar auszuschalten, geht es nur noch darum, wer wen den Verfolgern schneller zum Fraß vorwerfen kann. Die raubtierähnliche Dynamik dieser Beziehung und ihr Talent als durchtriebene Intriganten macht die Wibblers zu interessanten Figuren, an deren Geschick man durchaus Anteil nimmt.

Ein Mann, der weiß, was er kann

„Lässig“ ist vielleicht ein ungewöhnliches Adjektiv, um einen Roman zu charakterisieren. Gemeint ist keineswegs, dass Sandford die Zügel schleifen lässt. Im Gegenteil: Er hat seinen Helden, seine Serie und sein Publikum so gut im Griff, dass er sich Insider-Gags und kleine Abschweifungen gestatten kann. In einem früheren Band war dies beispielsweise eine Liste von Davenports 100 Lieblingshits, die dieser im Verlauf der Handlung immer wieder kommentierte und mit Freunden besprach und die Sandford dem Roman als Anhang beifügte.

Dieses Mal gönnt Sandford sich und den Lesern eine gut portionierte Dosis trockenen bis schwarzen Humors, der sich nicht plump in die Handlung mischt und diese gar dominiert, sondern unauffällig aber sorgfältig dort integriert wird, wo er passt und zur Geltung kommt. Besonderes Vergnügen bereiten u. a. hübsche Spitzen, die sich gegen geltungssüchtige Reporter, publicitygeile Politiker oder True-Crime-Autorenkollegen richten.

Eher sarkastisch wird Sandford, wenn er die Eskapaden eines nur scheinbar ehrbaren Senators schildert, der minderjährige Bettgespielinnen bevorzugt und an eine Lolita mit geschäftstüchtiger Mutter gerät. Mit allen durch zwei Bush-Regierungen zementierten politischen Privilegien will der gelinkte, geile Greis sich aus der Affäre tricksen, lügen und drohen, aber in Lucas Davenport trifft er einen Gegner, der keine Skrupel hat, sich ähnlicher Methoden zu bedienen, die in diesem Fall gezielte Indiskretionen an eine immer hungrige Klatschpresse beinhalten.

Nie hintergründig aber immer unterhaltsam vergehen für den Leser 450 Seiten wie im Fluge. Mancher Scherz streift hart die Grenze der Geschmacklosigkeit oder verletzt sie sogar, aber das ist ein Preis, den man als leidgeprüfter Leser für den Verzicht auf „political correctness“ bereitwillig zahlt – und sich auf die Fortsetzung dieser lang laufenden aber nie langweiligen Thriller-Serie freut!

Autor

John Sandford, geboren 1944 als John Camp im US-Staat Iowa, studierte zunächst Geschichte, leistete dann seinen Militärdienst in Korea und ging anschließend an die Universität zurück. Mit einem „Master’s Degree in Journalism“ in der Tasche arbeitete Camp zwischen 1970 und 1978 für die „Miami Herald Tribune“, wo er Seite an Seite mit seinen inzwischen ebenfalls als Thriller-Autoren zu Bestsellerruhm gekommenen Kollegen Carl Hiaasen und Edna Buchanan arbeitete. Seine journalistische Laufbahn gipfelte Mitte der 80er Jahren eindrucksvoll im Gewinn des Pulitzer-Preises für eine Artikelserie, die ein Jahr im Leben einer modernen Farmer-Familie beschrieb.

Einige Jahre später begann Camp Romane zu schreiben - gründlich wie stets debütierte er gleich mit zwei Büchern, von denen „Rules of Prey“ („Die Schule des Todes“), veröffentlicht unter dem Pseudonym „John Sandford“, den ersten Auftritt von Lucas Davenport schilderte. Mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks ließ Camp/Sandford pro Jahr einen weiteren Davenport-Roman folgen (die im amerikanischen Original übrigens immer das Nomen „Prey“ - gleich „Opfer“ oder „Beute“ - im Titel tragen).

Seine flott geschriebenen Romane um den Polizisten Lucas Davenport erobern seit Jahren regelmäßig die Bestsellerlisten. Neben seiner Leidenschaft für Archäologie und Geschichte, die er in den letzten Jahren auch auf echten Ausgrabungen auslebt, liebt Sandford die Natur, geht gerne Fischen, spielt Klavier, und fotografiert leidenschaftlich gern. Der Autor lebt heute mit seiner Frau, die er nach einer freundschaftlichen Scheidung inzwischen ein zweites Mal geheiratet hat, in der Nähe von Minneapolis.

John Sandfords Website findet man hier.

[md]

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Die Zeit der Sieben

Erstellt von Werner Karl am 5. Februar 2010

die-zeit-der-siebenAileen P. Roberts
Die Zeit der Sieben
Thondras Kinder 1

(sfbentry)
Goldmann Verlag, München, 6/2009
TB, Fantasy
ISBN 9783442470570
Umschlaggestaltung von UNO Werbeagentur, München
unter Verwendung eines Fotos von Getty Images/Chris Strong
Karte von e-map-studio, Margret Prietzsch

www.goldmann-verlag.de
http://www.aileen-p-roberts.de/

Seit Jahrhunderten werden immer wieder sieben Menschen vom Kriegsgott Thondra auserwählt. Diesen Sieben ist es gegeben, die Welt zu retten. Allerdings ist ihnen dies noch nie ganz gelungen, das Böse ist immer wieder auferstanden und erstarkt. Jahr um Jahr reisen Sucher sowohl der ‚Guten’ um den Zauberer Hawionn aus Camasann als auch der ‚Bösen’ um König Scurr, in dem der böse Geist des Zauberers Kââr wiedergeboren sein soll, durch die Lande. Sie sind auf der Suche nach Kindern und Jugendlichen, die besondere Fähigkeiten im Kampf aufweisen. Diese Kinder werden dann auf die jeweiligen Schulen gebracht und dort bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr ausgebildet. Erst dann kann sich zeigen, ob sie zu den auserwählten Sieben gehören.

Auf dem Weg nach Camasann wird ein Wagen mit noch ungeprüften Kindern von Scurrs Kriegern überfallen, und seine Insassen werden nach Ursann gebracht, wo sie gebrochen, geschliffen und zu unbarmherzigen Kampfmaschinen herangezogen werden. Insbesondere ein Steppenjunge, Ariac, wird hart gefordert, lässt sich aber lange nicht brechen. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der kleinen Rijana, mit der er sich angefreundet und die er vor den bösen Kriegern versteckt hatte, hält ihn aufrecht. Rijana wiederum wird schlussendlich auf die Insel Camasann gebracht und erhält dort mit vielen anderen zusammen eine umfassende Ausbildung in einem freundlichen und freundschaftlichen Rahmen.

Leider wird dieser Rahmen aber viel zu wenig ausgefüllt. Anfangs hofft man noch darauf, dass sich die verschiedenen Charaktere – acht Freunde finden sich unter all den Jugendlichen und Kindern zusammen und bestehen die Ausbildung gemeinsam – aneinander reiben, gemeinsam wachsen und lernen. Doch von Kapitel zu Kapitel passiert in diesem ersten Teil, der Ausbildung, recht wenig. Auf Camasann ist man meist froh, hat viel zu Essen und lässt es sich gut gehen. Im Kontrast dazu lebt Ariac in Ursann ein Hundeleben, bekommt wenig zu Essen, und nur seine Ausdauer, seine schon vor der Verschleppung erlangte Zähigkeit hält ihn am Leben. Letztlich will der König natürlich auch testen, ob der Junge nicht eventuell ein Auserwählter und damit brauchbar sein könnte. Auch ein Grund dafür, dass Ariac überlebt, obwohl er dem Ausbilder immer ein Dorn im Auge ist.

Spannung hätte aufkommen können, als man Ariac zu überlisten versucht, ihm einen vermeintlichen Freund an die Seite stellt, der ihn aber dann doch nur verrät. Das alles wird in wenigen Sätzen abgehandelt, und schon geht es auch wieder nach Camasann, wo es gutes Essen gibt. Natürlich finden sich auch Ränkeschmiede, und der Leser bekommt mit, dass auf Camasann und im Reich der vermeintlich Guten überhaupt nicht alles Gold ist, was glänzt. Insbesondere nachdem die sieben Gefährten gefunden bzw. sich beim jährlichen Test gezeigt haben, wird dies im Verhalten des Königs Greedeon deutlich, der die Krieger bei sich behalten und zu seinen Zwecken einsetzen will. Ariac, der siebte der Sieben, stößt letztlich auch zur Gruppe, wird allerdings nicht wirklich als Mitglied anerkannt. Nur Rijanna hält zu ihm, und dann beginnt auch der Teil der Buches, der richtig Spaß macht und flott geschrieben ist.

Bis dahin beherrschte ein eher holpriger Stil die Erzählung, inhaltlich springt man von hier nach da, und es wird keine Nähe zu den Figuren aufgebaut. Die Hauptcharaktere entwickeln sich nicht wirklich weiter, außer dass sie Beziehungen aufbauen und sich, im Falle der Männer, Bärte wachsen lassen. Ariac, der sich mit Rijanna auf die Suche nach seinem Volk in seine Heimat, die Steppe, aufmacht, wird auf die Dauer zu stereotyp dargestellt. Gerade im Hinblick auf Rijanna, mit der ihn mehr als nur Freundschaft verbindet, hätte sich gerade diese Figur weiter entwickeln können.

Doch letztlich bleibt die Reise in die Steppe, die Suche nach Ariacs Stamm und das langsame Zusammenwachsen mit Rijanna ein unterhaltsamer und teilweise auch spannender Teil des Romans. Zu vorhersehbar bleibt zwar die Bewältigung der einen oder anderen ‚Gefahr’, zu unvermittelt erinnert meist Rijanna sich an Unterrichtsstunden und Themen, die ihnen genau im rechten Moment helfen, ungewisse Situationen zu einem für sie guten Ende zu bekommen. Außerdem sind beide hervorragende Kämpfer und können es, kommt es doch mal zu einer direkten Konfrontation, mit mehreren Gegnern locker aufnehmen. Aber insgesamt geht es in diesem Teil flott voran, man hat als Leser das Gefühl, eine gewisse Entwicklung miterleben zu können, ohne das wieder Jahre übersprungen werden. Und die Schilderungen von Reise und Landschaft legen nahe, dass auch der Autorin dieser Teil am Herzen lag.

Wenn es allerdings drei Tage regnet (und es regnet viel, wenn die Helden unterwegs sind!) und dann der Himmel aufzureißen scheint, scheint es dem Leser nicht ratsam, die Kleidung zum Trocknen aufzuhängen. Die Helden tun es, reiten weiter, und prompt regnet es wieder… oder doch immer noch? Zudem bleiben die restlichen fünf der sieben Krieger Thondras eher flach gezeichnet und tragen wenig zum Fortgang der Geschichte bei. Ein Verliebter, der aus Eifersucht unüberlegt handelt und dann nicht zu seinem Handeln steht, bildet die Ausnahme, zeigt aber auch sonst keine Ecken oder Kanten, die (s)einen Charakter hervorhöben. Dass weder im Klappentext noch in den biografischen Notizen zu lesen ist, dass es sich um einen ersten Teil handelt und die Geschichte somit nicht auf den hier vorliegenden sechshundert Seiten beendet wird, ist ein grobes Manko. Mittlerweile gibt es den zweiten und wohl auch abschließenden Teil der Saga, aber der Hinweis auf eine Fortsetzung hätte schon auf das erste Buch gehört.

Insgesamt hat Claudia Lössl a. k. a. Aileen P. Roberts mit „Thondras Kinder“ die Fantasy nicht neu erfunden, aber eine alte Idee in ein nettes Gewand gekleidet. Als Beiwerk gibt es auch Elfen, Orks, Zwerge und Finstergnome; sie dienen aber eher dem Hintergrund als der eigentlichen Geschichte. Das eine oder andere Mal hätte man ihr einen kritischeren Lektor gewünscht, denn der Stil ist anfangs recht gewöhnungsbedürftig. Hat man sich einmal eingelesen, geht es – manchmal zu – flott voran, und wenn in dem abschließenden zweiten Band, die Figuren etwas ausführlicher gezeichnet und dargestellt werden, ist die Lektüre der Geschichte ein durchaus lesenswerter Zeitvertreib.

Thomas Folgmann (ft)

Titel bei Amazon.de:
Die Zeit der Sieben

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Alle haben Angst

Erstellt von Michael Drewniok am 2. Februar 2010

benson-angst-coverBen Benson
Alle haben Angst

Originaltitel: The Girl in the Cage (New York : Bantam 1955)
Deutsche Erstausgabe: 1959 (Wilhelm Goldmann-Verlag/Goldmanns große Kriminalromane Nr. 183)
Übersetzung: Paul Baudisch
178 S.
[keine ISBN]
Als Taschenbuch: 1961 (Wilhelm Goldmann-Verlag/Goldmanns Taschen-Krimi Nr. 1016)
Übersetzung: Paul Baudisch
178 S.
[keine ISBN]

(sfbentry)

Das geschieht:

Carlton ist ein Städtchen irgendwo im US-Staat Massachusetts. Seit einiger Zeit mehren sich hier dreiste Autodiebstähle. Der örtliche Sheriff ist faul und korrupt. Die Staatspolizei nimmt sich deshalb des Falles an. Der junge Beamte Ralph Lindsey wird nach Carlton beordert. Inkognito soll er sich in die Diebesbande einschleichen. Die besteht offenbar aus sehr jungen Strolchen wie dem großmäuligen Scott Cluett, der als Mechaniker in der Werkstatt von Tony Sanders arbeitet. Dieser Sanders scheint der Boss der Bande zu sein. Ein Auftragskiller ist er, der nach einem fehlgeschlagenen Anschlag die Großstadt vorerst meiden muss, so wird gemunkelt. Alle haben in Carlton jedenfalls Angst vor Sanders und seinen Handlangern, die in den Bars der Stadt gern für Aufruhr sorgen.

Lindsey gelingt es, Sanders’ Vertrauen zu gewinnen. Aber Cluett misstraut ihm und stellt ihn immer wieder auf die Probe. Großes Pech hat Lindsey, als sich unter den Automardern ausgerechnet einer findet, den er in seiner Eigenschaft als Polizist schon einmal festgenommen hat. Doch Vincent Pomeroy verspricht den Mund zu halten. Er hat die Nase voll von einem Dasein als Verbrecher und will gegen seinen Boss aussagen.

Als Lindsey am verabredeten Treffpunkt ankommt, findet er seinen Kronzeugen allerdings mit einer Kugel im Kopf. Jetzt schwebt er in größter Gefahr: Wissen Sanders und seine Leute, dass er ein doppeltes Spiel treibt? Noch reichen die Beweise nicht aus, die Bande auffliegen zu lassen. Lindsey muss also zurück in die Höhle des Löwen, obwohl er nicht weiß, wer und was ihn dort erwarten. Außerdem rühren sich seine ritterlichen Instinkte, denn es gilt die schöne Lena Bartok zu retten, die als Sanders’ Geliebte ein erbärmliches Dasein fristen muss …

Generationen im Krieg

Widmen wir der hier erzählten Geschichte als Krimi zunächst nur beiläufig unsere Aufmerksamkeit: Der Plot vom lukrativen Autoknacker-Ring in der US-Provinz funktioniert, so lange man ihn nicht gar zu genau unter die Lupe nimmt und sich vor Augen führt, dass er ein halbes Jahrhundert alt ist; damals mögen Verbrecher mit den beschriebenen Tricks zu Raubgeld gekommen sein und trotzdem als gewitzt gegolten haben …

Der Krimi-Aspekt ist aber nur Mittel zum Zweck; er transportiert ein Anliegen. Dies geschieht das so plump und offensichtlich, dass es heutzutage eher amüsiert als ärgert. Das war zum Zeitpunkt der Handlung allerdings anders. Bitterer Ernst trieb den Verfasser an den Schreibtisch, um dort seinen Teil zum Kampf gegen eine schleichende Bedrohung beizutragen.

In den 1950er Jahren schienen sich die USA in einem neuen Bürgerkrieg zu befinden. So empfand es jedenfalls die eine Partei: die „Erwachsenen“, die in zwei Weltkriegen und einer Wirtschaftskrise begriffen zu haben glaubten, was im Leben zählte: Disziplin, Fleiß, Anpassung, Obrigkeitsglaube, Gehorsam. Ihnen gegenüber stand scheinbar unversöhnlich „die Jugend“, aufgewachsen in einem Land, in dem die Wirtschaft brummte, nur Faulpelze und Dummköpfe arbeitslos waren und alles noch viel besser werden würde, wenn man nur die Kommunisten sowie Bürgerrechtler und sonstige Wirrköpfe in Schach halten könnte.

Naht der Untergang des Abendlandes?

Und jetzt fielen die eigenen Kinder den braven Bürgern in den Rücken! Sie wandten sich ab von ihren Eltern, von den Lehrern, der Kirche, dem Militär, bestanden partout darauf, eine eigene Kultur zu entwickeln, sträubten sich gegen die Kontrolle derer, die doch nur ihr Bestes wollten! Aber wie musste so etwas enden: “Alle diese Jugendlichen sahen gleich aus, beinahe uniformiert. … Sie rauchten Zigaretten in kurzen, heftigen Zügen. Ihre Gesichter waren voller Gier und Erregung. … Eine gewisse Härte, eine verdorbene, verdrossene, gefährliche Blasiertheit prägte ihr Wesen.” (S. 23)

Ganz anders geht es dagegen dort zu, wo die Kinder noch auf ihre Vorbilder hören: “An [der Milchbar] saßen drei Gymnasiastinnen und tranken durch lange Strohhalme ihre Eiscreme-Sodas. Zwei sechzehnjährige Jungens schwänzelten um sie herum. Die Nischen waren von Halbwüchsigen besetzt, die sich eifrig und gedämpft unterhielten und Eiscreme aßen. … Alle hatten sie frische, fröhliche, strahlende Gesichter.” (S. 20/21) So soll Amerikas Jugend funktionieren: platonisch und minnehaft liebend, sich mit Zuckerwerk vollstopfend, unauffällig. Nur solche Kids lassen sich lenken: Aus Mädchen werden Bräute, die die „Jungens“ lassen sich in diverse Kriege schicken, und die Überlebenden gründen Familien und arbeiten für Großkonzerne …

Was war bloß schiefgegangen? Diese Frage stellt Ben Benson stellvertretend für Millionen ratloser Erziehungsberechtigter und -williger. Aufschlussreich sind folgende Äußerungen, gesprochen von Lindseys Vorgesetzten, der die ältere Generation verkörpert: “Ich weiß nicht, was ich denken soll, mein Junge. Vielleicht greift im ganzen Land ein allgemeiner Sittenverfall um sich. Die Familie ist keine geschlossene Einheit mehr. Die Eltern verbringen nicht mehr so viel Zeit wie früher im eigenen Haus. Zu viele Autos, zu viele Scheidungen. Zu viele Vergnügungen, zu viele Kneipen und Bars. … Von allem zuviel - bis auf Disziplin und Anleitung. Also verwildert die Jugend.” (S. 137) Sein junger Untergebener ist da völlig einer Meinung mit ihm, denn Lindsey ist ein ‚guter‘ junger Mann, fleißig, strebsam, mit 23 Jahren kurz vor der Heirat mit einem blitzsauberen Mädel stehend, charakterlich im Kriegsfeuer von Korea gestählt …

Wem diese dreiste, agitatorische Form der Meinungsbildung aus zeitgenössischen Hollywood-Filmen bekannt vorkommt, liegt richtig: “Alle haben Angst” ist in der Tat das Buch zu einem Film. Abner Biberman, ein von der Kritik geschätzter Regisseur kostengünstig produzierter, rasant erzählter, gern aktuelle Themen aufgreifender B-Movies, inszenierte 1955 „Running Wild“ („The Stark Brutal Truth About Today’s Lost Generation!“). Die Rolle des William Campbell (nicht Ralph Lindsey) spielte Ralph Barcley, während Mamie van Doren, die man in unzähligen Autokino-Streifen als Rocker- und Gangsterbraut besetzte, als Irma Bean (Scotty Cluetts dummgeile Freundin) halbseidene Prominenz verstrahlte.

Reaktionäres Gruselkabinett

Aus dem bisher Gesagten geht sicherlich bereits hervor, dass sich der Zauber von “Alle haben Angst” wohl nur Steinzeit-Konservativen (die keineswegs ausgestorben sind bzw. wie Schimmelpilze immer wieder nachwachsen) oder Nostalgikern erschließen kann. Solche Kritik entzündet sich nicht daran, dass z. B. Ralph Lindsey ein geradliniger oder sogar unbedarfter Zeitgenosse ist. Solche Krimihelden gibt es, und sie tun ihren Job gut. Doch Lindsey ist wie gesagt keine Figur, sondern ein Marionette. Sie hängt an kurzen Fäden, die dem Betrachter (hier: dem Leser) vor einem halben Jahrhundert offensichtlich unsichtbar blieben: Wie sonst ließe sich erklären, dass solche Manipulation unerkannt blieb?

Allerdings ist es sehr gut möglich, dass „Alle haben Angst“ gezielt für jene geschrieben wurde, welche die Jugend nur noch verzerrt und als Feind zur Kenntnis nehmen konnten. In dem Fall müsste man den Verfasser zynisch nennen: Er bediente um des Geldes willen Klischees, an die er womöglich selbst nicht glaubte. (Was freilich schwer vorstellbar ist, wenn man andere Benson-Romane kennt …)

Auf jeden Fall ist die Mischung aus Niedertracht und Naivität, mit der Benson hier schwere Jungs & leichte Mädchen schildert, kaum erträglich. Wobei sich der Autor zeittypisch nicht einmal traut, dieser Jungend echte ‚Verbrechen‘ vorzuwerfen. „Negermusik“, Alkohol & verbale Unverschämtheiten sollen der Dekadenz ein Gesicht geben. Über freien Sex vor der Ehe wird kein Wort verloren, obwohl er zwischen den Zeilen buchstäblich dampft: Wie zu allen Zeiten zieht genau das, was sie verurteilen, die Tugendwächter an wie das Licht die Motten - sie sind geradezu besessen davon.

Alles wird gut, denn alle Schurken sind tot

Der fixen Idee vom Verhängnis des freien Denkens opfert Benson bedenkenlos die Logik. Lena Bartok, das „Mädchen im Käfig“ des Originaltitels, wurde vom moralisch verkommenen Tony Sanders zur … ja, wozu eigentlich gemacht? Wir wissen es natürlich alle bzw. können uns genüsslich alle Perversionen ausmalen, die uns in den Sinn kommen. Es muss aber wirklich schlimm sein, denn Lena hat sich in eine Art Zombie verwandelt, den erst der Tod ihres Meisters aus dem bösen Bann löst. Und siehe! Im Finale lernt Lena einen braven Handwerker kennen und erblüht zu neuem Leben! “Er ist etwas älter, sehr vernünftig und großzügig.” - S. 177)

Überhaupt ist das Ende happy im Sinne des Systems: Die Bande wurde ausgehoben, ihr Chef wie ein toller Hund niedergeschossen. Auch seinen Stellvertreter traf das Gesetz (= die Hand Gottes) mit bleierner Wucht. So liegen sie als heillos verwöhnte Zuchthäusler der Gesellschaft nicht auf der Tasche. Polizist Lindsey ist jedenfalls mit sich selbst im Reinen: “Ich hatte Tony Sanders erschossen, aber er war ein Mörder, und sein Tod hatte sich nicht vermeiden lassen. Ich hatte Scott Cluett erschossen, und das fand ich weniger gut. Er war noch zu jung, um unter den Kugeln aus einem Polizeirevolver zu enden. Vor langer, langer Zeit hätte man etwas unternehmen müssen, um ihn zu retten.” (S. 178) So aber hat ihn die gerechte Strafe ereilt. Zieht eure Lehre daraus, junge Leser/innen, und seid auf der Hut, auf dass es euch nicht ebenso ergeht, denn das Gesetz lässt nicht mit sich spaßen!

Autor

Benjamin Benson gehört zum Heer der Kriminalschriftsteller, die kompetent und vor allem schnell Unterhaltung produzierten. Wirklich berühmt ist er nie gewesen, dafür aber beliebt; so wurden beispielsweise in Deutschland seine sämtlichen Werke veröffentlicht und lange Zeit neu aufgelegt; diese Gunst erfuhr längst nicht jeder klassische Könner seines Genres.

Über den Privatmann Ben Benson ist wenig bekannt. 1915 ist er geboren. Am II. Weltkrieg hat er teilgenommen. Dabei wurde er hoch dekoriert und so schwer verwundet, dass er sich nie wieder richtig erholte. So kam Benson (nach einem Zwischenspiel als Teehändler) zum Schreiben. Der militärische Hintergrund beeinflusst deutlich sein Werk. Zwei Serienhelden schuf Benson: den jungen State Trooper Ralph Lindsey sowie den älteren, schon erfahrenen Detective Inspector Wade Paris, der ebenfalls für diese Behörde (aber an anderem Ort) arbeitet. (In Deutschland wurde Paris aus unerfindlich bleibenden Gründen in „William Parr“ umgetauft - es sollte wohl ‚amerikanischer‘ klingen …)

Benson schätzt klare Hierarchien und Disziplin. Seine Polizeibeamten sind Männer ohne Fehl oder Tadel. („Old Icewater“ nennt man Wade Paris hinter seinem Rücken.) Zweifel mögen sie manchmal beschleichen, hin und wieder begehen sie sogar Fehler, aber letztlich bekommen sie solche Anwandlungen in den Griff, reifen an derartigen Konflikten und stehen dem System umso bedingungsloser zur Verfügung. Das mag Bensons Beliebtheit in Deutschland erklären. Allerdings sind seine Romane durchaus unterhaltsam. Inhaltlich mögen sie veraltet sein. Ihr sachlicher, fast dokumentarischer Stil hat sie andererseits günstig altern lassen. Sie müssen als frühe Beispiele des „police procedural“ gelten, dessen vielleicht berühmtester Repräsentant Ed McBain (ein Zeitgenosse Bensons) mit seiner Serie um das 87. Polizeirevier ist.

Ben Bensons Schriftstellerkarriere währte gerade zehn Jahre, in denen er neben zahlreichen Kurzgeschichten 18 Romane veröffentlichte. Am 29. April 1959 ist Benson im Alter von nur 44 Jahren während einer Versammlung der „Mystery Writers of America“ in New York City den Spätfolgen seiner Kriegsverletzungen erlegen.

[md]

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Skelett mit Folgen

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Januar 2010

aird-skelett-coverCatharine Aird
Skelett mit Folgen

Originaltitel: A Late Phoenix (London : Collins Crime Club 1970)
Übersetzung: Mechtild Sandberg
Deutsche Erstausgabe: 1975 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmann rote Krimi Nr. 4512)
156 S.
ISBN 978-3-442-04512-9
(sfbentry)

Das geschieht:

Im Juni des Jahres 1941 erreichte der II. Weltkrieg auch das kleine Städtchen Berebury in der englischen Grafschaft Callashire. Deutsche Bomber hatten schon mehrfach versucht, die hier produzierenden Rüstungsbetriebe zu zerstören, aber dieses Mal warfen sie ihre tödliche Fracht auch über der Stadt selbst ab. Unter den zahlreichen Häusern, die dabei in die Luft gesprengt wurden, war das Heim der Familie Waite, die daraufhin Berebury verließ.

Fach drei Jahrzehnte später liegt das Grundstück noch immer brach. Nie konnte sich die Stadtverwaltung auf einen Bebauungsplan einigen. Nun hat sich ein privater Bewerber durchgesetzt; eine Ladenzeile soll errichtet werden. Die Bauarbeiten beginnen zügig – und kommen jäh zum Erliegen, als in den Ruinen des Kellers das Skelett einer jungen Frau entdeckt wird.

Was zunächst wie ein vermisstes Opfer der Bombenattacke aussah, wird zu einem Mordopfer, als der Polizeipathologe eine Gewehrkugel aus dem Brustkorb birgt. Außerdem war die Frau schwanger aber – sie trug keinen Ehering – nicht verheiratet: 1941 im ländlichen England eine ernste Sache, aus der sich der unwillige Kindsvater möglicherweise mit Hilfe besagter Kugel herauswinden wollte.

Nach so langer Zeit gestalten sich die Ermittlungen schwierig, zumal Superintendent Leyes, der aufbrausende Chef der Kriminalpolizei, dem auf den Fall angesetzten Inspektor C. D. Sloan nur den phlegmatischen Sergeanten Crosby zur Seite stellt. Deshalb dauert es, bis der Kriminalist erkennt, dass jemand bemüht ist, ihn auf eine falsche Spur zu locken. Der Täter lebt noch – und zwar in Berebury, und er oder sie gerät zunehmend in Panik, noch zur Verantwortung gezogen zu werden. Bald ist alle subtile Manipulation vergessen, es kommt zu einem neuen Mord, und Sloan weiß, es könnte nicht der letzte sein …

Ein kleiner aber feiner Klassiker

Obwohl Catharine Aird qualitativ mit großen Kolleginnen wie Ruth Rendell, Patricia Moyes oder P. D. James mithält, ist sie in Deutschland praktisch vergessen. Dabei gehören ihre Romane zu den besten jener britischen Schule, die den klassischen „Whodunit?“ mit dem modernen „police procedural“ verbinden. Der Suche nach dem Motiv und letztlich dem Täter wird die psychische Befindlichkeit der ermittelnden Polizeibeamten gegenübergestellt. Das eine hat seine Auswirkungen auf die andere, denn auch Polizisten sind Menschen, haben Gefühle und ein Privatleben. Sie stehen unter besonderem Druck, weil sie sich beruflich mit oft scheußlichen Verbrechen beschäftigen müssen.

„Skelett mit Folgen“ gehört zu den frühen Vertretern dieser Schule. Man erkennt es daran, dass die Verfasserin ihre Geschichte auf knappen 160 Seiten erzählt, während heutzutage mindestens die dreifache Buchstärke üblich ist. Siehe da, es geht und liest sich fabelhaft, weil Aird sich auf nur einen Fall konzentriert und die Seife im privaten Sektor sehr sparsam dosiert. Also langweilt oder ärgert „Skelett mit Folgen“ nicht mit endlos ausgewalzten Eheproblemen, Verantwortungsqualen oder ähnlicher Seelenpein.

Darüber hinaus bedient sich Aird eines Mittels, das – geschickt und gekonnt eingesetzt – eine wahre Wunderwaffe ist: Es nennt sich Humor, den zu besitzen sich viel zu viele Schriftsteller fälschlich rühmen. Aird hat ihn, er ist trocken und schwarz, und er hat sogar die Übersetzung glänzend überstanden, was erst recht keine Selbstverständlichkeit ist.

Alt aber niemals altmodisch

Airds Schreibkunst lässt einen inhaltlich eigentlich verstaubten Kriminalroman erstaunlich frisch wirken. Die Welt des Jahres 1970 wirkt heute fremd. Immer wieder spricht Sloan mit höchstens mittelalten Männern und Frauen, die sich problemlos an den II. Weltkrieg erinnern. Zum Zeitpunkt des Geschehens liegt er in Berebury nur ein Vierteljahrhundert in der Vergangenheit und ist auch optisch weiterhin präsent, während Trümmergrundstücke mit Bombentrichtern im 21. Jahrhundert nicht mehr zum Stadtbild gehören.

Auch der Alltag von 1970 wirkt heute anachronistisch. Superintendent Leyes, ein Repräsentant der ‚alten Ordnung‘, sitzt selten an seinem Schreibtisch, sondern steht ebenso entsetzt wie fasziniert am Fenster seines Büros: Gegenüber hat eine Diskothek eröffnet, was ihn mit den Vertretern der ‚neuen Jugend‘ konfrontiert: „Sehen Sie doch, Sloan. Drüber bei ‚Dick’s Dive‘. Da! Das Haar. Es hängt dem Burschen ja fast bis zur Taille. Und Locken dazu!“ (S. 156) Allerdings lässt Aird elegant durchblicken, dass für diese Jugend eine ungeplante Schwangerschaft kein Grund mehr ist, zum Gewehr zu greifen …

Humor als Kontrast zur harten Realität

Die Welt ist ein Irrenhaus, und die Kriminalpolizei von Berebury spiegelt dies wider. Während C. D. Sloan, ‚normal‘ und fast ein wenig langweilig, ein klassischer Kriminologe ist, umgibt ihn ein Reigen mehr oder weniger verschrobener Kollegen, um einer allzu melancholischen (= ‚skandinavischen‘) Grundstimmung entgegen zu wirken.

Da steht neben dem bereits erwähnten Superintendent Leyes vor allem William Crosby, der stets für einen Lacher gut ist. Seine beinahe vorsätzliche Begriffsstutzigkeit, sein Mangel an Einfühlsamkeit oder sein Hang zu verhängnisvollen Rennfahrten mit dem Streifenwagen sind längst zu „running gags“ der Serie geworden, die Aird immer wieder geschickt variiert. Die Kollektion der seltsamen Polizei-Gestalten wird bei Bedarf erweitert: „Er [= Sloan] sprach mit einem ältlichen, missgelaunten und sehr, sehr langsamen Sergeant aus der Kartei, der allgemein als Blitz Brown bekannt war.“ (S. 72)

Insgesamt geht es in Berebury deutlich gemächlicher zu als in der hektischen Gegenwart eines Reginald Hill oder Stuart MacBride, denen der Humor ebenfalls als wichtiges Stilmittel gilt. Die Kunst besteht darin, den tragischen Kern der Geschichte nicht ins Lächerliche zu ziehen. Aird lässt keinen Zweifel daran, dass der Fall an sich Ernst ist: Eine Frau wurde ermordet, und das zieht eine breite Spur physischer und psychischer Schäden nach sich. Der Krimi-Aspekt bleibt ohne Einschränkung gewahrt; ein wunderbarer Effekt, der nunmehr in den Aufruf zu einer Neuauflage und Fortsetzung der Sloan/Crosby-Serie münden könnte, wäre dieser nicht schon einleitend erfolgt …

Autorin

Catherine Aird wurde 1930 als Kinn Hamilton McIntosh im englischen Huddersfield, Yorkshire, geboren. Über die Verfasserin ist kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Dabei ist sie eine durchaus erfolgreiche und produktive Schriftstellerin, der offenbar die Prominenz einer Elizabeth George oder Ruth Rendell versagt blieb. Die mögliche Erklärung: Aird wird von der Kritik gewogen und literarisch als ‚zu leicht‘ befunden.

In Deutschland ist sie heute unbekannt. Dabei führte Aird die Serie um C. D. Sloan vom CID Department in West Callashire, England (diese Grafschaft gibt es übrigens in der Realität nicht), bis 2007 kontinuierlich fort.

Über Leben und Werk informiert (knapp) diese Website.

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Das Wirtshaus von Dartmoor

Erstellt von Michael Drewniok am 15. Januar 2010

gunn-wirtshaus-cover-1961Victor Gunn
Das Wirtshaus von Dartmoor

Originaltitel: The Painted Dog (London : Collins 1955)
Übersetzung: Ruth Kempner
Deutsche Erstausgabe: 1957 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmanns große Kriminal Romane K 135)
177 S.
[keine ISBN]
Bisher letzte Ausgabe: 1986 (Wilhelm Goldmann Verlag/Meisterwerke der Kriminalliteratur Nr. 6219)
183 S.
ISBN-13: 978-3-442-06219-5
(sfbentry)

Das geschieht:

Das Wirtshaus „Zum Bunten Hund“ steht seit vielen Jahren an einem der Wege, die durch das gefürchtete Dartmoor führen. Den meisten Wanderern und Urlaubern ist das alte Haus unbekannt. Genau so will es Charley Widden, der sonderliche Eigentümer. Meist hockt er in seiner wie eine Festung gesicherten Kammer, wo er seine Goldmünzen zählt, wie die Anwohner munkeln. Das Geschäft führt die resolute Mrs. Ferris, deren Tochter Judy derzeit für ungewohnte Unruhe sorgt. Reggie Laker, ein Versicherungsangestellter aus London, der im Dartmoor einen Zelturlaub verbringt, kämpft mit Tony Bellamy, dem raubeinigen Sohn eines örtlichen Landadligen, um die Gunst der schönen Maid.

An seinem Geburtstag will Tony die Gäste des „Bunten Hundes“ mit seinem berühmten Punsch freihalten. Bald geht es hoch her; Tony setzt seinen verhassten Rivalen vor die Tür und wird vom erzürnten Widden selbst hinausgeworfen. Am nächsten Morgen findet Reggie sämtliche Gäste, Mrs. Ferris und Judy bewusstlos im Wirtshaus: Der Punsch wurde mit einem Schlafmittel versetzt! Im ersten Stock muss die Tür zu Widdens Kammer aufgebrochen werden. Der alte Mann sitzt mit zerschossenem Schädel an seinem Schreibtisch. Offenbar hat er sich selbst umgebracht.

Dieser Theorie mag Mrs. Ferris  nicht zustimmen. Der berühmte Chefinspektor William „Old Iron“ Cromwell, der aus London an den Tatort eilt, ist ihrer Meinung. Widden wurde ermordet, und der Täter wohnt im Wirtshaus. Hatte es der notorisch verschuldete Bellamy auf das Geld des Alten abgesehen? Oder Fred Pickering, der ebenfalls klamme Automobilhändler? Was treiben die Schurken Hurst und Brunoff im Dartmoor? Die Schar der möglichen Mörder ist groß, und ständig ergeben sich neue Verdachtsmomente. Während Assistent Johnny Lister mit der Deutung der wenigen Indizien ringt, widmet sich Cromwell der Frage, wer in der Mordnacht Nobby, den wirtshauseigenen Collie, grün angestrichen hat …

Der gar nicht perfekte Mord im geschlossenen Raum

Dartmoor – schon der Name lässt dem Krimifreund angenehme Schauder über den Rücken laufen! Die faszinierende, von Heide und Moor geprägte Hügellandschaft in der englischen Grafschaft Devon wirkt vor allem in der Dämmerung oder in Herbst und Winter düster, abweisend und unheimlich. Das macht Dartmoor zum idealen Schauplatz für Geschichten, die von genau diesen Eigenschaften leben. Hier spukt es beispielsweise mächtig, aber auch für realen Schrecken ist gesorgt, denn seit mehr als anderthalb Jahrhunderten nutzt Dartmoor Prison die öde Abgeschiedenheit des Moors, das Ausbrüche riskant und wenig erfolgreich macht, weshalb hier ganz besonders verstockte Übeltäter sitzen.

Auch in der Literatur nimmt Dartmoor eine prominente Position ein. Wohl das bekannteste Werk erschien 1902: Arthur Conan Doyles „Der Hund der Baskervilles“ ist DER Roman über Dartmoor. An den Klassiker-Status dieses dritten und auch wegen der Moorkulisse besten Sherlock-Holmes-Abenteuers reicht Victor Gunns „Das Wirtshaus von Dartmoor“ nicht annähernd heran. Überhaupt bezieht der Verfasser das Moor erst im letzten Buchviertel und eher beiläufig in die Handlung ein.

Viel wichtiger ist Gunn der Faktor Isolation. „Der Bunte Hund“ wird zum typischen Schauplatz des klassischen Landhaus-Krimis. In dem alten Wirtshaus ereignet sich ein Mord. Lage und Geografie garantieren, dass sich der oder die Täter im Haus aufhalten. Flucht ist unmöglich, dafür haben Inspektor Cromwell, Victor Gunn und das Dartmoor gesorgt. Nunmehr kann der Polizist in aller Ruhe die Ermittlungen aufnehmen, während der Verfasser den Druck in dem geschlossenen Tatort-Kessel allmählich ansteigen lässt.

Überraschungen in der Routine

Obwohl Gunn dies quasi nach Vorschrift aber ordentlich und nie langweilig durchexerziert, sorgt er mehrfach für Überraschungen, die man in einem Routine-Krimi nicht erwartet. So scheint Charley Widdens Tod in seiner von innen fest verschlossenen Kammer mit ihrem vergitterten Fenster ein „locked room mystery“ und damit ein wichtiger Bestandteil dieses „Whodunit“-Krimis zu sein. Doch Gunn macht sich über dieses ehrwürdige aber zum Klischee verkommene Mysterium lustig. Er lässt „Old Iron“ Cromwell offen über den „unmöglichen Mord“ lästern und das angebliche Rätsel um Widdens Ende schon im vierten von 17 Kapiteln beiläufig klären. Anschließend geht es mit den ‚richtigen‘ Ermittlungen weiter.

Deren Erfolg hängt – natürlich, muss man anmerken – vom Erkennen & korrekten Deuten des scheinbar unwichtigsten Hinweises ab. Selbstredend erkennt nur Bill Cromwell, der knurrige aber geniale Scotland-Yard-Veteran, die Bedeutung des gefärbten Hundes. (Übrigens bleibt dem deutschen Leser das Wortspiel des Originaltitels verborgen: „The Painted Dog“ heißen das Wirtshaus von Dartmoor und der junge Collie Nobby, dessen grüne Brust Cromwells Spürsinn aktiviert.)

Zwar wird der Fall letztlich nicht nur aufgeklärt, sondern von Cromwell auch ausführlich erläutert. Das ändert nichts an dem Eindruck, dass Gunn die losen Fäden im letzten Viertel recht hastig zum finalen Knoten schürzt. Er schließt den Zufall als regulierendes Element zwar ausdrücklich aus, doch die Fakten-Steinchen wollen sich nur mit einigem Drehen und Drücken zum fertigen Mosaik fügen. Einige abgedroschen Effekte – ständig fallen Frauen erschrocken in Ohnmacht, der überführte Mörder mutiert zur irrsinnig die Zähne fletschenden Bestie – betonen unnötig unvorteilhaft die routinierte Machart dieses Romans.

Die üblichen Verdächtigen?

Dem archaischen Zauber von Dartmoor kann und mag sich Gunn wie schon erwähnt nicht vollständig entziehen. In regenfeuchter Nacht kommt es auf schwankendem Grund zu einem weiteren Drama. Zuvor schneiderte  Gunn dem durch Mord endenden Widden eine Doppel-Identität, die der Umgebung würdig ist und einem Schauerroman entnommen sein könnte. Bis ins Jahr 1920 reichen Ereignisse zurück, die zur Vorgeschichte für das Drama im Dartmoor werden. Wer wusste davon? Gunn geizt nicht mit Verdächtigen. Das Wirtshaus wird vom Keller bis zum Dach von ihnen bewohnt.

Wie es sich für einen unterhaltsamen „Whodunit“ gehört, bilden sie ein buntes Völkchen. Alle haben etwas zu verbergen. Manchem steht es buchstäblich ins Gesicht geschrieben, andere wirken fast aufdringlich unschuldig. Gunn schwelgt ein wenig zu auffällig in einschlägigen Klischees, was es dieses Mal dem Leser ermöglicht, den Täter zu identifizieren, bevor Cromwell im großen Finale alle Geheimnisse aufdeckt.

Die Polizei kommt wie üblich schlecht davon. Gunn schildert denkfaule und allzu fest ins örtliche Sozialgefüge verwobene Ordnungshüter, die bestenfalls bemüht aber vor allem überfordert sind. ‚Von außen‘ bricht Cromwell ist diese kleine Welt ein. Er achtet ihre ungeschriebenen Regeln nicht, ignoriert den Kotau vor dem edlen Baron und seinem Sohn und Nachfolger, lässt im Verhör Rücksicht und Höflichkeit fahren, schont auch die ‚schwachen‘ Frauen nicht, bleibt skeptisch und gleichzeitig offen für alle neuen Richtungen, die sich im Verlauf der Ermittlung ergeben.

Noch  blasser als sonst bleibt Johnny Lister, dem kaum Gelegenheit gegeben wird, dumme Fragen zu stellen oder jene voreiligen Schlüsse zu ziehen, zu denen Gunn seine Leser verleiten möchte. Cromwell benötigt ihn nicht wirklich, aber selten wird dies so deutlich wie in diesem Roman, der Mittelmaß und Gemütlichkeit zu einem harmlosen und altmodischen, schon im Erscheinungsjahr altmodischen Lektürevergnügen gerinnen lässt. Die tüchtig angestaubte deutsche Übersetzung komplettiert diesen Eindruck.

Autor

Der Engländer Victor Gunn (1889-1965), dessen richtiger Name Edwy Searles Brooks lautete, war als Unterhaltungs-Schriftsteller ein Vollprofi. Er verfasste für Zeitschriften und Magazine über 800 (!) Romane und unzählige Kurzgeschichten – genaue Zahlen werden sich vermutlich nie ermitteln lassen – unterschiedlichster Genres, wobei er sich diverser Pseudonyme bediente. Der nome de plume „Victor Gunn“ blieb jenen Romanen und Story-Sammlungen vorbehalten, die Brooks um den knurrig-genialen Inspektor William Cromwell und seinen lebenslustigen Assistenten Johnny Lister verfasste.

In Deutschland ist Gunn vom Buchmarkt verschwunden. Dabei ließ sich sein Erfolg einmal durchaus mit dem seines Schriftsteller-Kollegen Edgar Wallace messen. Eine stolze Auflage von 1,6 Millionen meldete der Goldmann-Verlag, der Brooks als Victor Gunn hierzulande exklusiv verlegte, schon 1964 - eine Zahl, die sich in den folgenden Jahren noch beträchtlich erhöht haben dürfte, bis ab 1990 die Flut der ständigen Neuauflagen verebbte.

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Wer länger lebt, ist später tot

Erstellt von Werner Karl am 6. Dezember 2009

wer-langer-lebt-ist-spater-totMax Brooks
Wer länger lebt, ist später tot
Zombie 2

(sfbentry)
World War Z. An Oral History Of The Zombie, USA, 2006
Goldmann Verlag, München, 10/2007
TB, Horror
ISBN 9783442465392
Aus dem Amerikanischen von Joachim Körber
Titelgestaltung von Design Team München

http://maxbrooks.com
www.randomhouse.com/crown/zombiesurvivalguide/

„Wer länger lebt, ist später tot“ ist der Nachfolgeband des Weltbestsellers „Der Zombie Survival Guide“ des Amerikanischen Schriftstellers Max Brooks, Sohn des bekannten Komikers Mel Brooks. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Buch ist nicht lustig, auch wenn der Titel etwas anderes verspricht. In „Wer länger lebt, ist später tot“ lässt Brooks die fiktiven Überlebenden des „Worldwar Z“, eines weltweiten Kriegs der Menschheit gegen Zombies, zu Wort kommen. In kurzen Interviews erzählt jeder von ihnen, wie sie den Krieg gegen die Untoten erlebt und überlebt haben, wie sie Heim und Heimat und teilweise auch Angehörige zurücklassen mussten, um sich selbst zu retten, und wie die zivile Welt unterging, weil nichts und niemand auf eine derartige Bedrohung vorbereitet war.

Brooks lässt sie alle zu Wort kommen: die Soldaten, die in der Schlacht Mann gegen Zombie feststellen mussten, dass alle modernen Waffen und Kriegsgeräte gegen diesen Feind kaum etwas ausrichten können; den Arzt der Patient Zero, den ersten mit der Zombieseuche infizierten Patienten, versuchte zu behandeln; den Kriegsgewinnler, der die Panik in den Städten ausnutzte und teils infizierte Menschen in vermeidlich sichere Länder schmuggelte; die Zivilbevölkerung, die in all dem Chaos irgendwie versuchte zu fliehen und zu überleben. Nach und nach erfährt man aus ihren Geschichten den Verlauf des Krieges von der Ausbreitung der Seuche, vom großen Sterben und Wiederauferstehen, bis hin zum knappen Sieg der Menschheit.

Der Erzählstil des Buches ist ungewöhnlich. Statt einer durchgehenden Geschichte gibt es nur eine Aneinanderreihen von Interviews, aus denen sich nach und nach der Verlauf des Zombie-Krieges herauslesen lässt. Er gibt keine Kommentare, keine Wertungen - sondern nur ein Interview nach dem nächsten, in denen die (natürlich fiktiven) Tatsachen und Geschichten berichtet werden. Eine zunächst originelle Idee, die aber leider zum Ende hin ein wenig eintönig wird, zumal der komplette Verlauf schon auf den ersten Seiten des Buches beschrieben wird und somit für den Leser keine Höhepunkte oder Überraschungen zu erwarten sind.

Dennoch hat „Wer länger lebt, ist später tot“ seinen eigenen Reiz und ist durchaus lesenswert. Denn so lächerlich die Idee eines Zombiekrieges auch klingen mag, das Buch von Brooks ist bitterernst, kritisch und – was man bei dem Thema nicht unbedingt vermutet - extrem realistisch geschrieben. Man erkennt jeden der Interviewpartner wieder: das Militär, das auf seine teuren ‚Spielzeuge’ vertraut und bitter enttäuscht wird, den Menschenschmuggler dem es nur ums Geld geht, die Pharmafirma, die die neue Seuche als Trittbrett nutzt, um einen (unwirksamen) Impfstoff unter die Leute zu bringen, den Experten, der das Überleben weniger planen muss, den Politiker, der sich auch im Angesicht der weltweiten Krise nicht dazu durchringen kann, mit einem traditionellen Feindesland zusammenzuarbeiten. Sie alle sind Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft, sie alle existieren irgendwo - und gerade das lässt Brooks Buch so beklemmend realistisch wirken.

Und so ist „Wer länger lebt, ist später tot“ nur auf den zweiten Blick eine Zombiegeschichte und in erster Linie eine Geschichte vom Krieg und eine Kritik an der heutigen Gesellschaft und bietet somit ein wesentlich tief schürfenderes Lesevergnügen, als der deutsche Titel ahnen lässt. Insgesamt ein durchaus empfehlenswertes Buch, das vor allem Lesern gefallen könnte, die mit Interesse Schätzings „Schwarm“ oder die Bücher Michael Chrichtons gelesen haben!

Birgit Scherpe (BS)

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Wer länger lebt, ist später tot

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Tod der Geistermädchen

Erstellt von Michael Drewniok am 5. Dezember 2009

weeks-geistermaedchen-coverLee Weeks
Tod der Geistermädchen

Originaltitel: The Trophy Taker (London : Avon, a division of Harper Collins Publishers 2008)
Übersetzung: Johannes Finkbeiner
Deutsche Erstausgabe: Mai 2009 (Wilhelm Goldmann Verlag/TB Nr. 46883)
445 S.
ISBN-13: 978-3-442-46883-6
Als eBook: Mai 2009 (Wilhelm Goldmann Verlag)
ISBN-13: 978-3-641-02747-6

Das geschieht:

In Hongkong werden Teile der zerstückelten Leichen dreier “Geistermädchen” gefunden: So nennt man junge Frauen aus Europa und Nordamerika, die sich ihren Lebensunterhalt in Nachtclubs und ähnlichen Etablissements verdienen. Den toten Mädchen fehlen jeweils Körperteile, sodass davon auszugehen ist, dass der Täter eine makabre Trophäensammlung unterhält.

Der Fall geht an Detective Inspector Johnny Mann und ist seine Chance zur Rehabilitierung, denn der fähige Beamte wurde aus dem “Organised Crime and Triad Bureau” geworfen und in die Provinz strafversetzt, weil seine Privatfehde mit den Triaden - der asiatischen Mafia - in einen offenen Krieg auszuarten drohte. Auch dieses Mal ist Chan, Manns Todfeind von der Wo-Shing-Shing-Triade, in den Fall verwickelt: Die “Geistermädchen” waren im “Club Mercedes” beschäftigt, der fest in Triadenhand ist.

Ahnungslos gerät die Halbchinesin Georgina Johnson ins Visier des “Metzgers”, wie der Mörder bald genannt wird. Sie kam aus England nach Hongkong, um ein neues Leben zu beginnen. Herzlich wird sie von ihren Cousinen Ka Lei und Lucy empfangen. Letztere arbeitet als Hostess im “Club Mercedes”. Gerade hat sie sich nach einer Pechsträhne im Glücksspiel hoch bei Chan verschuldet, der damit nach Triaden-’Recht’ über sie und ihre Familie bestimmen kann, was Georgina einschließt. Die sticht auch Inspector Mann ins Auge, der sich um die junge Frau bemüht. Als Georgina spurlos verschwindet, argwöhnt Mann richtig, als er Chan beschuldigt. Obwohl ihn die von der Triade infiltrierten und geschmierten Behörden bei seinen Nachforschungen behindern, lässt Mann sich nicht stoppen. Weil die Justiz ihn nicht unterstützt, muss er das Recht in die eigene Hand nehmen …

Asien - exotisch, seltsam & gefährlich

Andere Länder, andere Sitten; das gilt aus westlicher Sicht offenbar vor allem für den asiatischen Raum, wenn man der Autorin von “Tod der Geistermädchen” Glauben schenken möchte. Dies fällt einerseits leicht, während Lee Weeks es ihren Lesern andererseits unnötig schwer macht. Das klingt kryptisch? Ist es aber nicht - leider, wie angemerkt werden muss.

Hongkong als Wundertüte und Höllenpfuhl stellt auch in der Kriminalliteratur kein Neuland dar. Sofort fallen dem diesbezüglich interessierten Leser die Romane der wunderbar bizarren Yellowthread-Street-Serie von William Marshall ein, was vermutlich ungerecht ist, weil der die Latte so hoch hängt, dass Neulinge wie Weeks sie erst recht reißen müssen.

Trotzdem ist Hongkong ein brodelnder Hotspot nicht nur der asiatischen Urbankultur und damit eine wunderbare Kulisse. Weeks hat dort einige Jahre außerhalb der Touristen-Reservate und keineswegs nur auf der Sonnenseite verbracht, was ihr intime Kenntnisse über gar nicht erfreuliche aber reale Aspekte eines Alltags beschert hat, der gänzlich eigenen Gesetzen und Regeln gehorcht.

Vom eigenen Anspruch überrollt

Das in Worte zu fassen, die sich nicht in Klischees erschöpfen, stellt sich als Herausforderung dar, der Weeks in ihrem Debütroman eindeutig nicht gewachsen ist. Ihr Wissen um Land und Leute wird deutlich, aber sie kann es nicht kanalisieren und in den Dienst ihrer Geschichte stellen. Zu viel will und versucht Weeks; sie bemerkt dabei nicht, dass sie die Handlung heillos überfrachtet.

Da haben wir den vom gerechten Rachekampf gegen die chinesische Mafia beseelten Helden, dessen Primärfeind einst sein bester Freund war. Johnny Mann ist darüber hinaus halb Hongkong-Chinese und halb Engländer, was eigene Probleme (hier: Problemchen) aufwirft. Natürlich prallt dieser Gutmensch immer wieder hart gegen die Gummiwände seiner von den Triaden auf allen Ebenen verseuchten Welt, was endlose und moralinschwere Tiraden in Gang setzt. Ohnehin ersetzt Gefühlsdusel echte Tragik.

Eine Lovestory muss sein, was Weeks als Anlass nimmt, eine naive und - dieser Gedanke lässt sich einfach schwer verkneifen - reichlich dämliche Maid ins Geschehen zu bringen. Das geschieht in epischer Breite und zehrt vermutlich von Weeks eigenen Erfahrungen, wirkt aber überzogen, zumal Georgina Johnson im weiteren Verlauf der Handlung zum nur mehr passiven Rettungsobjekt mutiert. Wieso sich der ansonsten eher zur taffen Weiblichkeit neigende Johnny Mann ausgerechnet in die blasse Georgina verguckt, bleibt ebenso rätselhaft.

Grusel mit der groben Kelle

Der Plot selbst steht auf eher Nudelteig-Füßen. Zunächst scheint sich “Tod der Geistermädchen” zum typischen Killer-Thriller unter Beteiligung eines genialischen Serienmörders zu entwickeln. Das bewahrheitet sich glücklicherweise nicht, doch die Alternative kann auch nicht entzücken. Sie soll hier dem potenziellen Leser natürlich nicht aufgedeckt werden. Auf jeden Fall ist viel Gewalt im Spiel, die sich nach und nach zum regelrechten Overkill steigert. Die Autorin orientiert sich hier anscheinend am Vorbild von Landsfrau Mo Hayder, die diesbezüglich neue Maßstäbe setzen konnte, wo Weeks sich auf oberflächliche Slasher-Effekte à la “Hostel” beschränkt. Was erschrecken soll, ist deshalb nur schrecklich.

Die Handlung kommt langsam in Gang, schweift immer wieder ab, wenn Weeks in pseudo-tragischen Privatschicksalen schwelgen möchte, oder tritt auf der Stelle, um sich dann plötzlich zu förmlich zu überschlagen, wobei die Logik den Anschluss verliert; Manns Hubschrauber-Attacke auf Chans Foltercamp wirkt einem James-Bond-Thriller der 1960er Jahre entliehen. Action ist Weeks Sache eindeutig nicht. Hastig ernennt sie Mann vor dem Inselfinale zum Fachmann für asiatische Kriegskunst und lässt ihn seine prall mit einschlägigen Gimmicks wie Wurfsternen und Killer-Darts gefüllte Waffentruhe öffnen.

So viele Subplots hat Weeks begonnen, dass sie nach dem eigentlichen Finale mit losen Fäden dasteht. Der Hauptschurke ist längst tot, als sie darangeht, hier notdürftig Ordnung zu schaffen. Manche Seite gilt es noch zu füllen, bis alle bisher ungestraft gebliebenen Finsterlinge ihr Fett weg bekommen haben. Wie man eine Krimi-Handlung energisch gliedert, statt nur Ereignis an Ereignis zu reihen, ist Weeks (noch?) fremd.

So böse, dass das Zwerchfell kracht

Das Böse ist als Phänomen der Lächerlichkeit erstaunlich nahe. Diese Erkenntnis verdanken wir u. a. Schriftstellern wie Lee Weeks, die sie vermutlich unfreiwillig verbreitet. Weeks scheitert mit dem Versuch, die Allgegenwart der Triaden-Kriminalität darzustellen. Sie versucht es, indem sie ihr Gesichter gibt. Chan, CK Leung oder gar Man Po sind jedoch höchstens Schurken-Stereotypen des Hongkong-B-Kinos. Sie spielen nur Rollen, und in denen wirken sie wenig überzeugend.

Ungeschickt wirken Weeks Bemühungen, das Geschehen mit Drama und Tragik aufzuladen. Der Handlungsstrang um Ka Mei/Lucy könnte im Grunde entfallen. Streichungen und Straffungen könnte die gesamte Geschichte, die keinesfalls über 450 Seiten trägt, generell gut vertragen. Stattdessen wird Lee Weeks sie fortsetzen. Ein zweiter Teil der Johnny-Mann-Reihe erschien noch 2008. Er wird im Zuge der sachten aber spürbaren Begeisterung für den (nicht gar zu) exotischen Krimi sicherlich ebenfalls seinen Weg nach Deutschland finden, wo sich zumindest der etwas wählerischere Leser ob dieser Tatsache mühelos in Geduld üben wird …

Autorin

Lee Weeks (geb. 1958) stammt aus der englischen Grafschaft Devon, wo sie heute wieder und inzwischen mit Familie lebt. Sie macht ein ereignisreiches Leben für sich geltend, das eine ruhelose Jugend mit einer ausgeprägten Reiselust kombinierte. Schon mit 17 Jahren begann zu reisen, was sie als Au-Pair-Mädchen, Kellnerin, Model u. a. Jobs finanzierte.

Ende der 1970er Jahre ging Weeks nach Hongkong und wurde ein “Geistermädchen”, das in den Nachtclubs der noch britischen Kolonie arbeitete und die Schattenseiten dieses Metiers aus erster Hand kennenlernte. Nach einigen Jahren kehrte Weeks nach England zurück. Ihre Erfahrungen in Asien flossen in ihr Romandebüt “Tod der Geistermädchen” ein, das gleichzeitig Auftakt einer Krimi-Serie um den englisch-chinesischen Polizisten Johnny Mann ist.

Über ihr Leben (wenig) und Werk (ausführlich aber inhaltsarm) informiert Lee Weeks hier.

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Tödliche Gedanken

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

todliche-gedankenJohn Vornholt
Tödliche Gedanken
Babylon 5 Band 1

(sfbentry)
Goldmann (Buch-Nr. 25013)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442250134
Originaltitel: Voices (1994)
Erschienen: 1996
Uebersetzer: Torsten Dewi
Titelbild: Design Team nach Fotos von Warner Brothers
Umfang: 285 Seiten

www.randomhouse.de

Wir schreiben das Jahr 2259. Es ist elf Jahre her, seit ein fürchterlicher Krieg zwischen der Erde und den Minbari tobte. Um den wackeligen Frieden aufrecht zu erhalten, erschafft man riesige Stationen im All, in denen die verschiedenen außerirdischen Völker mit der Menschheit - sozusagen auf neutralem Boden - zusammentreffen können. Babylon 5 ist eine dieser Stationen.

So weit die Ausgangsposition der zur Fernsehserie Babylon 5 erschienenen Taschenbuchreihe. In Tödliche Gedanken von John Vornholt sieht sich der neue Kommander der Station, John Sheridan (im TV: Bruce Boxleitner) und die ständige Telepathin von Babylon 5, Talia Winter, einer vierhundert Mann starken Abordnung des PSI-Corps ausgesetzt, die auf der Station eine Tagung abhalten wollen. Der ursprüngliche Tagungsort - ein Luxushotel auf dem Mars - fiel einem Bombenattentat zum Opfer und auch auf der Raumstation geschieht ein verheerender Anschlag. Als schließlich Talia Winter unter Verdacht gerät, beginnt ein Wettlauf zwischen den Mitgliedern des PSI-Corps und Garibaldi, dem Sicherheitschef der Station.

Bei der ersten Staffel der Fernsehserie schien es dem Zuschauer manchmal so, als wüssten die Macher nicht, ob sie den Filmen einen ernsthaften oder leicht humorvollen Charakter geben sollen, aber schließlich hat sich die TV-Serie doch noch gemausert. Hoch anzurechnen ist der Serie jedenfalls, das es endlich Außerirdische (die Schatten, die Vorlonen usw.) gibt, die nicht humanoid sind. Tricktechnisch sowieso keine Problem mehr, da können sich sogar von der Story her bessere Serien wie Star Trek - Next Generation eine Scheibe abschneiden.

Leider war schon vorher abzusehen, dass die Taschenbuchreihe von Babylon 5 nur die – schwache - Wiederholung der TV-Serie auf Papier bleibt, ohne sich nach dem Ende der Fernsehfolgen mit eigenen neuen Geschichten eine echte Existenzberechtigung erkämpfen zu können.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Babylon 5 Band 1: Tödliche Gedanken
Babylon 5 Band 2: Im Kreuzfeuer
Babylon 5 Band 3: Blutschwur

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Vortex - Zone der Verräter

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

zone-der-verraterChris Bunch, Allan Cole
Vortex - Zone der Verräter
Die Sten-Chroniken  Band 7

(sfbentry)
Goldmann (Buch-Nr. 25006)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442250066
Originaltitel: Vortex (1992)
Erschienen: 1997
Uebersetzer: Gerlad Jung
Titelbild: Schlück/Harris/Arena
Umfang: 537 Seiten

www.randomhouse.de

Wie groß darf ein Reich oder ein Imperium sein, dass es noch effektiv am Leben erhalten werden kann? Je größer es ist, desto schwerer wird es, die Grenzen zu sichern, Nachschub an allen lebenswichtigen Gütern im Reich gerecht zu verteilen und Nachrichten in vertretbarer Zeit zu übermitteln. Wie schwierig oder ab einer gewissen Größe - wie unmöglich - es tatsächlich ist, haben wir in der Geschichte über das Römische Weltreich gelernt und in der Neuzeit durch den andauernden Zerfall der Sowjetunion hautnah miterlebt. Dass auch die militärische Knute nur einen Aufschub des unausweichlichen Unterganges bedeutet, dürfte ebenso aktuell zu beobachten sein.

Somit liegt es in der Natur eines Imperiums, eine Entwicklung zu durchlaufen, die es fraglich macht, ein Imperium überhaupt erst aufzubauen. Ein guter Satz in einem SF-Film über (moderne) Kriege lautete: „Die einzige Möglichkeit das Spiel (Atomkrieg) zu gewinnen, ist, es überhaupt nicht zu beginnen!“ Auch der Ewige Imperator - mit einem Alter von über 1.000 Jahren -, hat mit solchen Problemen in seinem gigantischen Planetenreich zu ringen. Trotz unglaublicher Hochtechnologie,

riesiger Raumflotten und den fürchterlichsten Waffen kann er nicht gegen die Zeit, die Entfernung und mangelnde Ressourcen ankämpfen. Und so bleibt es auch in Zukunft dabei: Ein Mann des Vertrauens - ein Held wie Sten - wird mit der Aufgabe betraut, in einem abfallenden Cluster des Reiches nach dem Rechten zu sehen und wenn möglich, das Unheil abzuwenden.

Doch Sten, gerade erst vom Imperator zum Botschafter der Sternengruppe ernannt, fasst langsam den Verdacht, dass es im Altaischen Sektor um ganz andere Dinge geht. Und im Hintergrund lauert eine Macht, die ihre eigenen Ziele verfolgt. Eines dieser Ziele ist der Tod Stens…

Die Folgen 1 bis 6 der Sten-Chroniken sind ebenfalls bei Goldmann als Taschenbücher unter den Nummern 25000 bis 25005 erschienen. Ein galaktisches Lesefutter nicht nur für den Urlaub.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Die Sten-Chroniken Band 1: Stern der Rebellen
Die Sten-Chroniken Band 2: Kreuzfeuer
Die Sten-Chroniken Band 3: Das Tahn-Kommando
Die Sten-Chroniken Band 4: Division der Verlorenen
Die Sten-Chroniken Band 5: Feindgebiet
Die Sten-Chroniken Band 6: Morituri, Die Todgeweihten
Die Sten-Chroniken Band 7: Vortex - Zone der Verräter

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Sternenriff

Erstellt von Werner Karl am 17. November 2009

sternenriffDavid Brin
Sternenriff
Das Uplift-Universum  Band 1

(sfbentry)
Goldmann (24759)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442247592
Originaltitel: Brightness reef (1995)
Erschienen: 1997
Uebersetzer: Marcel Bieger
Titelbild: Thomas Herbrich
Umfang: 503 Seiten

www.goldmann.de

Seit mehreren Hundert Jahren leben die Nachkommen von Flüchtlingen auf dem Planeten Jijo. Die sechs verschiedenen Rassen - darunter auch Menschen - leben nach anfänglichen Auseinandersetzungen - mittlerweile friedlich, aber voller Angst zusammen. Ihre Ahnen flohen vor den Mächten der Fünf Galaxien und ihre Nachkommen fielen in ein Stadium weit vor der Entwicklung der Raumfahrt zurück. Nichtsdestotrotz ist allen durch Überlieferungen und alte Schriften bewusst, das sie Verfemte, Gesuchte und Gestrandete im All sind.

Niemand weiß eigentlich genau, was die Altvorderen sich haben zu Schulden kommen lassen, aber allen ist ebenso klar, dass wenn Jijo von den Galaktischen Instituten entdeckt wird, sie alle mit harter Strafe zu rechnen haben. Und so grüßt man sich mit Worten wie: „Dunkle Wolken“ oder „Stets tiefe Schatten“. Die Kinder werden ständig zur Ausbesserung der Pflanzendächer über den Dörfern herangezogen und angstvoll blickt man zum Himmel und wartet auf den Großen Tag, den Tag der Entdeckung. Und tatsächlich: Eines Tages erscheint ein fremdes Raumschiff und landet in der Nähe des Großen Heiligtums. Ist nun die Zeit des unausweichlichen Endes gekommen oder kann man der sich freundlich gebenden Besatzung vertrauen?

Der amerikanische Autor David Brin gewann für mehrere Romane aus der Uplift-Serie 8x Erste Preise des Genres und weitere auf nachfolgenden Plätzen, nämlich den HUGO Gernsback Award, den LOCUS Award und den Seiun (internationaler Preis).

Copyright (C) by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Band 1: Sternenriff
Band 2: Fremder der fünf Galaxien
Band 3: Das Ufer der Unendlichkeit
Band 4: Die Botschaft der Delphine
Band 5: Ring der Sonnen
Band 6: Am Grenzpunkt der Ewigkeit

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