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Black Rain

Erstellt von Werner Karl am 26. Februar 2010

black-rainGraham Brown
Black Rain

(sfbentry)
USA, 2009
blanvalet-Verlag, München, 1. Auflage: 12/2009
TB, Mystery-Thriller 37384
ISBN 9783442373840
Aus dem Amerikanischen von Fred Kinzel
Titelgestaltung von HildenDesign, München

www.blanvalet.de
www.hildendesign.de

Danielle Laidlaw arbeitet für das NRI, eine äußerst spezielle Abteilung, die im Geheimen für die Regierung tätig ist. Das NRI sucht neue Technologien und bedient sich dabei nicht immer legaler Mittel. Danielle und ihr Mentor Arnold Moore befinden sich in der Nähe des Amazonas-Regenwaldes. Dort haben sie eine Spur entdeckt, die zu Kristallen führen soll, die kalte Fusion erzeugen können. Dies würde saubere, bezahlbare Energieerzeugung bedeuten. Ein Team ist schon in den Regenwald geschickt worden. Nachdem dieses spurlos verschwand, stellen Danielle und Moore eine neue Gruppe zusammen. Mitten in den Vorbereitungen wird Moore ins Hauptquartier zurückberufen. Danielle obliegt nun die Leitung des Unternehmens. Doch sie ist nicht alleine auf ihrer Jagd nach den geheimnisvollen Kristallen.

Richard Kaufmann, ein Geschäftsmann, dessen Firma Millionen verdient, in dem er funktionstüchtige Technik liefert, die für Waffensysteme verwendet werden, klinkt sich ebenfalls in dieses Unternehmen ein. Dabei schreckt er weder vor Spionage noch vor Erpressung oder Mord zurück. Er will den Wettlauf gegen seine Konkurrenz gewinnen. Als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, scheinen noch geheimnisvolle, bösartige Wesen im Regenwald zu existieren. Diese töten alles, was nur in die Nähe der Steine kommen will. Die Wissenschaftler um Danielle Laidlaw geraten in ein tödliches Abenteuer, denn die Kreaturen, die hinter den schrecklichen Ereignissen stecken, gönnen der Menschheit keine Zukunft. Das Forscherteam wird gnadenlos gehetzt und muss um sein Überleben kämpfen.

Graham Brown ist mit diesem Thriller ein atemberaubendes Abenteuer gelungen, das seinesgleichen sucht. Langsam führt er seine Protagonisten in die ‚Grüne Hölle’ des Amazonas’. Er vereint geschichtliche Fakten und Fantasy-Elemente gekonnt. Daraus entsteht eine unglaublich spannende und mitreißende Geschichte. Die einzelnen Personen werden nach und nach vorgestellt und bestimmen den Lauf der weiteren Handlung. Dabei fügt er immer wieder geschichtliche oder wissenschaftliche Fakten hinzu. So kann keine Langeweile aufkommen.

Da ist z. B Danielle Laidlaw, die ihr erstes Unternehmen ohne ihren Mentor Arnold Moore leitet. Sie ist mutig, klug sportlich, schön und geht Risiken ein. Michael McCarter ist als Archäologieprofessor und Kenner der Mayakultur von unschätzbarem Wert für das Team. Dazu kommt noch ein Söldnertrupp, ein Pilot, sowie eine Studentin die McCarter in den Urwald folgt. Alle haben ihre eigenen vorgeschobenen Gründe, um mitzumachen. Nach und nach erfährt der gespannte Leser, warum sich die einzelnen Mitglieder wirklich entschlossen haben, bei dieser Expedition mitzumachen. Dafür gibt es viele Gründe: Langeweile, Forscherdrang oder eine alte Rechnung, die beglichen werden will.

Das Cover wird von einem grün pulsierenden Energieelement geziert. Dieses hebt sich von dem dunklen Untergrund sehr gut ab. Es wirkt durch die giftgrüne Farbe gefährlich und signalisiert: Achtung, nichts für schwache Nerven! Dem Autor ist ein spannendes Abenteuer gelungen, das mit intelligenten Wendungen nicht spart. Wer Thriller mit gut recherchiertem Hintergrundwissen und fantastischen Elementen mag, wie z. B. „Der Schwarm“, ist hier gut aufgehoben. Leser von 14 bis 88 Jahren werden an dieser Story ihre helle Freude haben.

Copyright © 2010 Petra Weddehage (PW)
 
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Black Rain

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Die Abschussliste

Erstellt von Michael Drewniok am 18. Februar 2010

child-reacher08-abschussliste-coverLee Child
Die Abschussliste

Originaltitel: The Enemy (London : Bantam Press 2004)
(sfbentry)
Übersetzung: Wulf Bergner
Deutsche Erstausgabe (geb.): Februar 2006 (Blanvalet Verlag)
478 S.
ISBN-13: 978-3-7645-0182-2
Als Taschenbuch: Februar 2008 (Blanvalet Verlag/TB Nr. 36840)
478 S.
ISBN-13: 978-3-442-36840-2

Das geschieht:

Im Stützpunkt Fort Bird, North Carolina, hat Jack Reacher, Ermittler der Militärpolizei, in der Silvesternacht des Jahres 1989 Bereitschaftsdienst, als ihn sein Chef in ein nahe gelegenes Motel schickt. Dort liegt auf einem schäbigen Bett Zwei-Sterne-General Kenneth Kramer, den beim außerehelichen Sex ein Herzschlag fällte. Da Kramer als Kommandeur der US-Panzertruppe in Europa ein prominenter Mann und außerdem verheiratet war, gilt es sein peinliche Ende zu vertuschen.

Reacher ist durchaus dazu bereit, doch ihn stört das offensichtliche Fehlen von Kramers Aktentasche. Der General war unterwegs zu einer Tagung und machte offenbar wegen seines Tête-à-têtes eigens einen Zwischenstopp: Er traf sich mit einer in Fort Bird stationierten Offizierin! Was war in der Aktentasche? Kramers Stabsoffiziere Vassell und Coomer streiten ab, dass womöglich geheime Dokumente verschwunden sind. Als Reacher und seine Kollegin Summer die Witwe des Generals informieren wollen, finden sie diese erschlagen in ihrem Haus vor. Ein Einbrecher hat sie getötet, aber nichts gestohlen.

Reacher und Summer halten den beinahe gleichzeitigen Tod der Ehefrau nicht für einen Zufall. Vor allem Reacher nimmt an, dass der Inhalt der Aktentasche Anlass für dieses Verbrechen war. Sein Verdacht wächst, als ihm der Fall nicht nur entzogen wird, sondern ein plötzlich neu eingesetzter Vorgesetzter offen mit Haft und Schande droht, sollte Reacher nicht Ruhe geben, was diesen freilich erst recht anstachelt.

Ein Komplott beginnt sich abzuzeichnen, und die Spur führt in die obersten Ränge der Militärhierarchie. Das nahe Ende des Kalten Kriegs und der damit einher gehende Truppenbau werden viele Soldaten und Offiziere ihren Job kosten. Damit wollen sich offensichtlich einige Karrieristen nicht abfinden und die Weichen für eine Militärstruktur stellen, die auf sie nicht verzichten kann. Für Reacher und Summer beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn ihr ‘Ungehorsam’ bleibt den Verschwörern nicht verborgen. Sie missbrauchen ihre Macht, um die lästigen Militärpolizisten auszuschalten, haben die Rechnung aber ohne Reacher gemacht …

Aus der Biografie eines Action-Helden

Wenn eine Serie sieben Bände umfasst, fällt es ihrem Verfasser zunehmend schwieriger, sie nicht nur am Leben zu erhalten, sondern ihr neue Impulse zu geben. Vertrackterweise verlangen dies die Leben zwar, während sie es gleichzeitig hassen, wenn lieb gewonnene Gewohnheiten über Bord geworfen werden.

Sieben Romane füllte Lee Child mit den Abenteuern des Ex-Soldaten Jack Reacher, der ruhelos durch die Vereinigten Staaten reist und dabei immer wieder in die Rolle des einsamen Retters schlüpfen muss. Über seine Vergangenheit erfuhren wir dabei nur wenig, was aber in Ordnung ging, da uns sein Privatleben - seien wir ehrlich - weniger interessierte als Reachers bemerkenswerter Einfallsreichtum im nie zimperlichen Kampf gegen finstere Gestalten.

Nun zeigt uns Child, dass er die ausgefahrenen Geleise verlassen kann, ohne dieses Vergnügen zu schmälern. “Die Abschussliste” ist ein ‘Prequel’, das einige Jahre vor “Größenwahn” (1997), dem ersten Band der Reacher-Reihe, spielt. Reacher ist noch Militärpolizist; wir erleben ihn also zum ersten Mal als ‘ordentlichen’ Ermittler, was natürlich als relative Einschätzung zu betrachten ist, da der wahre Held zumindest in der Fiktion stets ein Querdenker im Dienst der wirklich guten Sache ist.

Action mit hohem Rätsel-Faktor

Die Abweichung von der üblichen Storyline bekommt Reacher gut. Child versetzt ihn in eine ungewohnte Umgebung, ohne dabei die eigentlichen Meriten der Serie zu vernachlässigen. “Die Abschussliste” verfügt über einen ausgezeichneten Plot, der sich nur langsam zu erkennen gibt, während die Story sich krümmt und windet, immer neue Richtungen einschlägt und stets für Überraschungen gut ist.

Child beweist, wie erstaunlich gut der Action-Thriller mit dem “Whodunit?” harmoniert. “Die Abschussliste” ist eine intensive Lektion in Deduktion. Der Verfasser arbeitet ohne Tricks und doppelten Boden. Immer wieder halten Reacher und Summer ein und listen den Stand der Dinge auf: Der Leser teilt jederzeit ihren Wissensstand. Genau dann, wenn die Theorie zu langweilen droht, geht es in den Außeneinsatz.

Immer in Bewegung bleiben - das ist Reachers Motto. Sein Status als Soldat lässt ihn die ganze Welt wie selbstverständlich als Spielfeld betrachten. “Die Abschussliste” macht glänzenden Gebrauch von seiner Kulisse. Das Militär der USA stellt einen separaten, buchstäblich uniformen Kosmos dar, der parallel zur ‘zivilen’ Welt existiert. Eigene Gesetze, Regeln, Traditionen und Eigentümlichkeiten bestimmen ihn, die Child uns nicht nur nahe bringt, sondern in den Dienst seiner Geschichte stellt, die nur innerhalb des US-Militärs spielen kann.

Apokalypse für kalte Krieger

Einen wichtigen Aspekt des Plots bildet der Zeitpunkt der Ereignisse. Sie benötigen das Jahr 1990, um der Ungeheuerlichkeit der Verschwörung die richtige Dimension zu verleihen. Child versteht es, das an sich erfreuliche Ende des Kalten Kriegs zwischen den Supermächten USA und UdSSR als Schock darzustellen - für jene nämlich, die den drohenden Krieg nicht als Bedrohung der Welt, sondern als Motor ihrer Karrieren betrachten. Entfällt die Drohung, gibt es keinen Grund mehr für ihre kostspielige Existenz. Das muss sich in unserer globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts zwar jeder Arbeitnehmer gefallen lassen - Child selbst spricht (s. u.) aus eigener Erfahrung -, doch gilt das auch für diejenigen, die an den Schalthebeln der echten Macht sitzen? Der Verfasser entwirft ein Szenario, in dem sich die ‘Verlierer’ der Geschichte nicht mit ihrem Schicksal abfinden, sondern es abzuwenden suchen. Dass sie sich dabei krimineller Methoden bedienen, ist ihnen einerlei, denn so wie sie es sehen, verdienen sie ihre Privilegien.

Jack Reachers Vergangenheit als Militärpolizist spielt eine große Rolle für die Serie, denn sie erklärt seine kämpferischen Fähigkeiten und die Selbstverständlichkeit, mit der er sie einsetzt. Als Begründung für sein Ausscheiden aus dem Militärdienst wurde bisher die Umstrukturierung der Streitkräfte nach dem Kalten Krieg genannt - Reacher gehörte zu denen, die auf die Straße gesetzt wurden. Dank “Die Abschussliste” wissen wir jetzt, dass er wohl auch deshalb gegangen ist, weil er den Glauben an das Militär verlor, das bis zu den Ereignissen vom Januar 1990 nicht nur sein Arbeitsplatz, sondern seine Welt gewesen war.

Damals wie heute ein Querkopf & Quertreiber

Denn Reacher ist nur in seiner Dreifaltigkeit als zur Gewalt bereiter, intelligenter und idealistischer Mann zu begreifen. Die Erfahrung hat ihn zum Realisten gemacht aber nicht zum Zyniker werden lassen. Sein Sinn für Gerechtigkeit ist stärker als die Angst vor dem Ärger, den wir ‘normalen’ Menschen allzu oft schlucken. Reacher lässt sich nicht beirren. Dafür schätzen wir ihn, und deshalb akzeptieren wir seine dunklen Seiten, denn er trifft diejenigen, die es ‘verdienen’; soviel Bauchfreude gönnt sich auch der Kopfmensch, der sein schlechtes Gewissen über solche politisch unkorrekten Anwandlungen erstaunlich leicht in Schach halten kann, wenn er so gut unterhalten wird wie von Lee Child.

Wieviel ‘Menschlichkeit’ verträgt die Figur? Child zeigt es uns unfreiwillig, indem er in diesem Punkt den Bogen überspannt. Während die quasi beiläufige Liebesaffäre zwischen Reacher und Summer ausgezeichnet zu seinem Wesen passt, wirkt der Nebenstrang, der Reachers Abschied von seiner Mutter und das Verhältnis zu seinem Bruder beschreibt, auffällig überflüssig. Jack Reacher benötigt keine Heldenmutter, um als Figur glaubhaft zu sein. Ein Zuviel an privater Information ist wie schon gesagt eher schädlich.

Hätte Child auf die Beziehung zwischen Reacher und Summer verzichten sollen? Sie scheint vor allem ein Klischee zu sein, das ein ‘gemischtes’ Hauptdarstellerduo erfüllen muss. Bei näherer Betrachtung weicht Child geschickt vom Schema F ab. Reacher und Summer sind ‘Kinder’ der Armee. Sie kennen nur diese Welt und wurden von ihr geprägt. Beide sind sie unsentimental oder - auch diese Interpretation ist möglich - seelisch abgestumpft. Ihre Affäre ist beiläufig, die Gefühle nicht intensiv genug, um das Ende dieses Abenteuers überleben zu können. Das sagt viel über Reacher aus, ohne dass Child es in Worte fassen müsste. Für den weitgehenden Verzicht auf seifenoperliches Beiwerk, das heute allzu viele Thriller wie durch Blähungen anschwellen lässt, ist man ihm unendlich dankbar.

Bis Major Jack Reacher 1997 ausgemustert wird, bleiben nach 1990 noch einige Jahre, in denen er als Militärpolizist ermitteln könnte. “Die Abschussliste” beweist das Potenzial für eine ‘Sub-Serie’. Mit “One Shot” (dt. “Sniper”) kehrte Child aber erst einmal in die Gegenwart zurück.

Autor

Lee Child wurde 1954 im englischen Coventry geboren. Nach zwanzig Jahren Fernseh-Fron (in denen er u. a. hochklassige Thrillerserien wie “Prime Suspect”/”Heißer Verdacht” oder “Cracker”/”Ein Fall für Fitz”) betreute, wurde er 1995 wie sein späterer Serienheld Reacher ‘freigestellt’.

Seine Erfahrungen im Thriller-Gewerbe gedachte Child nun selbstständig zu nutzen. Die angestrebte Karriere als Schriftsteller ging er generalstabsmäßig an. Schreiben wollte er für ein möglichst großes Publikum, und das sitzt in den USA. Ausgedehnte Reisen hatten ihn mit Land und Leuten bekannt gemacht, sodass die Rechnung schon mit dem Erstling “Killing Floor” (1997, dt. “Größenwahn” aufging. 1998 ließ sich Child in seiner neuen Wahlheimat nieder und legt seither mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks in jedem Jahr ein neues Reacher-Abenteuer vor; zehn sollten es ursprünglich werden, doch zur Freude seiner Leser ließ der anhaltende Erfolg Child von diesem Plan Abstand nehmen.

Man muss die Serie übrigens nicht unbedingt in der Reihenfolge des Erscheinens lesen. Zwar gibt es einen chronologischen Faden, doch der ist von Child so konzipiert, dass er sich problemlos ignorieren lässt. Jack Reacher beginnt in jedem Roman der Serie praktisch wieder bei Null.

Aktuell und informativ präsentiert sich Lee Childs Website.

[md]

Titel bei Buch24.de (Taschenbuch)

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Das Dunkelbuch

Erstellt von Werner Karl am 4. Februar 2010

das-dunkelbuchGordon Dahlquist
Das Dunkelbuch

(sfbentry)
The Dark Volume, USA, 2008
blanvalet Verlag, München, 9/2009,
HC mit Schutzumschlag, Steampunk, Fantasy
ISBN 9783764502416
Aus dem Amerikanischen von Susanna Mende
Titelgestaltung von bürosüd

www.blanvalet.de

Gordon Dahlquist ist eigentlich Bühnenautor und –regisseur und daher gewohnt, szenisch zu denken und mit Form und Sprache zu experimentieren. Das schlug sich bereits in seinem ersten Roman „Die Glasbücher der Traumfresser“ nieder, mit dem er internationalen Erfolg errang. Nun hat der seit 1988 in New York lebende Autor eine Fortsetzung geschrieben. „Das Dunkelbuch“ schließt unmittelbar an die Ereignisse des ersten Bandes an. Damals fanden sich die Helden zusammen mit ihren Gegenspielern auf einem Luftschiff ein, und es kam zu einem dramatischen und blutigen Showdown, in dem viele Männer und Frauen ihr Leben verloren und das Luftschiff schließlich auch abstürzte.

Nun erwacht Celeste Temple in einer schmutzigen, kleinen Fischerhütte und kann sich nicht mehr richtig an die vorhergehenden Ereignisse erinnern, bis sie Eloise Dujung erkennt, die einst Hauslehrerin bei einem der Feinde war, sich aber auf ihre Seite geschlagen hat. Eloise wacht an ihrer Seite. Die anderen, vor allem ihre stärksten Mitstreiter – Doktor Svenson und Kardinal Chang - sind verschwunden. Die junge Frau braucht eine Weile, um ihre Kräfte zu sammeln, stellt dabei aber auch fest, dass sie plötzlich nicht mehr nur an ‚das Eine’ denkt, sondern auch auf die Erinnerungen von vielen hundert anderen Menschen besser zurückgreifen kann als je zuvor.

Was hat das zu bedeuten? Ehe sie darüber nachdenken kann, muss Celeste fliehen, denn ihre Erzfeindin, die Comtessa di Laquer-Sforza, hat den Absturz ebenfalls überlebt und versucht, sie mit allen Mitteln in ihre Hand zu bekommen. Und so beginnt eine wilde Treibjagd durch das Königreich, bei dem die junge Frau viele Gefahren bestehen muss und niemandem vertrauen darf. Denn genau ihre Erinnerungen sind der Schlüssel zu dem geheimnisvollen „Dunkelbuch“, das dem, der es öffnet, unermessliche Macht verspricht. Derweil versuchen ihre Mitstreiter Svenson und Chang, auf eigenen Wegen herauszubekommen, wer den Absturz überlebt hat, Celeste wieder zu finden oder wenigstens ihren Körper zu bergen. Dabei müssen sie erkennen, dass die Intrigen inzwischen weitere Kreise gezogen haben, als sie bisher ahnten.

Gordon Dahlquist knüpft an die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert so beliebten Abenteuerromane an, in denen tapfere Helden zumeist dramatische Abenteuer an exotischen Schauplätzen erlebten oder wenigstens auf skurrile Personen in einem eher vertrauten Umfeld trafen. Dabei zieht die Geschichte auch in diesem Roman immer weitere Kreise, ufert unbemerkt aus. Spätestens in der Mitte beginnt man sich zu fragen, wo eigentlich der rote Faden abgeblieben ist, denn selbst wenn die einzelnen Szenen spannend und humorvoll in den Bann schlagen können, verliert sich der Sinn des Ganzen mehr und mehr in kryptischen Andeutungen und vagen Anspielungen. Der Autor verrät nicht wirklich etwas und löst das Verwirrspiel am Ende nicht einmal richtig auf.

So bleibt ein sehr zwiespältiger Eindruck zurück. Die Geschichte ist zwar lebendig und farbenprächtig erzählt, die Szenen überzeugen, aber insgesamt ist das Buch eher langweilig und wird zum Ende hin immer undurchschaubarer. Auch macht sich dann bemerkbar, dass man den ersten Band doch hätte kennen sollen, da sich die Anspielungen auf die Figuren und ihre Vorgeschichte häufen, je tiefer der Autor in deren Gedankenwelt eintaucht. Alles in allem ist „Das Dunkelbuch“ wohl für die Leser am reizvollsten, die bereits „Die Glasbücher der Traumfesser“ kennen und die die ganz spezielle Erzählweise des Autors mögen.

Christel Scheja (CS)
 
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Das Dunkelbuch

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Hexenzorn

Erstellt von Werner Karl am 26. Januar 2010

hexenzornT. A. Pratt:
Hexenzorn

(sfbentry)
Blanvalet Taschenbuch 26664
München: Verlagsgruppe Random House 2010
Originaltitel: Blood Engines (2007)
ISBN 9783442266647
Übersetzt von Michael Pfingstl
Umfang: 406 Seiten

www.blanvalet.de

Marla Mason ist die mächtigste Hexe der kleinen Stadt Felport nahe San Francisco. Doch leider wirkt eine ihrer Konkurrentinnen einen mächtigen und tödlichen Zauber gegen sie, der seine Wirkung in kürze entfalten wird. Marla bleibt nur eine Möglichkeit: Sie muss den magischen Grenzstein, ein kraftvolles und energiegeladenes Artefakt vergangener Epochen, auftreiben, welcher sich in San Francisco befindet. Nur durch seine Macht könnte sie in der Lage sein, den Fluch abzuwehren. So macht sich Marla mit ihrem Gehilfen Rondeau auf in die Großstadt, um dort zum ungünstigsten Zeitpunkt anzukommen, denn ein fremder Zauberer ermordet gerade alle bedeutenden Konkurrenten, um sich ebenfalls den Grenzstein unter den Nagel zu reißen, da er eine uralte Gottheit wieder beleben möchte. Zuerst nehmen weder Marla noch die einheimischen Magier den Fremden ernst, als jedoch einer nach dem anderen von ihm  getötet wird, beginnt sich abzuzeichnen, dass nicht nur Marla ein gewaltiges Problem hat. Und während die Zeit der Hexe zwischen den Fingern zerrinnt, scheint auch San Franciscos letztes Stündlein geschlagen zu haben…

Hexenzorn ist ein sensationelles und nahezu unglaublich geniales Debüt. Fern von der derzeit üblichen klischeelastigen Vampirromantik erzählt T. A. Pratt hier die fesselnde und knallharte Geschichte eines tödlichen magischen Konflikts. Kantige Figuren wie die nur teilweise liebenswerte Hexe Marla Mason oder ihr nichtmenschlicher Begleiter Rondeau, dessen scheinbar unsterbliche Seele einen menschlichen Körper bewohnt, sprechen hier ebenso für den wunderbaren Einfallsreichtum ihres Schöpfers, wie dies für die packende Atmosphäre gilt.

Dabei schreckt Pratt auch vor schockierenden Sujets nicht zurück, wie z. B. einer ausgedehnten Sexorgie. Absolutes Highlight ist jedoch ein Computermagier, der, vermittels moderner Technik, seinen Zauberkräften zur vollständigen Ausformung verhilft, und dadurch gleich vielfach existiert. Seine Spiegel-Identitäten werden alle 30 Minuten upgedatet, so dass er nahezu unangreifbar erscheint und sich auch so aufführt. Doch leider kümmert sich der fremde Zauberer nicht um die Macht des Computernerd-Magiers und killt ihn ebenso schnell und effizient, wie die anderen vor ihm, so dass die arme Protagonistin bald einsehen muss, dass sie dem Fremden wohl nicht wirklich gewachsen ist (auch beim Endkampf nicht!!!).

Was Pratt sich dann zum finalen Showdown ausdenkt, ist eine originelle und überaus geniale Huldigung alter japanischer Monsterfilme, wie auch sonst Hexenzorn durch viele intelligente Anspielungen besticht. Die Reise der Hexe durch verschiedene Parallelwelten wird dann auch beinharte SF-Fans erfreuen und bei phantasiebegabten Lesern Begeisterung auslösen. Der vorliegende Roman schlägt sogar Jim Butchers überaus goutable Serie um den unverwüstlichen Magier Harry Dresden noch um Längen und ist zweifellos eine der einfallsreichsten und lesenswertesten Veröffentlichungen der letzten Jahre. Diese Geschichte enthält auf 400 Seiten mehr Ideen, als die meisten gängigen Fantasyzyklen auf Zehntausenden von Seiten. Ein bestechendes Leseerlebnis, welches man auf keinen Fall verpassen sollte. Zu hoffen bleibt, dass die angekündigten Fortsetzungen dem unglaublichen Niveau dieses Erstlings gerecht werden können.

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald
 
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Hexenzorn

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Unheilig

Erstellt von Michael Drewniok am 10. Januar 2010

becker-unheilig-coverJames Becker
Unheilig

Originaltitel: The First Apostle (New York : Bantam Books 2008)
Dt. Erstausgabe: Februar 2009 (Blanvalet Verlag/TB Nr. 37175)
Übersetzung: Ralph Sander
416 S.
ISBN-13: 978-3-442-37175-4
Als eBook: Oktober 2009 (PeP Verlag)
ISBN-13: 9-783-641-03028-5

Das geschieht:

Käme die Wahrheit über den Ursprung des Christentums ans Tageslicht, wäre die Macht der katholischen Kirche gebrochen; kein Wunder, dass die Päpste schon früh dafür sorgten, dass dieses Wissen geheim bleibt. Sollte doch etwas durchsickern, wird die Apostolische Penitenziara des Vatikans - früher bekannt als “Inquisition” - aktiv, der heuer Kardinal Vertutti vorsteht. Ebenfalls im Boot: die Cosa Nostra, vulgo “Mafia” genannt, die seit dem 19. Jahrhundert für den Vatikan die Drecksarbeit erledigt. “Capo” Gregori Mandino teilt dem erschrockenen Vertutti mit, dass die Engländerin Jackie Hampton in dem uralten Haus, das sie mit ihrem Ehemann Mark in der Region Latium bewohnt, eine bisher unbekannte Spur zum besagten Geheimnis aufgedeckt hat. Als Mandino seine Schergen in Gang setzt, um dies zu überprüfen, kommt Jackie dabei um.

Der gebrochene Mark fliegt in Begleitung seines besten Freundes nach Italien. Detektive Sergeant Christopher Bronson untersucht den Tatort, an dem Mandinos Männer einen Unfall inszenierten, was der Polizist aus Kent bald durchschaut. Bronson stößt dabei nicht nur auf jene Spur, die Jackie den Tod brachte, sondern auch auf weitere Informationen. Mit Hampton reist Bronson nach London, wo Angela Lewis, Bronsons Ex-Frau, als Historikerin im Britischen Museum arbeitet. Pechvogel Mark wird von Mandino, der den Freunden gefolgt ist, gefoltert, verhört und umgebracht. Die Indizien werden so manipuliert, dass sie auf Bronson als Mörder hindeuten.

Dieser reagiert mit einer Flucht nach vorn bzw. nach Europa. In Begleitung von Angela will er das Geheimnis lüften und die Verfolger demaskieren. Während die beiden mysteriösen Hinweisen und uralten Rätseln folgen, ist ihnen ein zunehmend zorniger Mandino härter auf den Fersen, als das Paar vermutet …

Düstere Spielchen nur teilweise Erleuchteter

Dan Brown … zwei Worte und ein Name, der inzwischen für eine moderne Erfolgsstory sowie Auslöser einer literarischen Katastrophe steht. Brown hat den ‘Vatikan-Thriller’ zwar nicht erfunden, ihn aber definitiv zu seinem Genre gemacht. Das Prinzip ist simpel: Die katholische Kirche, eine 2000 Jahre alte Institution mit einer an Schrecken und Geheimnissen reichen Vergangenheit, einer für Verschwörungstheorien idealen Verwaltungsstruktur sowie einem von zahllosen Legenden umwobenen Hauptquartier (dem Vatikan), investiert einen Gutteil ihrer (in diesen Thrillern stets beträchtlichen) Macht in die Verschleierung historischer Tatsachen, die ihrem Ruf unbekömmlich wären und, was wichtiger ist, an ihren angemaßten Privilegien rühren würden. Beliebt sind auch seit Jahrhunderten geführte Geheimkriege mit finsteren Organisationen, die tückische und höchst komplizierte Pläne verfolgen, welche in Richtung Weltherrschaft gehen. Wer als Autor gänzlich auf Nummer Sicher gehen möchte, kombiniert beide Konzepte.

“James Becker” - der sich nicht grundlos hinter einem Pseudonym verbirgt - ist kein Freund komplexer Plots oder allzu detailreich ausgemalter Hintergründe. Das große ‘Geheimnis’ drängt sich dem einigermaßen historisch beschlagene Leser schon nach dem Epilog auf, der im 1. Nachchristlichen Jahrhundert in der römischen Provinz Palästina spielt. Allen Ernstes scheint Becker der Meinung zu sein, er könne den Korken auf der Rätsel-Flasche halten, indem er die Namen der beiden Männer unterschlägt, die angeblich im Auftrag des römischen Kaisers Nero den Startschuss für den Siegeszug des Christentums gaben.

Generell setzt Becker ein niedriges Erkenntnis-Niveau voraus. Auch seine Helden tappen endlos dort im Dunkeln, wo sie beim besten Willen wenigstens theoretisch der Lösung nahekommen müssten. Doch es reicht gerade dazu, den auch nicht mit Intelligenz und Findigkeit geschlagenen Bösewichten einen Schritt voraus zu bleiben. Es ist sowieso egal, was diese einfädeln, denn Chris Bronson rekonstruiert stets haargenau, was seine Gegner wieso getan haben. Anschließend fällt eine Weile Finsternis über sein Hirn, denn die Schurken müssen aufholen, damit sie ‘überraschend’ auftauchen, auf unsere Helden schießen oder sie anderweitig bedrohen können: So funktioniert Spannung à la James Becker: als Kopf-an-Kopf-Rätsel-Rallye!

Schema F - mit freundlicher Unterstützung von König Klischee

Was ist von einem Rätsel zu halten, das von einem Polizisten, einem Vermögensberater und einer Expertin für antike Keramik ohne größere Probleme gelöst werden kann? Becker postuliert zwar diverse Sackgassen und Missverständnisse, wobei er jedoch nicht verbergen kann, wie simpel er sein Mysterium konstruiert ist. Größe zählt manchmal doch: Dan Brown ist auch deshalb so erfolgreich, weil er historische Fakten im ganz großen Stil mit Theorien und Legenden verquirlt. Becker fällt vergleichsweise wenig ein. Nero als verrückter Wüstling, die bockigen Katharer, das Labyrinth der vatikanischen Geheimarchive: Es passt zusammen, macht aber nicht viel her.

Wie so oft im Thriller-Genre soll wilder Aktionismus Spannung vortäuschen. Gut und Böse sausen durch Europa und haken dabei hektisch touristische und historische Highlights ab. Mit dem Laptop auf den Knien werden während der Fahrt kapitale Mysterien entschlüsselt, während am Horizont pistolenfuchtelnd die mit der Kirche verbandelte Mafia naht. Becker zieht den Leser nicht in seinen Bann, er speist ihn mit hölzern abgewickelten Spannungsroutinen ab.

Munkelmänner & Schlaufrauen

Dem entsprechen die saft- und kraftlosen Figuren. Zwar bemüht sich Becker, seinem (als Serienhelden geplanten) Chris Bronson ein Profil zu verleihen. Faktisch setzt er nur Klischee auf Klischee. Also ist unser Held ein nonkonformistischer Idealist mit Universitäts- und Militärausbildung, was ihm ermöglicht, seinen Gegnern nicht nur intellektuell, sondern auch im Kampf das Fell zu gerben. Privat dichtet Becker Bronson gleich zwei unglückliche Liebesgeschichten an, was ihn auch nicht interessanter wirken lässt; von der erwarteten weil eigentlich obligatorischen Liebesszene nimmt Becker glücklicherweise Abstand, obwohl dem Leser dadurch womöglich ein Höhepunkt der unfreiwilligen Komik entgeht.

Während es die Liebe seines Lebens nur bis auf Seite 19 schafft, darf die Ersatzfrau glänzen. Erstaunlich rasch versöhnt sich die beleidigte Angela mit ihrem Chris, nachdem die Konkurrentin ins Gras gebissen hat, und wirft sich zum Ex-Gatten in den Wagen, um sich auf eine europaweite Schnitzeljagd zu begeben, während Polizei, Kirche und Mafia sich auf ihre Fährte setzen - fürwahr eine logische Entscheidung!

Oder kannte Angela ihre Gegner bereits? Obwohl sie in der Übermacht sind und ihnen alle möglichen (und auch unmöglichen) Überwachungstechniken zur Verfügung stehen, versauen diese Schurken noch jede Teufelei irgendwie. Gregori Mandino soll einen Mafiosi des 21. Jahrhunderts darstellen - gebildet, gut gekleidet, äußerlich ins legale Gefüge seines Landes integriert, innerlich jedoch ein skrupelloser Killer sowie Botschafter eines kriminellen Imperiums, das Becker als staatsähnliches “Reich des Bösen” charakterisiert.

Zwischen der Mafia und der Kirche sieht Becker jene Parallelen, die auch Volkes Stimme gern voraussetzt. Wie dieses Bündnis gestaltet ist, legt Mandino Kardinal Vertutti und den Lesern in einer Art Referat dar. Nur eines sei verraten: Raffiniert oder überzeugend klingt anders! Folgerichtig bietet auch besagter Kardinal eine flache Figur. Er ist ein machtlüsterner, scheinheiliger Kirchenfürst, der für die Konservierung des status quo mit einem frommen Spruch auf den Lippen über Leichen zu gehen bereit ist.

Der Auflösung wird selbstverständlich eine finale Überraschung als Coda angeklebt. Die ist wahrlich nicht von dieser Welt und impliziert Sensationen, die Becker in der Fortsetzung seiner Reihe weder umsetzen kann noch wird, weil er sich selbst den Ast absägen würde, auf dem er sitzt und schreibt. Andererseits merkt er das vielleicht gar nicht, und man sollte ihn machen lassen, womit sich das Problem weiterer Munkel-Thriller, die unsere Welt nicht braucht, allein erledigt …

Autor

“James Becker” ist ein Pseudonym des Schriftstellers Peter Stuart Smith. Er flog zwei Jahrzehnte Hubschrauber für die Royal Navy und half später bei der Entwicklung von Planspielen, die mögliche Szenarien zukünftiger Kriege erfassten. Hier erwarb der zukünftige Autor jenes Wissen, das es ihm ermöglichte, seine im militärischen Umfeld spielenden Thriller mit einschlägigen Fachtermini zu würzen, Außerdem war Smith dienstlich viel in der Welt unterwegs, was sich ebenfalls in seinen Romanen widerspiegelt.

“Overkill” (dt. “Operation Overkill”), Smith’ Romanerstling, erschien 2004 unter dem Pseudonym “Commander James Barrington”. Das Buch ist gleichzeitig Start einer Serie, die den britischen Geheimagenten Paul Richter im weltweiten Kampf gegen kriegslüsterne Terroristen, Verräter und anderes Schurkengezücht präsentiert, wobei der akkuraten Beschreibung der einsetzten Waffen und Gefechtsmethoden mindestens viel Platz eingeräumt wird. Um die Komplexität der technischen Schilderungen in etwa auszugleichen, meidet Smith in seinen Handlungsplots jegliche Hintergründigkeit.

2008 legte er sich ein zweites Pseudonym zu: “James Becker” wird (mindestens) drei Bände einer Serie um den Polizisten und Ex-Soldaten Chris Bronson schreiben, der im Kampf mit dem Vatikan, der Mafia und anderen zwielichtigen Organisationen verborgene und vertuschte Geheimnisse der katholischen Kirche aufdeckt, von denen nicht einmal Robert Langdon zu träumen wagt.

Peter Stuart Smith lebt heute im Kleinstaat Andorra in den östlichen Pyrenäen. Über seine Aktivitäten informiert er militärisch präzise und ohne Schnickschnack auf seiner Website (”It’s small, simple, fast to load, and without frills.”).

[md]

Titel bei Amazon.de

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Treueschwur

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

treueschwur1Timothy Zahn
Treueschwur
Star Wars

(sfbentry)
Blanvalet Taschenbuch (Buch-Nr. 36980)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442369805
Originaltitel: Star Wars: Allegiance (2007)
Erschienen: 2008
Uebersetzer: Andreas Kasprzak
Titelbild: John Van Vleet
Umfang: 459 Seiten

www.blanvalet.de

Es sind nur wenige Wochen oder Monate vergangen, seit Luke Skywalker mit einem Robin-Hood-Schuss den ersten Todesstern des Imperiums zerstört hat, denn sein Freund Han Solo hat sich noch nicht entschlossen, sich wie Luke der Rebellion anzuschließen. Doch für die Rebellion wäre er ein idealer Zugewinn, denn für den Aufbau und die Sicherung der Nachschubwege gegen alle Feinde ist ein Schmuggler genau der Richtige. Und nicht nur das Imperium zählt zu den Feinden der Rebellen. Währenddessen gärt es innerhalb verschiedener Einheiten der Imperialen Sturmtruppen. Sie haben nicht nur dem Imperator Palpatin den Treueschwur geleistet, sondern vor allem auch den Bürgern des Imperiums.

Nach der Vernichtung des friedlichen Planeten Alderaan und mehreren Massakern an unschuldigen Zivilisten, welche die Militärführung jedoch als Rebellen bezeichnet hat, werden die Zweifel einiger Sturmtruppler übergroß. Als Daric LaRone und seine Kameraden dann auch noch von einem Agenten des ISB, des Imperialen Sicherheitsbüros, schikaniert werden, bringt dies das Fass zum Überlaufen. LaRone tötet den Agenten und flieht mit seinen 4 Kameraden durch ein Täuschungsmanöver an Bord eines ISB-Schiffes vom Sternenzerstörerer Reprisal. Die Deserteure fühlen sich aber immer noch an ihren Treueschwur gegenüber dem Imperium gebunden. Als sie auf einem abgelegenen Planeten Proviant und Treibstoff aufnehmen wollen, geraten sie in einen Überfall auf einen Trupp Farmer, welche sich ebenfalls frisch mit Ausrüstung versehen hatten. Doch die Farmer sind in Wahrheit getarnte Rebellen auf einer ihrer Nachschubmissionen. Kurzerhand ergreifen die Sturmtruppler Partei für die angeblichen Farmer und vernichten die angreifende Piratengang.

Auf einem weiteren Randplaneten befreien die Deserteure die örtliche Bevölkerung und die entmachteten regulären Polizeikräfte von korrupten Politikern und erneut Piraten der berüchtigten BloodScars. All diese Aktionen bleiben weder der Piratenführung, noch den Rebellen verborgen. Und auch das Imperium sucht nach den Deserteuren. Die „Hand des Imperators“, eine blutjunge Agentin, untersucht eigentlich das Erstarken der BloodScar-Piraten in diesem Raumsektor. Aber sie stößt auch auf Verbindungen zum Regierungspalast der Sektorverwaltung. Ist aus diesem Grund auch der Sith-Lord Darth Vader hier? Und wie hängt das alles mit den Rebellen und den Deserteuren zusammen?

Timothy Zahn knüpft hier gekonnt und souverän die Verbindungen zu vielen Passagen der bekannten Star-Wars-Filmreihe, in denen aus Gutem Böses entsteht und manchmal auch umgekehrt. Die Eliteeinheiten der Imperialen Sturmtruppen sind eben nicht nur Befehlsempfänger mit einprogrammierten Codes zum unbedingten Gehorsam bis hin zu Verrat, sondern echte Menschen. Und Menschen haben Gefühle und vor allem ein Gehirn, das sie doch ab und zu benutzen. So wie die Deserteure. Ein faszinierender Blick unter den Helm der gefürchteten Imperialen Sturmtruppen!

Bei den der Verlagsgruppe Ramdom House zugehörigen Teilverlage Heyne und blanvalet sind mittlerweile über 90 Romane aus dem Star-Wars-Universum erschienen. Sehr angenehm ist bei diesem Umfang eine Zeittafel am Anfang von „Treueschwur“, die einem die Orientierung enorm erleichtert. 459 Seiten erstklassige SF für alle nach mehr lechzenden Star-Wars-Fans und solche, die es – nicht zuletzt wegen solcher Romane – noch werden.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Treueschwur

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Die verborgene Königin

Erstellt von Werner Karl am 15. November 2009

die-verborgene-koniginTroy Denning
Die verborgene Königin
Dunkles Nest  Band 2

(sfbentry)
Blanvalet (26567)
Star Wars, Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442265671
Originaltitel: Star Wars: The unseen queen (2005)
Erschienen: 2008
Uebersetzer: Regina Winter
Titelbild: Cliff Nielsen
Umfang: 382 Seiten

www.blanvalet.deIn den Unbekannten Regionen des Alls lauern Gefahren, welche auch den neuen Jedi-Orden vor massive Probleme stellen. Nur mit Mühe konnten Jaina und Jacen Solo – Nichte und Neffe Luke Skywalkers – im ersten Teil „Die Königsdrohne“ der Star-Wars-Mini-Reihe „Dunkles Nest“ den Ausbruch eines neuen Krieges zwischen den isoliert lebenden Chiss und den insektoiden Killiks verhindern. Dies gelang ihnen durch die Bereitstellung einer Reihe unbewohnter Planeten, auf denen sich die Kolonie der Killiks ansiedeln konnte.

Doch nun droht gerade diesem wackligen Frieden Gefahr durch eine versteckte Macht, welche diese neuen Killik-Nester angreift. Doch wer hat Interesse an einem galaktischen Krieg, in denen allzu leicht auch unbeteiligte Völker mit hineingezogen werden können? Wer ist verantwortlich dafür, dass alles zersetzender Schaum sich auf den jungen Nest-Planeten ausbreitet? Und warum betreibt der Staatschef der Galaktischen Allianz, Cal Omas, die Spaltung des noch nicht gefestigten Jedi-Ordens voran?

Um dieses Chaos aufzulösen und den Ausbruch des Krieges zu verhindern, müssen Luke und Mara Jade Skywalker, Han und Leia Solo, ihre erwachsenen Kinder und Jedi-Ritter mit allem kämpfen was ihnen zu Verfügung steht: Energiewaffen, Lichtschwertern und der Macht. Doch auch die andere Seite kämpft mittels der Macht, denn das Dunkle Nest ist eine neue Verkörperung der Dunklen Seite der Macht…

Bis zu diesem Roman hatte ich noch nicht die Freude einen Roman aus der Feder von Troy Denning zu lesen. Doch es war eine Freude, um es vorweg zu nehmen. Schließlich ist es nicht leicht, für die berühmteste Space-Saga der Welt schreiben zu dürfen. Auch nicht für einen amerikanischen SF-Autor. Man kann sich für so ein Vorhaben nicht einfach bewerben, seinen Agenten anrufen und sagen: „Hey, ruf doch mal Georg Lucas an…“ Nein, so funktioniert das nicht. Man muss sich schon erfolgreich als SF-Autor verdient gemacht, etliches veröffentlicht, noch mehr verkauft und im Idealfall auch einige Preise eingeheimst haben, bevor man von Lucasfilm Ltd. angerufen wird. Don`t call us, we call you! Konkret muss man gezeigt haben, dass man es kann, denn bei Star Wars gilt es ein hohes Level zu halten. Nun, Troy Denning wurde angerufen und mittlerweile gibt es knapp ein halbes Dutzend Star-Wars-Romane von ihm.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

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Star Wars Dunkles Nest Band 1: Die Königsdrohne
Star Wars Dunkles Nest Band 2: Die verborgene Königin
Star Wars Dunkles Nest Band 3: Der Schwarmkrieg

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Die Macht des Todessterns

Erstellt von Werner Karl am 14. November 2009

die-macht-des-todessternsMichael Reaves, Steve Perry
Die Macht des Todessterns
Star Wars

(sfbentry)
Blanvalet Taschenbuch (26556)
ISBN 9783442265664
Science Fiction
Umfang 479 Seiten
Originaltitel: Star Wars: Death Star (2007)
Erschienen: 2008
Übersetzer: Andreas Kasprzak
Titelbild: John Harris

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Kann es eine fürchterlichere Waffe geben als die, welche ganze Planeten vernichten kann? Wer im Besitz einer solchen Waffe ist, hat unumschränkte Macht. Oder nicht? Das Imperium ist kurz davor den Bau einer 120 km durchmessenden, also knapp mondgroßen Kampfstation abzuschließen, nämlich genau derjenigen, welche wir alle aus Episode IV „Krieg der Sterne“ nur zu gut kennen. Und von der wir wissen, dass es schlussendlich der Rebellenallianz unter Führung des jungen Luke Skywalker gelingt, diese zu vernichten. Also ist die Macht des Todessterns doch nicht so unumschränkt?  Die Führung des Imperiums, also der Imperator und seine Militärs – allen voran der Großmufti und Kommandant des Todessterns Wilhuff Tarkin – glauben daran. Auch Darth Vader befürwortet den Bau des Todessterns, doch in vielen Dingen zieht er die Macht der Dunklen Seite vor.

Was wir im Film nicht erfahren, erzählt dieser Roman. Wer sind die Männer und Frauen an Bord dieser riesigen Kampfstation? Alles brutale Soldaten, begierig darauf alle Rebellen und deren Sympathisanten auszulöschen? So groß die Station ist, so immens ist – bei aller modernster Technik – auch ihr Bedarf an menschlicher Besatzung. Etwa 1 (!) Million Menschen und Vertreter anderer Spezies arbeiten, kämpfen und leben in ihr. Alleine nur mit Freiwilligen und Verpflichteten aus den Reihen des Militärs lässt sich selbst bei der Größe des Imperiums dieser Bedarf nicht decken. Gerade bei der Planung, Materialbeschaffung und enormer logistischer Probleme kommen auch zivile Individuen zum Einsatz. Manche tun es freiwillig - die gigantische Aufgabe reizt - und der Verdienst ist sehr gut, andere werden rekrutiert, schlichtweg gezwungen, nicht wenige sind Sträflinge, Sklaven, Arbeitsvieh. Das Imperium hat wenig Skrupel mit aller Kraft den Bau im Zeitplan zu halten und Rückschläge durch Sabotageakte gnadenlos aufzuholen.

Da bleibt es nicht aus, dass Spione, Verräter, geflüchtete Sträflinge in den Tausenden von Gängen, Hallen, Lagern und Räumen Unterschlupf finden und Dinge verschwinden, die im Überfluss vorhanden sind. Manche Dinge lassen sich bei der Vielzahl an Zugangsberechtigten auch nicht mit 100%iger Sicherheit verwahren… z.B. die Pläne des Todessterns. Wir erleben den ersten Test der gewaltigen Laserwaffe: Tarkin lässt den Straf-Planeten Despayre im Outer-Rim-Territorium – in dessen Umlaufbahn der Bau stattfindet – vernichten. Samt einer geschätzten Zahl von wiederum einer Million der gefährlichsten Sträflinge… und deren Bewacher gleich mit. Wie gesagt: das Imperium hat keinerlei Skrupel. Noch hat die Kampfstation nur ca. 30% ihrer endgültigen Feuerkraft erreicht und so benötigt es noch dreier Schüsse, um Despayre zerplatzen zu lassen, doch man ist bereits bei den Abschlussarbeiten. Im letzten Viertel des Romans knüpft die Handlung unmittelbar an die allererste Szene aus der Saga an: Darth Vaders Sternenzerstörer Devastator verfolgt und kapert das Konsularschiff von Prinzessin Leia Organa…

Noch vor einem Jahr hatte ich eine unterschwellige Abneigung zu den Romanen aus dem Star-Wars-Universum. Ich hatte gedacht „Was soll da groß passieren? Zwischen den Filmen?“. Nun, ich habe meine Meinung gründlich revidiert. Es macht einfach Spaß Lücken der Filmsaga zu schließen, Verbindungen, Entwicklungen zu erkennen. Wenn´s dann auch noch spannend wird, umso besser. Zwar ist „Die Macht des Todessterns“ kein literarisches Highlight, aber es befriedigt in jedem Fall die Erwartungen und weckt den Hunger nach mehr.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

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Die Macht des Todessterns

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Der Schwarmkrieg

Erstellt von Werner Karl am 10. November 2009

der-schwarmkriegTroy Denning
Der Schwarmkrieg
Dunkles Nest Band 3

(sfbentry)
Star Wars 
Blanvalet / Star Wars Taschenbuch (26568)
ISBN 9783442265688
Originaltitel: Star Wars: The swarm war (2005)
Erschienen: 2008
Übersetzer: Regina Winter
Titelbild: Cliff Nielsen
Umfang: 414 Seiten

www.blanvalet.de 

Wir befinden uns 35 Jahre nach „Rückkehr der Jedi-Ritter“: Luke Skywalker steht dem Orden der Neuen Jedi-Ritter vor. Seine beiden erwachsenen Kinder mit Mara Jade-Skywalker – der ehemaligen „Hand des Imperators“ und die Kinder von Han Solo und Leia Organa-Solo zählen ebenfalls zum Jedi-Orden und spielen wichtige Rollen im mittlerweile offenen Krieg zwischen den isoliert lebenden Chiss und den insektoiden Killiks. Luke versucht – im wahrsten Sinne des Wortes – mit aller Macht, diesen Krieg zu beenden, bevor er auf die Galaktische Allianz übergreift. Doch sein Plan ist gefährlich und wie jeder Plan ist es längst nicht sicher, ob er sich tatsächlich wie geplant durchführen lässt…

Was sich in den ersten beiden Teilen noch recht gut bis sogar sehr gut entwickelt hatte und flüssig lesen ließ, lässt im dritten Teil doch merklich nach. Irgendwie hat man das Gefühl, dass sich Troy Denning nicht klar war, wie der Krieg glaubwürdig zu beenden möglich sei.

Wie bei vielen Star-Wars-Romanen verwischen sich die Grenzen zwischen Gut und Böse, einzig noch erkennbar durch die Anhängerschaft entweder der einen oder anderen Seite der Macht. Wobei selbst hier, gute Absichten in böses Tun führen können, scheinbar gute Charaktere – nach unseren heutigen Moral- und Rechtsempfinden – auf einmal skrupellos handeln. Es ist schon sehr befremdlich, wenn Luke Skywalker – als Oberhaupt des zum Frieden verpflichteten Jedi-Ordens – seine Anhänger zu Attentats-Morden aufruft und noch nicht einmal darüber nachdenkt, das dieses Vorhaben allem widerspricht, wofür er gekämpft hat und an was er angeblich glaubt.

Weit weniger Skrupel haben da die Vertreter insektoider Rassen, welche ihr eigenes Überleben schlichtweg davon abhängig machen, eine andere Spezies komplett auszurotten. War dies – Gott sei Dank – selbst Hitler mit den Juden nicht möglich, erscheint es mir in einem zukünftigen raumfahrenden Imperium noch unwahrscheinlicher. Schließlich verfügt jede Seite über Dutzende, Hunderte oder gar Tausende von bewohnten Planeten, von der Zahl dazwischen operierender Raumflotten ganz zu schweigen. Also kann die Vernichtung oder Ausrottung des Gegners niemals die Lösung sein.

Vielleicht liegt es an unserem menschlichen – bis dato planetengebundenen – Denken, dass Troy Denning nicht an eine „galaktischere“ Handlung und Lösung gedacht hat. Wir sind, was wir sind: Homo sapiens, Affen auf einem Planeten. Vielleicht wird dies anders, wenn wir Homo stellaris werden, Affen zwischen den Sternen.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

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Dunkles Nest Band 1: Die Königsdrohne
Dunkles Nest Band 2: Die verborgene Königin
Dunkles Nest Band 3: Der Schwarmkrieg

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Way Out

Erstellt von Michael Drewniok am 17. Oktober 2009

child-reacher-10-way-out-coverLee Child
Way Out

Originaltitel: The Hard Way (London : Bantam Press 2006/New York : Delacorte Press 2006)
Übersetzung: Wulf Bergner
Deutsche Erstausgabe (geb.): August 2009 (Blanvalet Verlag)
448 S.
ISBN-13: 978-3-7645-0236-6

Das geschieht:

Jack Reacher, freiwillig heimatlos durch die USA vagabundierender Ex-Militärpolizist, wird in einem Café in New York City zufällig Zeuge einer Lösegeld-Übergabe. Kate, Ehefrau des millionenschweren ‘Sicherheitsberaters” Edward Lane, wurde zusammen mit Jade, ihrer achtjährigen Tochter aus erster Ehe, entführt. Gegen die Zahlung von 1 Mio. Dollar sollten Gattin und Stieftochter freikommen, doch die Kidnapper hielten ihr Versprechen nicht.

Reacher bietet seine Hilfe an. Er weiß: Die Verbrecher wollen ihr Opfer weiter ‘melken’. In der Tat wird wenig später eine weitere Geldforderung erhoben. 5 Mio. Dollar zahlt Lane, ohne auch dieses Mal zu zögern, denn vor fünf Jahren hatte man Anne, seine erste Frau, entführt und umgebracht, als die Polizei ins Spiel kam. Dieses böse Ende sieht Reacher neuerlich nahen, denn er glaubt trotz Lösegeldzahlung nicht an ein Freikommen von Mutter und Tochter.

Patricia Joseph, Annes jüngere Schwester, hält Lane für einen Psychopathen, der seine ihm lästig gewordene Erstgattin ermorden ließ. Seitdem überwacht sie den Ex-Schwager und hofft ihn bei einer entlarvenden Unvorsichtigkeit zu ertappen. Ohne Patricias Wissen blieb auch Lauren Pauling auf Lanes Fersen. Sie war vor fünf Jahren die im Entführungsfall Anne Lane zuständige FBI-Agentin. Den Tod des Opfers hat sie nie verwunden und ihren Abschied genommen. Jetzt werden beide Frauen Reachers Verbündete.

Der Fall ist komplizierter als alle Beteiligten ahnen. Lane, tatsächlich Leiter einer privaten Söldnertruppe, die für Geld überall in der Welt kämpft, hat bei einem gescheiterten Einsatz zwei Männer zurückgelassen, die wider Erwarten überlebten und Rache an ihrem Dienstherrn nehmen wollen - oder ist auch dies nur eine Theorie, die sich in Luft auflöst, während die Uhr für Kate und Jade endgültig abläuft …?

Hit the bad boys, Jack!

Grundsätzlich bleibt alles beim Alten: Jack Reacher lässt sich durch die USA treiben, beobachtet Land und Leute, und weil er ein wenig schärfer sieht als seine Zeitgenossen, wird er wieder einmal Zeuge einer Tat, hinter der sich nicht nur ein Verbrechen, sondern - das ist wichtig - ein Unrecht verbirgt, das offiziell und durch das Gesetz nicht geahndet werden kann. So etwas bringt ihn auf, denn Reacher, der sonst “sein Leben bis ins kleinste Detail immer so ein[richtet], dass er sekundenschnell aufbrechen konnte” (S. 6), besitzt eine Achillesferse: Er ist ein Moralist, der sich auf die Seite der Schwachen und Wehrlosen stellen muss, wenn er ihnen begegnet.

Damit beginnen harte Zeiten für die sogenannten Starken, die sich gewaltsam und hinterlistig Privilegien aneignen und diejenigen schurigeln, die sich an die Regeln halten. Einer wie Reacher ist mindestens ebenso rücksichtslos wie sie, denn “das Reue-Gen fehlte in seiner DNA. Total. Es existierte einfach nicht.” (S. 445) Seine Gegner begreifen stets ein wenig zu langsam, dass es ihnen nun mit gleicher Münze heimgezahlt wird. Das spricht wohlig des Lesers Gerechtigkeitssinn an, in dessen Hirn ein kleiner, meist gut verborgener Winkel existiert, wo die Selbstjustiz haust.

Lee Childs Schurken sind Abschaum, und in den Reacher-Romanen bekommen sie anders als im realen Leben, was sie verdienen. Meint Child es ernst mit diesem Vigilantentum, oder ist es nur Theaterdonner, der ein Buch spannender und besser verkäuflich machen soll? Die Frage ist generell und hier besonders unwichtig, wenn es gelingt, den Gutmenschen-Reflex auszuschalten, eine spannende Geschichte als spannende Geschichte zu akzeptieren und sich unterhalten zu lassen.

Das schafft Child auch dieses Mal vorzüglich. Action-Thriller sind keineswegs so einfach zu schreiben, wie viel zu viele ‘Autoren’ dies glauben. Auch eine rasante Geschichte will sauber konstruiert und entwickelt sein, soll sie ihre Wirkung vollständig entfalten. “Way Out” ist keine simple Hetzjagd von Punkt A nach B und C und so weiter, die Story hält ihr Tempo ohne Durchhänger und verliert auch angesichts rasanter Wendungen den Anschluss nicht.

Hit the road, Jack!

Mit dem ersten Satz wird der Leser in die mit Volldampf anlaufende Handlung gerissen. Pausen wird es (bis auf die obligatorische, bei Child traditionell peinlich-lächerliche und glücklicherweise einzige Liebesszene) nicht geben: Jeder Rückblick in die Vergangenheit, jede Gefühlsäußerung steht im Dienst der Story. Wer seinen Thriller mit Seelenpein und Beziehungskisten liebt, sollte sich die Lektüre von “Way Out” verkneifen; wer seifenoperlich verschnittene Thriller hasst und in dieser Hinsicht ein vielfach gebranntes Kind ist, kennt und schätzt Reacher längst.

Ökonomisch schreiben zu können ist eine kostbare Gabe. Child hat ein wunderbares Gefühl für Timing. Das Geschehen schlägt immer wieder Haken in unerwartete Richtungen. Sorgfältig konstruiert der Autor Handlungsstränge, die sich als Irrwege entpuppen. Bevor man bewundern kann, wie man schon wieder elegant an der Nase herumgeführt wurde, geht es ähnlich trügerisch weiter. So mancher gefeierte Thriller-Autor mit Bestsellerlisten-Präsenz kann Child (nicht nur) in dieser Hinsicht nicht das Wasser reichen. Last-Minute-Überraschungen setzt er nicht auf, sondern integriert sie in die Handlung.

Jack Reacher ist ein Mann mit Sinn für Details. Sie zu beachten musste er lernen, sie sich zunutze zu machen, hat er zu einer Kunst entwickelt. Auch Child schwelgt in Einzelheiten. Er beschreibt scheinbar unwichtige Alltäglichkeiten wie eine Tür oder sogar nur ein Türschloss mit einer Intensität, die deutlich macht, dass man solche Passagen im Hinterkopf behalten sollte. Viele Seiten später kann ein Detail zum Hebel werden, mit dessen Hilfe sich ein Rätsel lösen lässt, das sich über den halben Erdball erstreckt. Auch dies wirkt nie aufdringlich, sondern entspringt flüssig dem Geschehen.

Hit the Union, Jack!

Weite Reisen ins Ausland sind oft Element eines Reacher-Romans. Sie zeigen den Einzelkämpfer als Meister der Improvisation, der auf fremden Boden und ohne Rückendeckung erst recht zur Hochform aufläuft. Dieses Mal gönnt sich Child ein Heimspiel: Das große Finale von “Way Out” spielt in England. Ausgerechnet Lee Child, der die USA so prägnant als Schauplatz und ihre Bewohner als Figuren seiner Romane zu schildern weiß, ist gebürtiger Brite. Trotzdem - oder gerade deswegen? - gelingt es ihm, ’sein’ Land aus Reachers Blickwinkel und damit wie ein Fremder zu betrachten.

Ein trockener, kaum wahrnehmbarer Humor ist oft mehr zu ahnen als zu bemerken. Zu den Schauplätzen von “Way Out” gehört u. a. das Dakota Building in New York City, in dem Edward Lane feudal residiert. Es ist berühmt geworden als Wohnort von John Lennon, und seine Witwe lebt noch heute hier. Mehrfach stellt Reacher die Frage, ob Lane oder einer seiner Söldner “Yoko” (Ono) gesehen haben - ein running gag, bis Reacher die berühmte Frau in einem Nebensatz schließlich trifft.

In Sachen Körpereinsatz geht Child deutlich weniger subtil vor. Reacher ist ein Profi, was seiner Meinung Gewalt als selbstverständliches Mittel zum Zweck einschließt. Anders als Lane ist Reacher allerdings kein Soziopath, der Vergnügen an Schmerz und Tod findet. Kühl und effizient geht er vor, und Child setzt seine Leser brutal deutlich über die Folgen ins Bild. Trotzdem gehört “Way Out” keineswegs in einen Topf mit den heute so publikumswirksamen Killer-Thrillern, deren Verfasser sich im Ausdenken bizarrer Folter- und Todesmethoden zu übertreffen versuchen.

Deshalb hält die Spannung auch zwischen den Höhepunkten an; es gibt keine langweilige Passagen, die übersprungen werden müssen - eine Verhaltungsweise, die für die Leser von Thrillern fast schon selbstverständlich geworden ist -, weil Child es nicht nötig hat, seine Geschichte mit faulen Tricks auf Länge zu bringen. Auf Seite 448 ist der Spuk vorbei. Er schleppt sich nicht mühsam mit nachträglichen ‘Überraschungen’ dahin, sondern bringt die Handlung von “Way Out” zu ihrem logischen Ende und stellt in zwei Schlusssätzen den status quo für Reachers elften Auftritt her. Auf den freut man sich; eine Reaktion, die mancher andere Serienheld schon nach dem zweiten oder dritten Auftritt nicht mehr hervorzurufen vermag …

Autor

Lee Child wurde 1954 im englischen Coventry geboren. Nach zwanzig Jahren Fernseh-Fron (in denen er u. a. hochklassige Thriller-Serien wie “Prime Suspect”/”Heißer Verdacht” oder “Cracker”/”Ein Fall für Fitz”) betreute, wurde er 1995 wie sein späterer Serienheld Reacher ‘freigestellt’.

Seine Erfahrungen im Thriller-Gewerbe gedachte Child nun selbstständig zu nutzen. Die angestrebte Karriere als Schriftsteller ging er generalstabsmäßig an. Schreiben wollte er für ein möglichst großes Publikum, und das sitzt in den USA. Ausgedehnte Reisen hatten ihn mit Land und Leuten bekannt gemacht, sodass die Rechnung schon mit dem Erstling “Killing Floor” (1997, dt. “Größenwahn” aufging. 1998 ließ sich Child in seiner neuen Wahlheimat nieder und legt seither mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks in jedem Jahr ein neues Reacher-Abenteuer vor; zehn sollten es ursprünglich werden, doch zur Freude seiner Leser ließ der anhaltende Erfolg Child von diesem Plan Abstand nehmen.

Man muss die Serie übrigens nicht unbedingt in der Reihenfolge des Erscheinens lesen. Zwar gibt es einen chronologischen Faden, doch der ist von Child so konzipiert, dass er sich problemlos ignorieren lässt. Jack Reacher beginnt in jedem Roman der Serie praktisch wieder bei Null.

Aktuell und informativ präsentiert sich Lee Childs Website.

[md]

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