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Aschenputtelfluch

Erstellt von Werner Karl am 5. März 2010

aschenputtelfluchKrystyna Kuhn
Aschenputtelfluch

Arena Verlag, Würzburg, 2. Auflage: 06/2009
PB mit Klappbroschur, Jugendbuch, Krimi, Drama
ISBN 9783401063850
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de
www.krystyna-kuhn.de

Ihren Noten verdankt Jule ein Stipendium, so dass sie ein renommiertes Internat besuchen darf. Schon während der Busfahrt verknallt sie sich ein bisschen in Nikolaj, der nicht nur gut aussieht, sondern sie auch als Einziger freundlich behandelt. Allerdings schiebt sie ihre Gefühle beiseite – denn warum sollte sich ein so toller Typ ausgerechnet in eine flache Bohnenstange verlieben? Jule bemüht sich, einen Platz in der Hackordnung zu bekommen, aber vergeblich. Ihre Zimmernachbarin Meg behandelt sie ablehnend, vor allem als Nikolaj auch weiterhin nett zu ihr ist. Auch die anderen beteiligen sich an den Scherzen, die immer übler werden. Sonja, die andere Neue, macht ebenfalls mit, um nicht selbst in die Opferrolle gedrängt zu werden. Das Schlimmste jedoch ist, dass ein Mädchen, das Jule nur flüchtig kannte, vom Glockenturm springt. Ein Selbstmord oder ein Unfall?

Zufällig bekommt Jule den Arbeits-PC von Kira zugeteilt. So findet sie das geheime Tagebuch der Toten – und ist nach der Lektüre erschüttert: Alles, was Kira zustieß, wiederholt sich nun bei Jule. Wollen die anderen Schüler auch sie zu einer Verzweiflungstat treiben? Warum? Das Buch beginnt mit dem letzten Tagebucheintrag Kiras. Man weiß sogleich, dass etwas Schlimmes passieren wird und hält dann zunächst Jule, die Ich-Erzählerin, für das Opfer, bis durch die Spitznamen und schließlich das Unglück klar wird, dass eine andere das Mobbing nicht länger ertragen konnte und die Schüler mit Jule dasselbe böse Spiel treiben, wobei man sich fragt, ob Meg, Pink, Trixie, Nikolaj oder alle zusammen die Drahtzieher sind.

Jule ist ein ganz normales Mädchen inmitten schriller, kreischender und unsympathischer Paradiesvögel. Leserinnen ab 13 Jahren können sich leicht mit der Protagonistin identifizieren. Man ist bloß überrascht, dass sie freiwillig auf ein Internat geht und die Eltern darüber alles andere als erbaut sind, ist es doch sonst eher umgekehrt wie in Sonjas Fall. Allerdings hat Jule einen Grund für diese ‚Flucht’, und sicher hat so manche Gleichaltrige das gleiche erlebt: Sobald ein Junge mehr als Küssen und Händchenhalten will, bohrt und bohrt er; bleibt das Mädchen standhaft, sucht er sich sofort eine andere, die auf Hopp! mit ihm ins Bett springt. Dadurch kuriert, wahrt Jule immer etwas Distanz zu Nikolaj und versteht nicht, weshalb andere sie eine Schlampe nennen und behaupten, sie werfe sich dem Jungen an den Hals. Um sie zu diskreditieren, bezichtigt man sie sogar des Diebstahls, und es scheint auch so, als ginge die Rechnung der anderen auf. Jule kann den Sachverhalt nicht einmal richtig stellen, denn Nikolaj befindet sich in der Krankenstation und darf keine Besuche empfangen.

Die Schlinge um Jules Hals zieht sich immer enger zu, und man befürchtet, dass sich Kiras Schicksal an ihr wiederholen wird. Zwar verrät Jule ihre Mitschüler nicht, aber sie beteiligt sich auch nicht mehr an den unsinnigen Mutproben und versucht stattdessen herauszufinden, wer Kira in den Tod getrieben hat. Schließlich konfrontiert sie die Beteiligten mit ihrem Wissen – aber ein anderes Mädchen ist es, das nun auf dem Glockenturm steht. Und das Handeln der wahren Drahtzieherin wird, wie so oft, damit entschuldigt, dass sie ein traumatisches Erlebnis hatte und nichts dafür kann, dass alle diese Tragödie nicht gewollt haben. Da wundert man sich natürlich, warum keiner eingegriffen hat, als noch Zeit war, Kira zu retten – und warum sich das Muster bei Jule 1 : 1 wiederholt. Das passt nicht zusammen, die Verharmlosung der Taten – des Mobbings – sorgen für ein schwaches Ende und nehmen dem Buch die Aussagekraft. Kaum noch will man es als eine Warnung ansehen, was passieren kann, wenn Scherze zu weit getrieben werden, wenn der oder die Täter entschuldigt werden und das Opfer kurzerhand als zu schwach bezeichnet wird. So spannend und geschickt, wie der Roman auch aufgebaut ist, durch diesen Schluss wertet die Autorin ihre Geschichte selber ab. Schade!

„Aschenputtelfluch“ wendet sich an ein weibliches Publikum, das Lektüren schätzt, welche einen Mix aus Drama, Romanze und Krimi bieten. Sie sollten genug Lese-Erfahrung mitbringen, um die Message herausfiltern zu können: wie gefährlich und verwerflich Mobbing ist, dass man zum Mittäter wird, wenn man nichts unternimmt. Jeder kann in eine Situation wie Kira oder Jule geraten – und das schneller, als man glaubt, auch an anderen Orten als der Schule.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)
 
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Aschenputtelfluch

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Lucian

Erstellt von Werner Karl am 4. März 2010

lucianIsabel Albedi
Lucian

Arena Verlag, Würzburg, 09/2009
HC, Jugendbuch, Mystery, Romanze
ISBN 9783401062037
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de
www.isabel-abedi.de

Isabel Albedi gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuch-Autoren Deutschlands. Das ist auch nicht verwunderlich, gelingt ihr doch der Spagat, einerseits aktuellen Trends zu folgen, dabei aber andererseits eine ganze eigene Interpretation zu liefern, die durch eine realistische Darstellungsweise und ungewöhnliche Ideen überzeugt. Auch ihr neustes Werk „Lucian“ schlägt wieder in diese Kerbe. Rebecca ist ein ganz normaler Teenager von sechzehn Jahren, wenn man einmal davon absieht, dass sie einen amerikanischen Vater hat und ihre Mutter inzwischen ihr Coming-Out hatte und daher schon seit einigen Jahren mit ihrer exzentrischen Lebensgefährtin zusammen lebt. Das Mädchen hat keine Probleme in dem Frauenhaushalt – ja, scheint die verschworene Gemeinschaft sogar zu schätzen. In der Schule kommt sie auch mit den meisten Lehrern zurecht, nur der neue Englischlehrer Tyler benimmt sich gerade ihr gegenüber sehr seltsam. Doch alles ändert sich, als sie eines Tages einen jungen Mann unter ihrem Fenster stehen sieht, der sie zu beobachten scheint. Kurze Zeit später beginnt sie auch noch, von ihrem eigenen Tod zu träumen.

Rebecca ist beunruhigt und fragt sich, ob der junge Mann ein Stalker ist, der ihr auflauert, um ihr Übles anzutun, denn er ist fortan öfters in ihrer Nähe zu sehen. Da sie nicht gerade schüchtern ist, stellt sie ihn schließlich zur Rede und erfährt, dass Lucian – so sein Name – selbst nicht weiß, warum er das tut. Er hat zwar große Teile seiner Erinnerung verloren, andererseits träumt er aber auch immer wieder von Rebecca, und das nicht nur in ihrem jetzigen Alter. Das junge Mädchen wird neugierig und sucht von nun an fasziniert seine Nähe, weil sie ihn einerseits reizvoll findet, ihm aber auch helfen möchte. Zudem kommt er auch ihr immer vertrauter vor. Doch dann wird ihre Mutter aufmerksam und glaubt ihre Tochter in Gefahr. Deshalb schickt sie Rebecca ohne langes Zögern zu ihrem Vater nach Amerika. Doch schon auf der Reise wird das Mädchen schwer krank. Zunächst sieht es so aus, als sei sie wütend über die Entscheidung ihrer Eltern und verweigere das Essen, aber tatsächlich zeigt sich schon bald, dass etwas anderes eine Rolle spielt.

Wie bei vielen Romanen von Isabel Albedi spielt das Übernatürliche zwar eine größere Rolle, wird aber nicht plakativ in den Mittelpunkt gestellt. Stattdessen arbeitet die Autorin viel lieber ihre Figuren aus und stellt sie in einen glaubwürdigen Hintergrund, so dass der Leser eine starke Bindung zu den Charakteren verspürt und sich der Rest wie von selbst entwickelt, ohne dass er sich aufdrängen muss. So ist der Leser bereits tief in der Gedanken- und Lebenswelt von Rebecca gefangen bis er oder sie langsam dahinter kommt, was es mit Lucian eigentlich auf sich hat und warum die beiden jungen Leute eine so enge Bindung zueinander haben. Dazu führt eine Nebenhandlung immer wieder in die Irre, denn auch Rebeccas Englischlehrer weiß mehr, als er zugibt, und spinnt seine eigenen Ränke, die mit der Vergangenheit und dem Urgroßvater des jungen Mädchens zu tun haben.

Das Buch ist jedenfalls voller kleiner Hinweise, die sich am Ende wie Mosaikstücke ineinander fügen und ein rundes Bild ergeben. Anfängliche Nebensächlichkeiten, wie die Vorliebe des Englischlehrers für einen bestimmten Schriftsteller, werden später zu wichtigen Handlungselementen, und auch Lucians Natur deutet sich schon früher an, als man denkt.

Alles in allem ist die Handlung geschickt ineinander verwoben und lässt keine Wünsche in Punkto Spannung offen. Neben einer zarten Romanze, die nicht so endet, wie man denken mag, gibt es viele Geheimnisse zu entdecken, und die Figuren wachsen einem am Ende so ans Herz, dass man sie nur ungern gehen lässt. Das alles gehört dazu, um „Lucian“ zu einem lebendigen und komplexen Jugendbuch zu machen, das auch Erwachsene anspricht und sich ohnehin erst an Leser ab 13 oder 14 Jahre richtet, die bereits ein wenig mehr zwischen den Zeilen lesen können.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Lucian

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Sayuri

Erstellt von Werner Karl am 28. Februar 2010

sayuriCarina Bargmann
Sayuri

Jugendbuch / Fantasy
Arena Verlag 2010
Umfang: 515 Seiten
ISBN 9783401064468

www.arena-verlag.de

Zur Autorin:

Carina Bargmann, Jahrgang 1991, hat schon als Zehnjährige mit dem Schreiben angefangen. Mit fünfzehn Jahren hatte sie bereits zwei große Fantasyromane verfasst und wurde wenig später von einer der renommiertesten deutschen Literaturagenten als Nachwuchstalent entdeckt. Neben dem Schreiben hat sie noch zahlreiche andere Hobbys, unter anderem ist sie fasziniert von der asiatischen Kultur und lernte Japanisch. Carina Bargmann lebt mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in Braunschweig und bereitet sich gerade auf das Abitur vor.

Zum Buch:

Sayuri ist der Debütroman der Autorin Carina Bargmann. Ein fesselnder Fantasyroman, der sich an ein jugendliches Lesepublikum ab 12 Jahren richtet. Bereits das Cover ist so verlockend, dass ich mit dem Lesen sofort beginnen wollte, als ich das Buch in meinen Händen hielt. Es ist in blau und lila gehalten. Es zeigt einen Mond, der einen Baum mit Blättern und Blüten in einem bläulichen Lichtschimmer erscheinen lässt. Regentropfen sind als blaue Glitzertropfen abgebildet, die aus dem Cover hervorstechen und es noch magischer machen. Im Vordergrund stehen drei Gestalten in schwarze Gewänder gehüllt. Bereits der Prolog entführt den Leser in eine neue Welt. Jemand ist auf der Suche. Auf der Suche nach einer Quelle, aber er kann sie nicht finden. Er unterhält sich mit einem Wiljar, einem katzenähnliches Wesen und beschließt etwas….

Dann beginnt der erste Teil des Buches, das insgesamt in drei Teile aufgeteilt ist. Der Leser lernt hier die Kaiserstadt kennen. Es gibt den Palast, einen inneren und einen äußeren Kreis. Die Kaiserstadt lebt vom Fluss Shanu aus dem alle Bürger ihr Wasser schöpfen. Nun sinkt seit einiger Zeit angeblich der Wasserspiegel des Shanu und so erhalten die Bewohner des äußeren Kreises kaum noch Wasser. Das nehmen Milan und Marje zum Anlass in einen Wasserspeicher einzudringen und Wasser in den äußeren Ring, in das Viertel der Taller, zu leiten. Dies gelingt den Beiden, aber schon droht neue Gefahr. Der Kaiser, dessen Regierungsgeschäfte von seinem Bruder Miro geregelt werden, verlangt dass alle 16-jährigen Kinder die Kaiserstadt verlassen. Sie werden verbannt, da es  eine angebliche Prophezeiung gibt, die besagt, dass alle Kinder, die vor 16 Jahren geboren wurden mit dem Wasser des Shanu verbunden sind. Dies soll der Grund für den sinkenden Wasserstand des Shanu sein. Doch die Bürger und die Jugendlichen glauben nicht an die Worte Miros, des Kaiserbruders. So bilden sich Gruppen von Rebellen.

Eine Gruppe trifft sich im Haus der jungen Sayuri, einer Freundin von Marje, die sich sehr gut mit Kräutern auskennt. Sayuri ist ein junges Mädchen, aber sie ist stumm. Kein Wort kommt über ihre Lippen. Außerdem hat Sayuri eine auffallend weiße Haut und helle Haare. Schon bald stellt sich heraus, dass Miro nicht hinter allen 16-Jährigen her ist, sondern ausschließlich hinter Sayuri. Aber was ist der Grund dafür? Marje will ihre Freundin helfen und versucht mit ihr gemeinsam die Flucht aus der Stadt. Ihnen schließt sich der Erbe des Kaisers, Kiyoshi, an, der langsam starke Zweifel an den Entscheidungen des Kaisers und Miros hegt. Gemeinsam wollen Sie auf die Suche gehen. Auf die Suche nach der Wahrheit. Dafür lässt Kiyoshi auch seine Mutter, Aulis, zurück, die bereits seit Jahren in sich selbst zurückgezogen lebt. Aber was wollte Aulis sagen, als sie von Silla und deren Geheimnis sprach? Leider wird Sayuri von Kiyoshi und Marje getrennt und so begeben sie sich zunächst getrennt auf die weitere Reise, die Ihnen einige Abenteuer beschert.

Im nun folgenden zweiten Teil des Buches kann der Leser eintauchen in eine fantastische Welt. Es tauchen Wesen auf, die wir alle schon kennen, aber sie werden auf eine ganz besondere Art und Weise geschildert. Hier gibt es Greife, Zentauren, Wiljare, Echsen und weitere Gestalten. Schön zu verfolgen, dass fast alle Wesen auf der Seite des Guten zu stehen scheinen und bereit sind sich in Notlagen zu helfen. So halten dann auch alle zusammen, als es darum geht Kiyoshi, der von den Söldnern gefangen genommen wird, aus den Minen, in denen er arbeiten soll, zu befreien.

Im dritten Teil erst wird das Geheimnis um Sayuri und ihre magischen Fähigkeiten aufgelöst. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Das Buch lebt von seinen bildlichen Beschreibungen und der zauberhaften Idee das Lebenselixier Wasser unmittelbar mit Magie zu verbinden. Es entsteht so eine Einheit, die den Shanu und die an seinen Ufern lebenden Menschen, ganz besonders aber Sayuri,  zu etwas Besonderem macht.

Etwas gefehlt hat mir eine Karte der Kaiserstadt und eventuell auch der Wüste mit Lage der Minen, des Waldes etc. Für eine bessere Übersicht wäre das sicher sinnvoll gewesen. Das Ende des Buches ist mir im Vergleich zu den vorangegangenen Abschnitten etwas überhastet und auch nicht alle meine Fragen werden abschließend beantwortet. Der Klappentext bringt mir ein Stück weit zu sehr eine Prophezeiung in den Vordergrund, die im Buch nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist sie doch nur erfunden und nicht zwingend Grundlage für den weiteren Handlungsverlauf.

Dennoch hat das Buch mich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert. Die Autorin hat für ihr jugendliches Alter ein großes Sprachgefühl bewiesen. Außerdem muss der Leser bedenken, dass sich das Buch ja in erster Linie an Jugendliche und nicht an Erwachsene richtet. Dennoch sollten auch fantasybegeisterte Erwachsene den Mut haben in dieses Buch einzutauchen.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

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Sayuri

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Der Golem

Erstellt von Werner Karl am 19. Februar 2010

der-golemGustav Meyrink
Der Golem
Mitternachtsbibliothek 5

Der Golem, Deutschland um 1915
Arena Verlag, Würzburg, 6/2008
HC, Jugendbuch, Gruselklassiker
ISBN 9783401061146
Herausgegeben und ergänzt von Maren Bonacker, Phantastische Bibliothek Wetzlar
Titelbild von N. N.
Vignetten von Manfred Rohrbeck

www.arena-verlag.de

Die „Mitternachtsbibliothek“ ist eine bisher fünfbändige Reihe, mit der der Arena Verlag in Zusammenarbeit mit der Phantastischen Bibliothek Wetzlar die wichtigsten Gruselklassiker noch einmal in einer einheitlichen Aufmachung und leichter Bearbeitung, die möglichst nahe am Original bleibt, vorstellt. Nach „Dracula“ und „Frankenstein“ ist nun auch „Der ‚Golem“ von Gustav Meyrink an der Reihe. Der Roman, der alte Legenden der Stadt Prag und den Zeitgeist der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg aufgreift, erschien erstmals 1915.

Der namenlos bleibende Ich-Erzähler weilt Anfang des 20. Jahrhunderts in Prag. Nach der Lektüre eines Buches über das Leben und die Lehren Buddhas fällt er in einen tiefen, aber von Träumen erfüllten Schlaf, aus dem er sich nicht losreißen kann. Er findet sich dabei im Judenviertel Prags wieder, im Schatten von Ereignissen, die sich fast dreißig Jahre zuvor zugetragen haben müssen, und beobachtet dabei vor allem den Gemmenschneider und Restaurateur Athanasius Pernath, der eines Tages einen seltsamen Kunden mit gelblicher Haut bedient, der ihn bittet, in einem kostbaren alten Buch die beschädigte Initiale eines Kapitels mit dem Titel ‚Ibbur’ (=Seelenschwängerung) auszubessern.

Da sich der Fremde so benimmt, als sei er hier zu Hause, spurlos verschwindet, als habe er sich in Luft aufgelöst, und auch das Buch durch sein Alter und die Inschriften seinen Verdacht wecken, glaubt Pernath schon bald, dass der Mann kein anderer als der im 16. Jahrhundert geschaffene Golem sein könnte, den der legendäre Rabbi Löw ins Leben befohlen hat, um das Judenviertel zu beschützen. Doch auch andere scheinen den Braten zu wittern, denn ehe er sich versieht, wird der Gemmenschneider in Intrigen verwickelt, durch die ein Mann stirbt und ein Mädchen verschwindet. Da Pernath auch noch an Wahnvorstellungen und irrationalen Ängsten zu leiden beginnt, gerät er schließlich unter einen folgenschweren Verdacht, den nur noch der Fremde zerstreuen könnte.

Wer einen handfesten phantastischen Abenteuer-Roman erwartet hat, wird bitter enttäuscht, denn Meyrink erzählt nicht einfach nur die alten Sage um Rabbi Löw nach oder setzt die Ereignisse dramatisch und abenteuerlich in Szene. Stattdessen geht es eher ruhig zu, denn sowohl der Ich-Erzähler als auch Pernath als Protagonist gehen den Ereignissen auf ihre eigene, ganz philosophische Weise nach. Selbst die Intrigen und Morde erfüllen einen höheren Zweck in dem impressionistischen Sittengemälde, das sich mit der Frage nach der menschlichen Seele und dem Sehnen nach Unsterblichkeit beschäftigt.

Der Schluss, den Meyrink zieht, ist ebenso wie die Beschreibung des Judenviertels aus dem Zeitgeist des angehenden 20. Jahrhunderts heraus logisch, wirkt auf uns heute allerdings eher befremdlich, Letzteres stellenweise sogar rassistisch. Daher wurde das Buch auch um ein Vorwort und ein Glossar ergänzt, die gerade jungen Lesern dabei helfen wollen, die Intention des Werkes zu verstehen. Denn „Der Golem“ ist Kind einer Zeit, in der auch die phantastische Literatur durchaus erbaulich und lehrreich sein und die Leser zum Nachdenken anregen sollte.

Mit „Der Golem“ hat man sich zwar ein sehr sperriges und zunächst nicht sehr eingängiges Werk der klassisch-phantastischen Literatur ausgesucht, bietet aber dadurch einen Einblick in die heute eher vergessenen Romane und Erzählungen, die nachfolgende Generationen von Autoren geprägt haben.

Copyright © 2010 Christel Scheja (CS)
 
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Der Golem

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Die goldenen Dächer von Lhasa

Erstellt von Werner Karl am 14. Februar 2010

die-goldenen-dacher-von-lhasaFederica de Cesco
Die goldenen Dächer von Lhasa

Arena Verlag, Würzburg, 1/2009
TB, Jugendbuch, Abenteuer
ISBN 9783401501154
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de

Federica de Cesco ist nicht nur eine Weltenbummlerin, die mehrere Sprachen fließend spricht, sondern auch eine fleißige Kinderbuchautorin. Selbst nach einer Generation werden ihre zeitlosen Werke, die von dem Leben in anderen Kulturen erzählen immer wieder neu aufgelegt, so wie etwa der bereits 1974 erschienene Roman „Die goldenen Dächer von Lhasa“.

Ein junges Mädchen erhält die Aufzeichnungen der Frau, nach der sie benannt wurde, und erlebt so mit, wie ihre Namensschwester Carrie ein großes Abenteuer besteht, das auch tödlich für sie hätte enden können: Diese andere wächst als Tochter eines Arztes und begeisterten Bergsteigers in Darjeeling in Indien, also im Schatten des Himalaya, auf. Zu Beginn des Jahres 1959 muss sie mit dem Verlust ihres Vaters fertig werden, der von einer Bergtour nicht zurückgekehrt ist. Man bietet ihr an, die Ausbildung im College fertig zu machen und dann als Englischlehrerin für die Einheimischen zu arbeiten. Da es kaum andere Möglichkeiten gibt, nimmt das Mädchen erst einmal an.

Im Verlauf des Jahres freundet sie sich mit einer anderen Schülerin an: Karma stammt aus Tibet und ist die Tochter eines Ministers des Dalai-Lama. Sie will ihre Englischkenntnisse verbessern, um ihrem Vater zur Seite stehen zu können. Weil sie Carrie bald sehr gerne mag, lädt sie diese ein, mit ihr zurück nach Llasa zu reisen, um gemeinsam das tibetische Neujahrsfest zu begehen. Das wird für die junge Engländerin eine Reise in eine andere Welt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Sie beginnt, die Tibeter zu lieben und freundet sich auch mit dem chinesischen Arzt Cheng-Li an, der nicht so arrogant wie die anderen Chinesen ist. Doch gerade als die Feierlichkeiten ihren Höhepunkt erreicht haben, fahren Panzer in der Hauptstadt auf. Die Mädchen entgehen nur knapp dem Massaker, Cheng-Li, der sie gedeckt hat, bleibt zurück. Das ist der Anfang einer entbehrungsreichen Flucht voller Hoffen und Bangen.

Federica de Cesco verbindet nicht zum ersten Mal Zeitgeschichte mit einem typischen Mädchenroman. Neben der Beschreibung der fremdartigen Kulturen, die Carrie kennen lernt, stehen natürlich auch typische Mädchenvorlieben im Vordergrund, speziell die Begeisterung für Pferde und Reiten. Da Mode und Liebe eine eher untergeordnete Rolle einnehmen, wendet sich die Geschichte eher an jüngere Leserinnen um die zwölf Jahre. Dementsprechend niedrig hält die Autorin den Pegel der Gewalt. Sie klammert die gewaltsame Annexion Tibets nicht aus, verzichtete aber darauf, die Massaker und die Grausamkeiten zu beschreiben.

Letztendlich erlaubt sie den Leserinnen noch einmal einen wehmütigen Einblick in eine Kultur, die vor mehr als fünfzig Jahren zerstört wurde und wahrscheinlich nicht mehr zurückkehren wird. Das macht das Buch zu einem interessanten Streifzug durch die Geschichte und in eine Region, die sonst so gut wie nie Thema von Romanen ist, gerade nicht im Jugendbuch-Bereich. Zwar ist der Verlauf der Handlung für ältere Leser sehr gut durchschaubar, aber das macht die dichte Atmosphäre der Geschichte mehr als wett. „Die goldenen Dächer von Lhasa“ ist ein typischer Roman aus der Feder von Federica de Cesco, der vor allem durch die liebevollen Kulturbeschreibung und die intensive Stimmung punkten kann.

Copyright © 2010 Christel Scheja (CS)
 
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Die goldenen Dächer von Lhasa

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Party Girl

Erstellt von Werner Karl am 2. Februar 2010

party-girlBrigitte Blobel
Party Girl

Arena Verlag, Würzburg, 1. Auflage: 07/2009
PB mit Klappbroschur, Jugendbuch, Drama, Krimi
ISBN 9783401063065
Titelgestaltung von knaus.Büro für konzeptionelle und visuelle identitäten,
Würzburg unter Verwendung eines Fotos von Thomas Northcut/gettyimages
Autorenfoto von N. N.

www.arena-verlag.de

Mona Preuss ist 15 Jahre alt – ein behütetes, schüchternes Mädchen. Obwohl sie vorgibt, gut mit ihrem Leben zurechtzukommen, leidet sie unter dem frühen Tod ihres Vaters und dem hektischen Leben ihrer Mutter, einer Schauspielerin, die nur wenig Zeit für die Tochter hat. Der Umzug nach München macht es für Mona nicht einfacher, denn sie muss so manches aufgeben und hält sich in der neuen Klasse zurück, die vor allem neugierig auf ihre Mutter, den Star, ist.

Zufällig begegnet Mona ihrem Märchenprinzen: Mirko stellte ihr unmittelbar vor der Haustür ganz frech ein Bein, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Warum er keinen subtileren Weg gefunden hat, interessiert Mona nicht weiter – sie ist glücklich, weil sich ein attraktiver Junge für sie interessiert und er sagt, dass er ihr Beschützer sein möchte. Obwohl es einige Dinge gibt, die Mona misstrauisch machen, kann sie sich Mirkos Zuckerbrot und Peitsche-Charme nicht entziehen. Er lädt sie auf eine Party ein, und sie geht mit. Er bietet ihr eine Pille an, die locker machen soll, und sie schluckt diese. Er kauft ihr alkoholische Getränke, und sie trinkt. Plötzlich wird Mona ohnmächtig, und Mirko ist zur Stelle, um sie fürsorglich nach Hause zu bringen. Notgedrungen überlässt sie ihm den zweiten Wohnungsschlüssel und verrät ihm den Türcode. Danach beginnt der Albtraum: Mirko will den Schlüssel nicht zurückgeben und erpresst Mona mit einem peinlichen Foto. Beides soll sie erst bekommen, wenn sie Drogen an ihrer Schule verkauft und Kontakte für ihn hergestellt hat. Notgedrungen willigt Mona ein, aber das ist Mirko noch nicht genug. Er quartiert Susi, eine süchtige Ausreißerin, bei ihr ein und deponiert seine Drogen in der Wohnung. Allmählich begreift Mona, dass Mirko sie nie in Ruhe lassen wird …

Von Brigitte Blobel sind bei Jugendbuch-Verlagen wie Arena und cbt bereits mehrere Jugendbücher erschienen, darunter „Jeansgröße 0“ und „Böses Spiel“. Ihnen gemein ist, dass fast immer ein junges Mädchen in eine ausweglos scheinende Situation gerät – durch falsche Freunde, den Druck ihres Umfelds, zu hohe Erwartungen und fehl geleitete Ambitionen. Es sind Mädchen aus ‚normalen’ oder ‚besseren’ Verhältnissen, die behütet aufwuchsen, schüchtern und naiv sind und darum zu leichten Opfern für die Verführer und Verführungen werden. Mal können sich die Eltern nicht ausreichend um sie kümmern, mal tun sie es im Übermaß. In Folge sind die Handlungen der Teenager Reaktionen, z. B. die Suche nach einer Ersatzfamilie oder –befriedigung bzw. ein Ausbruch und der Versuch, sich zu beweisen.

Als Leser weiß man sogleich, dass sich die Protagonistin in große Schwierigkeiten manövrieren wird, und hilflos kann man bloß Seite für Seite umblättern - und das Buch erst aus der Hand legen, wenn man das Ende kennt. Während der Lektüre hat man das Gefühl, als schnüre einem eine unsichtbare Hand den Hals zu; so nahe geht einem die Geschichte. Dabei bemüht die Autorin sattsam bekannte Klischees: Mona wohnt in Bogenhausen, einem Stadtteil Münchens, das wie die Maxvorstadt den ‚Reichen’ und ‚Berühmten’ vorbehalten ist, während Mirko, vom Hasenbergl stammt, einem Krisenherd wie Perlach. Natürlich kann niemand etwas für die Gegend, in der er wohnt, oder für seine Nachbarn, aber die Wahl ist schon sehr bezeichnend. Zudem spielt in Monas Familie Geld keine große Rolle, während Mirko sich als Kind einer Problemfamilie outet und auch sprachlich seine Herkunft verdeutlicht. Dass die ‚Vorzeige-Familien’ ebenfalls Probleme kennen, wird zwar immer wieder betont (der Vater, der ins Bett seiner Tochter schlüpft, die Drogenprobleme von Star-Kindern usw.), geht aber in der vordergründigen Erzählung etwas unter.

Trotzdem die Handlung wirklich einfach gestrickt ist und die allgemeinen Vorstellungen bestätigt, funktioniert die Geschichte und wirkt eindringlich. Freilich sind Drogen nicht erst seit den letzten Jahren ein ernstzunehmendes Problem, nur wurde früher nicht im gleichen Maße darüber geschrieben („Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“), und vielleicht war die Welt doch etwas heiler. Der Druck auf Kinder und Jugendliche ist in den letzten zwanzig Jahren gewaltig gewachsen (gute Noten bereits in der Grundschule, der angestrebte Wechsel an eine höhere Schule, ein guter Abschluss, eine Ausbildungsstelle oder ein Studienplatz mit Aussicht auf einen guten Job - hohe Erwartungen seitens der Familie, die Rivalität mit Gleichaltrigen, Ablenkung durch die modernen Medien/Freizeitstress…). Wer selber Kinder hat, die hin und wieder erwähnen (aber den Eltern natürlich nie alles erzählen), dass Mitschüler etwas einnehmen, ahnen, dass dies nur die Spitze vom Eisberg ist und die Schwierigkeiten gravierender sind, als befürchtet.

Wer kann schon ausschließen, dass er oder eine ihm nahe stehende Person nicht selber in eine Situation gerät, die ihn zu Dingen zwingt, die er sich überhaupt nicht hätte vorstellen können? Genau das passiert Mona und wahrscheinlich vielen anderen jungen Menschen. Die Warnsignale werden übersehen, die Hilfen sind begrenzt, die Täter sind mit ihren Möglichkeiten der Justiz oft einen Schritt voraus. Kein Wunder, dass sich die Protagonistin nach schlechten Erfahrungen auf Mirkos Forderungen einlässt, um ihre Mutter zu schützen. Und nicht immer passiert wie im Roman etwas, das dem Opfer die Augen öffnet und ihm die Kraft gibt, die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

„Party Girl“ ist trotz der Klischees erschütternd und ergreifend – eine empfehlenswerte, hoffentlich aufklärende Lektüre für Teenager, die auch im Unterricht eingesetzt werden kann. Wer das Buch gelesen hat, wird es nicht so schnell vergessen.

Copyright © 2010 Irene Salzmann
 
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Party Girl

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Tage der Finsternis

Erstellt von Werner Karl am 28. Dezember 2009

tage-der-finsternisRainer M. Schröder
Tage der Finsternis

Arena Verlag, Würzburg, 10/2009,
HC, Jugendbuch 06264, Krimi, Mystery
ISBN 9783401062044

Titelgestaltung von Frauke Schneider
Extra: Bonus-CD mit Auszügen aus der „Himmeroder Thomasvesper“, Laufzeit: ca. 16 Min.

www.arena-verlag.de
www.rainermschroeder.com

Zur geistigen und seelischen Entspannung zieht sich der viel beschäftigte Jugendbuchautor Rainer M. Schröder seit siebzehn Jahren immer wieder einmal in die Zisterzienserabtei Himmerod zurück, um dort neue Kraft und Ideen für weitere Werke zu sammeln. Schon einmal hat er sie zum Schauplatz einer Geschichte gemacht, in „Das Geheimnis der weißen Mönche“. Und nun inspirierte ihn der letzte Besuch zu einer weiteren Geschichte, in der er die Realität des Klosterlebens mit einem düsteren Geheimnis verknüpft. Ein weltlicher Ermittler kommt inkognito in die Zisterzienser-Abtei, um verdeckt zu erforschen, warum bereits einige Mönche Selbstmord begangen haben und der Altarraum geschändet wurde. Als Bruder Thomasius wird er in die Gemeinschaft aufgenommen; nur der Abt und sein Prior wissen Bescheid. Zunächst fällt es dem Mann sehr schwer, sich an die Regeln und Gebräuche zu gewöhnen, sie verstehen zu lernen und sich selbst nicht viel zu Schulden kommen zu lassen, um nicht aufzufliegen.

Als Erstes lernt er die Mönche kennen und versucht herauszufinden, ob einer von ihnen Gründe hat, seinen Mitbrüdern zu schaden. Doch dann geschieht eine weitere Schändung, ein Mönch stirbt, und andere reden von einem Schattenmann, den sie gesehen haben wollen. Bei Recherchen in der Klosterbibliothek entdeckt der Ermittler dann auch noch Spuren, die in die Vergangenheit weisen. Doch kann es wirklich sein, dass ein uralter Fluch auf der Abtei lastet, die vor mehr als vier Jahrhunderten von einem Mitbruder auf sie herab beschworen wurde? Nach und nach verdichten sich die Vermutungen, und der junge Ermittler, der inzwischen große Ehrfurcht vor der Lebensweise und dem tiefen Glauben der Zisterzienser hat, fasst einen folgenschweren Entschluss.

Man mag sich zuerst an „Der Name der Rose“ erinnert fühlen, der die Krimimalromane im klösterlichen Umfeld einer breiten Masse zur Kenntnis gebracht hat, aber dieser Eindruck schwindet schon auf den ersten Seiten. Tatsächlich geht es Rainer M. Schröder nicht um philosophische Geheimnisse, vielmehr möchte er seinen jungen Lesern das Leben hinter Klostermauern näher bringen. Warum lassen sich erwachsene Männer darauf ein, weltlichen Freuden und Genüssen zu entsagen, uralten Klosterregeln zu folgen, die in modernen Augen fast schon irritierend lächerlich wirken mögen, aber auf sehr einfache Weise ausdrücken, worum es eigentlich im Glauben geht?

Das alles bindet er in eine spannende Mystery-Handlung ein, die man zwar als erwachsener Leser schnell durchschaut, die Lektüre aber dennoch durch die stimmige und lebensnahe Atmosphäre genießen kann, die bis zum konsequenten Schluss aufrecht erhalten wird. Wer seine Lesung mit passender Musik genießen möchte, kann auch die beigefügte Bonus-CD mit Auszügen aus der „Himmeroder Thomasvesper“ auflegen. Alles in allem ist „Tage der Finsternis“ vielleicht kein spektakuläres Werk, zeichnet sich aber durch seine stimmige Atmosphäre und den respektvollen Umgang mit dem Glauben aus, den man in heutigen Büchern nur noch selten findet. (3xPRT)

Christel Scheja (CS)

Titel bei Amazon.de:
Tage der Finsternis

Abgelegt unter Kinder & Jugend, Krimi & Thriller, Mystery, geplante Preisrätsel | Keine Kommentare »

Zu cool zum Sterben

Erstellt von Werner Karl am 5. Dezember 2009

zu-cool-zum-sterbenMichael Simmons
Zu cool zum Sterben

Finding Lubchenko, USA, 2005
Arena Verlag, Würzburg, 7/2008
PB, Jugendroman, Thriller
ISBN 9783401063010
Aus dem Amerikanischen von Stefan Bauer
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de
www.extremee.org/

Evan Macalister ist der Sohn eines sehr reichen und genialen Mannes. Leider ist dieser Mann, als Witwer, nicht wirklich in der Lage eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen. So kommt es, dass Evan trotz oder gerade durch die mehr als strenge und unpersönliche Erziehung nicht das ist, was man einen Mustersohn nennen könnte. Da sein Vater ihm Geld oder sonstige Vorzüge, die man aus dem Vermögen ziehen könnte, vorenthält, verlegt sich der 17-jährige auf Diebstähle in der väterlichen Bio-Tech-Firma, in der er zumindest jobben darf. Als sein Vater wegen Mordes verhaftet wird, ist Evan aber trotz aller Unstimmigkeiten klar, dass er versuchen wird, ihm zu helfen. Zudem allein die Idee, sein Vater könnte zu einer derartigen Tat fähig sein, einfach zu lächerlich scheint. Mit der Unterstützung seiner Freunde findet Evan Spuren, die ihn bis nach Paris führen. Dort hofft er, Informationen zu bekommen, die seinen Vater entlasten.

Leider dauert es bis über zwei Drittel des Romans, bis die Geschichte so in Fahrt kommt, dass man annähernd von einem Agententhriller sprechen kann, welchen der Klappentext verspricht. Die ersten zweihundert Seiten werden vom Ich-Erzähler nur zur indifferenten Selbstdarstellung genutzt. Vieles wird angesprochen, aber letztlich dann mit einem Egal! abgetan. Der Protagonist ist sich einerseits absolut im Klaren darüber, dass vieles von dem, was er tut, falsch ist, weiß sich aber andererseits auch nicht anders zu helfen, will sich letztlich nicht anpassen oder den überzogenen Ansprüchen seines Vaters gerecht werden: eigentlich die üblichen Probleme eines jeden Jugendlichen - hier, in diesem Roman, nur etwas zu ausführlich breit getreten und nicht wirklich spannend in Szene gesetzt.

Es gibt keine echten Antagonisten, die über die Gesamtheit des Romans einen Gegenpol zum Erzähler darstellen, und somit bleibt es bei der leicht übersteigerten Egozentrik des jungen Mannes, als der er sich selbst immer wieder sieht. Was leider über knapp dreihundert Seiten nicht wirklich gut unterhält. Selbst der Flug nach Paris, um dort einer Spur nachzugehen, wird zu einer langen Party mit Unterbrechungen, führt zwar auch zu einem großen Schritt vorwärts in Bezug auf eine Freundin, bleibt aber letztlich nur ein weiterer bunter Hintergrund, eine Projektionsfläche für Evans Ego. Interessant dabei ist am ehesten noch die Darstellung der französischen Hauptstadt, die Faszination die ‚etwas Altes’ auf den jungen Amerikaner ausübt und wie dieses ‚europäische Leben’ auf ihn wirkt.

Im Großen und Ganzen ist der Roman in einem leichten, lockeren Stil geschrieben und lässt sich gut lesen. Vermisst wird aber die Welt voller Gefahren und internationaler Intrigen…, die so vollmundig auf dem Klappentext angekündigt wird. Es sei denn, man interpretiert den Besuch eines asiatischen Restaurants entsprechend. Das Buch ist ein netter Zeitvertreib, ohne Tiefgang oder große Spannung, dessen deutscher Titel eigentlich sogar deutlicher macht, was den Leser erwartet, als es der Originaltitel tut. (3xPRT)

Thomas Folgmann (ft)

Titel bei Amazon.de:
Zu cool zum Sterben

Abgelegt unter Kinder & Jugend, Krimi & Thriller, geplante Preisrätsel | Keine Kommentare »

Beiß, Jane, beiß!

Erstellt von Werner Karl am 5. Dezember 2009

beis-jane-beisMari Mancusi
Beiß, Jane, beiß!

Bad Blood, USA, 2009
Arena Verlag, Würzburg, 7/2009,
TB 50154, Jugendbuch, Fantasy, Mystery
ISBN 9783401501543
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de
www.marimancusi.com

Die Zwillingsschwestern Sunny und Rayne sind schon immer grundverschieden gewesen - und das noch mehr, seit die Welt der Dunkelheit mit ihren Vampiren zwischen sie getreten ist. Während Sunny eigentlich ein ganz normales High-School-Mädchen ist, das schöne Klamotten und Dates im Kopf hat, ist Rayne ein waschechtes Goth-Girl und inzwischen selbst eine Blutsaugerin. Nach zwei Abenteuern mit Rayne wendet sich die Autorin nun wieder Sunny zu. Diese ist zwar kein Vampir mehr, aber die Liebesbeziehung zu dem stattlichen Vampir Magnus ist noch immer existent, und sie kann sich ein Leben ohne ihn auch gar nicht mehr vorstellen. Sie glaubt, dass nichts und niemand zwischen sie treten könnten. Doch nun wird sie eines Besseren belehrt, denn eines Abends taucht eine überschminkte Frau auf und stört sie in ihrer trauten Zweisamkeit, die sie eigentlich damit besiegeln wollten, endlich miteinander zu schlafen. Sie stellt sich als Jane vor und behauptet, Magnus’ vom Vampirzirkel auserwählte Blutgefährtin zu sein.

Für Sunny bricht eine Welt zusammen, denn sie weiß, wie eng Rayne und ihr Vampirfreund Jareth miteinander verbunden sind. Magnus versucht zwar, ihr klar zu machen, dass Jane und er nur eine geschäftliche und keine intime Beziehung pflegen werden, aber das Mädchen ist schwer enttäuscht und beschließt, erst einmal Abstand zu gewinnen. Sie zieht zu ihren Vater nach Las Vegas. Zwar wird sie von Jareth und Rayne begleitet, aber die beiden wissen, dass Sunny nicht so leicht über alles hinweg kommen wird. Und so ist es auch. Obwohl sie den netten und zuvorkommenden Jayden kennen lernt, kann sie Magnus nicht wirklich vergessen.

Zudem gerät sie, ohne es zu ahnen, in Gefahr, denn einer der Schauspieler in dem ‚Dracula’-Stück, in dem sie aushilfsweise die Mina Harker spielt, ist selbst ein Vampir und hat es auf ihren süßen Hals abgesehen…, nicht weil er sie reizvoll findet, sondern ein Feind von Magnus ist und genau weiß, welche Rolle sie in dessen Leben gespielt hat. Wie auch schon seine Vorgänger ist „Beiß, Jane, Beiß!“ mit den üblichen Anspielungen auf „Buffy“ und Co. gespickt und bietet eine mehr oder weniger humorvolle Geschichte, die die Teenager-Sorgen und -Nöte eines High-School-Mädchens in Szene setzt und gleichzeitig spannend bleibt. Auch Sunny beweist diesmal, dass sie nicht nur die hohlköpfige und naive Blondine ist, sondern aus ihrem Kontakt mit den Vampiren auch etwas gelernt hat. Sie liebt Magnus zwar noch immer, ist aber nicht ganz so leicht dazu bereit, ihm zu verzeihen.

Interessant ist auch die Figur des Jayden, der als Bluter so ganz anders ist als die anderen Männer, die sonst auftreten und durchaus Sympathien bei den Lesern gewinnt. Mari Mancusi macht es wie immer sehr viel Spaß, sich durch die Augen ihrer Heldin über alle möglichen Klischees aus Teenager-Klamotten und gängigen Vampirbüchern, -filmen und -serien lustig zu machen. Das alles ist natürlich in eine unkomplizierte Handlung gebettet, die zwar leicht zu durchschauen ist, aber dennoch nicht langweilt. „Beiß, Jane, beiß!” bietet wie auch die anderen Romane von Mary Mancusi kurzweilige Unterhaltung für alle Leserinnen, die den augenzwinkernd frechen und manchmal schon irrwitzigen Umgang mit den beliebten Vampirromanzen und der einen oder anderen Teenager-Komödie mögen. (3xPRT)

Christel Scheja (CS)

Titel bei Amazon.de:
Beiß, Jane, beiß!

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City of Glass

Erstellt von Werner Karl am 5. Dezember 2009

city-of-glassCassandra Clare
City of Glass
Chroniken der Unterwelt 3

The Mortal Instruments, Book Three: City of Glass, USA, 2009
Arena Verlag, Würzburg, 8/2009
HC, Jugendbuch, Urban Fantasy
ISBN 9783401061344
Aus dem Amerikanischen von Franca Fritz und Heinrich Koop
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de
www.chroniken-der-unterwelt.de
www.cassandraclare.com

Cassandra Clare hat sich mit ihren „Chroniken der Unterwelt” auch in die Herzen der deutschen Leser geschrieben, denn nicht wenige haben begeistert ihre Trilogie um Clary und Jace verfolgt. Nach „City of Bones“ und „City of Ashes” erscheint nun endlich mit einiger Verzögerung der abschließende Roman „City of Glass”. Seit sie weiß, dass es nicht nur die Welt gibt, in der sie aufgewachsen ist, hat Clary sehr viel durchgemacht. Sie musste auch erfahren, dass sie selbst eine ‚Schattenjägerin’ ist – eine ferne Nachkommin von Engeln, die eigentlich dazu ausersehen war, die Balance zwischen der Welt der Dunkelheit und der Sterblichen ausgeglichen zu halten. Doch ihre Mutter ist mit ihr aus der anderen Daseinsebene geflohen, in der Clary geboren wurde und eigentlich hätte aufwachsen sollen. Sie hat auch dafür gesorgt, dass das Mädchen niemals mit Magie in Berührung kam und alles vergaß, an das sie noch aus ihren ersten Lebensjahren Erinnerungen haben könnte. Die Mutter wollte nicht, dass ihr eines Tages ihr eigener Mann Valentin auf die Schliche käme, denn der ruchlose Schattenjäger und Nephilim träumt schon lange von unermesslicher Macht und ist nahe dran, seinen Plan zur Vollendung zu bringen.

Durch den geheimnisvollen Jace, der sich als ihr eigener Bruder heraus stellte, kommt Clary dennoch in Berührung mit der Welt der Magie und Dunkelheit. Sie wird in den Strudel aus Intrigen und Machtkämpfen gerissen und muss schon bald feststellen, dass sie nicht einmal eine so unerhebliche Rolle in allem spielt. Denn auch wenn sie von der Zauberkunst bisher keine Ahnung hat, so fällt es ihr leicht, die Runen zu erlernen und sogar neue zu schaffen – beziehungsweise auf die uralten zurückzugreifen, die nur den Engeln vorbehalten waren. Sie ist also etwas Besonderes, was auch die meisten der Schattenjäger zu erstaunen scheint. Um ihrer Mutter zu helfen, die bei der letzten Begegnung mit Valentin in ein Koma gefallen ist, begibt sie sich nun nach Idris und Alicante, in die Stadt der Schattenjäger. Dort lebt Ragnor Fell, der Einzige, der ihr jetzt noch helfen kann. Luke, der einst selbst dort gelebt hat, aber durch Verrat zu einem Werwolf gemacht wurde, hilft ihr, ungesehen in die Stadt zu kommen.

Clary hofft zudem, dort auch ihren Freund Simon befreien zu können, der unfreiwillig zu einem Vampir gemacht wurde, und Jace zur Vernunft zu bringen, der nun doch auf die Seite Valentins übergelaufen zu sein scheint. Denn ihr Vater bereitet sein Dämonenheer vor, um die Stadt zu erobern und stellt erste Forderungen an den Rat der Schattenjäger. In seinem Besitz befinden sich bereits zwei der drei Engelsartefakte: Kelch und Schwert, mit denen er seinen Sieg vollkommen machen kann. Nun fehlt ihm nur noch ein Spiegel, der in der Stadt zu finden ist. Doch wird er überhaupt noch aufzuhalten sein? Clary, die von ihrer wiedererwachten Mutter weitere Wahrheiten über sich und ihre Familie erfährt, weiß es nicht, aber in einem kann sie erleichtert sein: Ihre geheimen Gefühle für Jace können doch noch Erfüllung finden, wenn sie das alles wider Erwarten überstehen.

Der dritte Teil der „Chroniken der Unterwelt“ schließt nahtlos an seine Vorgänger an und führt die Geschichte zu ihrem Ende. Dabei gelingt es Cassandra Clare nicht nur, die losen Enden sauber miteinander zu verknüpfen, sondern noch mit einigen Überraschungen aufzuwarten, die dem Plot eine neue Wendung gibt. Wie im zweiten Band erweisen sich einige Vermutungen als Sackgasse, die vorher wie der Weg zum Ziel ausgesehen haben, und neue Wahrheiten werden geschaffen. Trotz der Dicke ist das Buch auf keiner Seite langweilig, da die Geschichte immer wieder angenehme Haken schlägt, an frühere Entwicklungen anknüpft und die bisher nur angedeuteten Hintergründe deutlicher heraus arbeitet. Deshalb spielt vermutlich auch fast das gesamte Buch in der Fantasywelt Idris und der Stadt Alicante und nicht mehr in New York.

Auch in diesem Band erweisen sich die Figuren weiterhin als sehr vielschichtig und überraschend. Gerade weil sie nun endlich die Wahrheit über sich und ihre Familie erfahren, setzten sich für die Protagonisten neue Entwicklungen in Gang, die ihnen dabei helfen ihre schwerwiegenden Entscheidungen zu treffen. Das alles ist in eine abwechslungsreiche Handlung eingebettet, die immer wieder durch kleinere Abenteuer aufgelockert wird. Ebenso weiß Cassandra Clares eingängiger Stil zu überzeugen. Auch in ihrem dritten Buch hat sie wieder einmal das richtige Gespür für Dramatik und Action. Zudem verharmlost sie die Folgen von Gewalt und Grausamkeit weiterhin nicht. Dabei verliert sie gerade jetzt nicht den roten Faden aus den Augen und rundet die Geschichte auf den letzten Seiten gelungen ab, denn nicht alles entwickelt sich so, wie man erwartet hat, aber doch logisch. So bietet „City of Glass” nicht nur spannende Unterhaltung sondern auch vielschichtige Figuren, einen ausgefeilten Hintergrund und eine abwechslungsreiche Handlung. Die Trilogie lässt am Ende keine Frage, wohl aber ein Hintertürchen offen und macht Lust auf weitere Geschichten aus der Feder von Cassandra Clare. (3xPRT)

Christel Scheja (CS)

Titel bei Amazon.de:
Chroniken der Unterwelt 1: City of Bones
Chroniken der Unterwelt 2: City of Ashes
Chroniken der Unterwelt 3: City of Glass

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