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Archiv für Juni, 2009

Die Inschrift

Erstellt von Michael Drewniok am 29. Juni 2009

Alexandra Sokoloff
Die Inschrift

Originaltitel: The Harrowing (New York : St. Martin’s Press 2006)
Deutsche Erstausgabe: Oktober 2007 (btb Verlag/TB Nr. 73634)
Übersetzung: Andrea Brandl
300 S.
ISBN-13: 978-3-442-73634-8
www.btb-verlag.de

Das geschieht:

Die psychisch labile Robin hat im Baird College ihr Studium aufgenommen. Auf dem Campus ist sie eine einsame Außenseiterin. Ihre Zimmergenossin ignoriert oder ärgert sie. An einem langen Thanksgiving-Wochenende, das sie lieber allein in im Wohnheim als daheim bei ihrer irren Mutter verbringt, hat sie genug: Im leeren Aufenthaltsraum des Heim will sie sich mit Tabletten umbringen.

Aber Robin ist nicht allein. Patrick, Lisa, Martin und Cain, vier ebenfalls lieber aushäusige Studenten, leisten ihr Gesellschaft. Bei Alkohol und Dope kommt man sich näher, und Lisa findet ein altes Hexenbrett. Da man nichts Besseres vorhat, versucht man Kontakt mit der Geisterwelt aufzunehmen.

Das gelingt wider Erwarten tatsächlich. Es meldet sich ein gewisser Zachery, der 1920 auf dem Campus bei einem Brand ums Leben kam. Die Aufregung ist groß, doch sie schlägt in Entsetzen um, als sich Zachery als gar nicht angenehmer Spuk entpuppt. Er ist großmäulig, grob und zunehmend bösartig. Bald geht es im Wohnheim unheimlich um. Klopfgeräusche ertönen, Möbel werden gerückt, Spiegel zersplittern. Seine fünf neuen ‘Freunde’ will Zachery nicht mehr auslassen. Robin recherchiert und findet erschrocken heraus, dass bei dem Brand von 1920 nicht nur Zachery sein Ende fand: Mit ihm starben vier andere Studenten, die Opfer eines dämonischen Zeremoniells wurden, das sich nun offenbar wiederholen soll …

Er kommt, wie es wohl kommen musste

Die Welt der modernen Unterhaltungsliteratur ist wundersam. “Die Inschrift”, der Debütroman der jungen Autorin Alexandra Sokoloff, ist ein gutes Beispiel: Wieso kommt diese kümmerliche Spukgeschichte nicht nur zu einer deutschen Übersetzung, sondern wird auch noch als btb-Taschenbuch veröffentlicht? In dieser Reihe erscheinen normalerweise inhaltlich und stilistisch etwas ungewöhnlichere bzw. anspruchsvollere Werke?

Liegt es an der euphorischen Werbung? “Diese packende Geistergeschichte verspricht Spannung von der ersten bis zur letzten Seite”, jauchzt die “Romantic Times”. “Poltergeist lässt grüßen … Gewürzt mit einer guten Prise erotischer Spannung, wird daraus eine ebenso atemberaubende wie bezaubernde Geschichte”, dröhnt Kirkus Reviews”, ein ‘Rezensions’-Medium, das seit jeher noch den gröbsten Bockmist als Goldstroh zu verkaufen versucht. Allerdings: Nehmen wir diese beiden Jubelchöre wörtlich, sind wir durchaus im Bilde. So hat die “Romantic Times” ja Recht: “Die Inschrift” VERSPRICHT Spannung. Das Halten dieses Versprechens wird nicht garantiert.

“Poltergeist lässt grüßen”: Stimmt ebenfalls, denn Sokoloff präsentiert keine Idee, die man nicht bereits an anderer Film- oder Buchstelle gesehen hätte. Vor allem Titel von Filmen wie “Witchboard - Die Hexenfalle”, “Düstere Legenden”, “Long Time Dead - Du bist der nächste!” u. a. schematisch gedrechselte Standard-Slasher, in denen dumme & geile Teenies sich mit bösen Geistern anlegen, können hier genannt werden.

Die “Prise erotischer Spannung” erschöpft sich in den üblichen pseudolibidinösen Wallungen, die einerseits grobschlächtig und damit typisch für besagte Hollywood-Teenies sind, und andererseits den sog. “Lady Thriller” definieren: pathetisch klingende Wortwolken wuchten über einem Trivialkonstrukt namens “Wahre Liebe”.

Geister müssen nicht geistvoll sein

“Die Inschrift” (was spricht eigentlich gegen eine 1 : 1-Übersetzung von “The Harrowing” als “Das Grauen”?) ist das Werk einer Autorin, die sich auch stilistisch ausschließlich fremdbedient. Oder ist es die Übersetzung, die diesen Eindruck weckt? Sie unterstreicht durch ihre Groschenheft-Qualität ein Missvergnügen, das die Lektüre dieses Romans begleitet:

“Sie wirbelte herum.
Martin stand über ihr im düsteren Treppenhaus und sah zu ihr herunter.
‘Meine Güte’, japste sie.
‘Ich muss mit dir reden’, sagte er tonlos. Seine Stimme klang hohl in dem hohen Rundbau.
Sie ließ den Atem entweichen. ‘Und ich mit DIR.’”

(S. 148)

Das ist ein völlig beliebig herausgegriffenes aber absolut repräsentatives Beispiel, denn so liest sich der gesamte Text. Immerhin sind die Figuren, die solche Nonsens-Dialoge führen, entsprechend flach gezeichnet. Was die Charakterisierung angeht, hat sich Sokoloff ohnehin wohl von der klassischen High-School-Schmonzette “The Breakfast Club” (1985) inspirieren lassen. Fünf Studenten von geradezu offensiver Wesensdifferenz finden und offenbaren einander bisher sorgfältig geheim gehaltene Seelenpein: Die scheue Schöne wurde vom Vater verlassen und wird von der verrückten Mutter gepiesackt, der Footballstar, der diesen Sport hasst, von seinem ehrgeizigen Vater mit Steroiden vollgepumpt, die fröhliche Schlampe hadert mit ihrem Hang zur Selbstzerstörung, der Musiker ist ein seelenversehrtes Waisenkind und - Sokoloff fürchtet wahrlich kein Klischee! - der Streber will nicht wie vom Papa gefordert Rabbi werden, weil er nicht an Gott glaubt.

Zachary ist als Gespenst ebenfalls keine Offenbarung. Während unsere fünf Helden seine Kasperaden offenen Mundes und leeren Hirns verfolgen, meldet sich beim Leser die Langeweile. Zachary buchstabiert kindische Beleidigungen, wirft mit Möbeln, lässt Spiegel zerspringen. Wieso sollten derartig ausgelutschte Albernheiten den Leser fesseln? Was ist das für ein Jenseits, in dem Hohlköpfe nicht nachreifen?

Flach & öde wie ein Parkplatz

Die Erzeugung einer Atmosphäre der Furcht gelingt nur, wenn die dafür notwendige Stimmung erzeugt wird. Im Interview erwähnt Sokoloff mehrfach die Schriftstellerin Shirley Jackson (1919-1965) mit ihrem phantastischen Meisterwerk “The Haunting of Hill House” (1959; dt. “Spuk in Hill House”) als Vorbild, was reichlich vermessen ist. “The Haunting” ist literarischer Schrecken in Vollendung; das Werk einer Autorin, die ihren Stoff und ihr Publikum gleichermaßen im Griff hat. Anders als Sokoloff lässt Jackson die Wörter nie wie Brechdurchfall einfach laufen, sondern arbeitet mit ihnen, bis sich der erwünschte Effekt einstellt.

“Die Inschrift” ist quasiliterarisches Junk Food, was schlimmer ist als ein schlechter aber offen als reine Unterhaltung verfasster (Horror-) Roman. Sokoloff gibt vor etwas zu liefern, das sie nicht zu leisten vermag. Oder ist es die Werbung, die sie auf diese Schiene drängt? Ist Alexandra Sokoloff primär ein Geschöpf offensichtlichen Marketings? Sie ist eine schöne Frau, die auf Fotos und im TV-Interview eine gute Figur macht. Als langjährig in Hollywood beschäftigte Autorin weiß sie zudem um die Bedeutung einer soliden Selbstanpreisung, der sie nicht nur mit vielen Interviews, sondern auch als fleißige Bloggerin Rechnung trägt. Unabhängig von solchen Fragen bleibt es eine unerfreuliche Tatsache, dass wieder einmal der Leser die Zeche zahlen muss, der gutgläubig Geld und Zeit in hohles Blendwerk wie “Die Inschrift” investiert hat.

Autorin

Alexandra Sokoloff wurde in Kalifornien geboren - das Jahr hält sie geheim - und wuchs dort auch auf. Schon in jungen Jahren interessierte sie sich für die darstellenden Künste. Zunächst spielte sie in Theaterstücken und Musicals, die sie später auch inszenierte. Folgerichtig studierte sie an der Universität von Berkeley Theaterwissenschaften. In dieser Zeit entstanden erste Bühnenstücke.

Nach Abschluss des Studiums ging Sokoloff nach Los Angeles, wo sie sich als Drehbuchautorin versuchte und mit den üblichen Anfängerschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Nach eigener Auskunft schrieb sie eine Reihe von Drehbüchern für verschiedene Studios (Namen wie Sony, Fox, Disney und Miramax fallen), wobei sie sich auf Horrorfilme spezialisierte. (Bei näherer Betrachtung zeigt sich übrigens, dass nur eines dieser Drehbücher jemals realisiert wurde: 1997 drehte der Regisseur Carl Schenkel den Thriller “Kalte Küsse” für das deutsche Fernsehen; Sokoloff wird als Ko-Autorin des Drehbuchs genannt.)

Ohne darauf in ihrer Kurzbiografie näher einzugehen, erweiterte die nicht unbedingt erfolgreiche Autorin ihre Aktivitäten. Sie gab Tanzunterricht und begann diverse Kurse für angehende Drehbuchautoren zu leiten, was sie bis heute fortsetzt. Außerdem schrieb sie einen Roman. “The Harrowing” (dt. “Die Inschrift”) erschien 2006 und wurde nicht nur freundlich von Kritik und Leserschaft aufgenommen, sondern auch von der “Horror Writers Association” für einen “Bram Stoker Award” als bester Debütroman des Jahres 2006 nominiert. (Dass Sokoloff nicht gewann, bleibt in der Regel unerwähnt, was deshalb an dieser Stelle nachgeholt wird.) Der Erfolg ermunterte Sokoloff, sich nunmehr auf die Arbeit als Schriftstellerin zu konzentrieren.

Über ihre Aktivitäten informiert Sokoloff auf ihrer Website:
www.alexandrasokoloff.com

[md]

Titel bei Amazon.de:
Die Inschrift

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Die Söldner

Erstellt von Wolfgang Wieser am 28. Juni 2009

Mike Resnick
Die Söldner
Wilson Cole 3

OT: Starship: Mercenary
aus dem Amerikanischen von Thomas Schichtel
Bastei-Lübbe
Erscheinungsdatum: Juni 2009
Taschenbuch
368 Seiten
ISBN 978-3-404-23337-3

Wilson Cole und seine Mannschaft vom Raumschiff „Theodore Roosevelt” haben sich Arbeit als Söldner gesucht und erledigen Aufträge für Firmen oder private Geldgeber, die zum Beispiel nicht länger bereit sind, Schutzgeld an Verbrecherorganisationen zu zahlen. Gegen letztere gehen Cole, die Piratin Walli, der ehemalige außerirdische Hehler, der sich David Copperfield nennt da er ein absoluter Fan von Charles Dickens ist, Coles erster Offizier, der dreibeinige Molarier Forrice und die bunt zusammengewürfelte Besatzung der „Teddy R.” gemeinsam vor und riskieren Kopf und Kragen.

Um einen Stützpunkt zu haben und sich auf die Einsätze besser vorbereiten zu können, dockt die „Teddy R.” an die riesige Raumstation „Singapur” an, die in neutralem Raum schwebt. Mit Hilfe von Walli lernt Cole den Chef der Station, den sogenannten „Platinherzog”, kennen und schätzen. Durch die Zusammenarbeit mit ihm, durch sein Wissen und seine Verbindungen gelingt es den Protagonisten, ihre Einsätze besser zu planen und vor allem deren Risiken frühzeitig abzuschätzen.

Bei einem dieser Einsätze erobert man einige feindliche Schiffe und macht sie sich zu eigenen, so dass Walli wieder ein Kommando über ein Raumschiff erhalten kann. Als diese sich jedoch im Suff auf die Seite eines rachsüchtigen Despoten schlägt und dieser gar die Station vernichten will, steht Cole mit der Piratenkönigin ein äußerst gefährlicher Gegner gegenüber, der nicht nur die „Teddy R.” und ihre Besatzung bestens kennt, sondern auch dermaßen geschickt im Kampf ist, dass die weitere Existenz des ehemaligen Flottenschiffs genauso auf dem Spiel zu stehen scheint, wie die der Raumstation…

Der dritte Band der Reihe um Wilson Cole ist eine gut geschriebene Space Opera ohne allzu großen Anspruch, unterhaltsam, aber leider längst nicht so überzeugend gestaltet, wie der Autor dies in anderen, serienunabhängigen Romanen (zum Beispiel in „Santiago”, „Walpurgis III” oder „Herr der bösen Wünsche”) bereits vorgeführt hatte. Dem vorliegenden Buch mangelt es vor allem an ausreichenden exotischen Details, die Handlung ist zwar passabel, aber doch eher klischeehaft, der Spannungsgehalt akzeptabel, aber nicht berauschend.

Insgesamt ist „Die Söldner” solide Unterhaltung, die leider ein bisschen den Glanz des Besonderen vermissen lässt und an keiner Stelle über ihre Mäßigkeit hinauskommt. (gb)

bei amazon.de:
Wilson Cole: Die Söldner

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Wolfgang Struck
2. Nicole Kattentidt
3. Florian Plaas
4. Andreas Landsberger
5. Gertrude Hamann
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Die dunklen Fälle des Harry Dresden 05 - Silberlinge

Erstellt von Wolfgang Wieser am 28. Juni 2009

im Butcher
Silberlinge
Die dunklen Fälle des Harry Dresden 5

OT: Death Masks
aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Knaur
Erscheinungsdatum: Juni 2009
Taschenbuch
432 Seiten
ISBN 978-3-426-50175-7

Noch immer tobt eine Art „Kalter Krieg” zwischen den Vampiren des „Roten Hofs” und der Vereinigung der Magier, zu der auch der Chicagoer Magier und Privatermittler Harry Dresden gehört. Dieser steht auch als scheinbarer Auslöser des Konflikts im Mittelpunkt des Interesses der Vampire, die immer wieder versuchen, Harry zu töten. Ein mächtiger Vampir bietet ihm deshalb eine Art persönliches Duell an mit der Option, sollte Harry gewinnen, die Fehde ein für alle mal zu beenden. Doch kann man den Mitgliedern des „Roten Hofs” überhaupt trauen?

Als dann auch noch das berühmte Grabtuch Jesu aus Italien gestohlen wird und ausgerechnet in Chicago wieder auftaucht und sich zudem ein Mafiaboss persönlich einschaltet, der Harry ebenfalls nach dem Leben zu trachten scheint, hat der Magier alle Hände voll zu tun, sich seiner Haut zu wehren. Doch seinen gefährlichsten Gegner kennt Harry noch gar nicht, denn er und seine Helfer werden in den Kampf gegen eine uralte Sekte verwickelt, welche die Silberlinge verwalten, jene 30 Silbermünzen, die dereinst Judas für seinen Verrat an Christus erhalten haben soll. Jede dieser Münzen verspricht ihrem Besitzer unglaubliche Macht und Unsterblichkeit, jedoch auch höllische Seelenqualen und die bedingungslose Abhängigkeit von diesem Machtinstrument. Der Anführer der sogenannten Denarier plant jedoch viel mehr. Mit dem Grabtuch Jesu könnte er mannigfaltige Seuchen unvorstellbaren Ausmaßes über die Menschheit bringen und nur Harry und seine Helfer können dies vielleicht noch verhindern…

„Silberlinge” ist der fünfte Band der Serie um Harry Dresden und gehört sicherlich zum Besten, was die Reihe bisher zu bieten hatte. Vor allem der durchgängige Spannungsgehalt des Romans ist ein entscheidendes Argument für das Lesevergnügen des vorliegenden Buchs. Dabei wirkt die Action nicht so überzogen wie in „Wolfsjagd”, kleine Pausen ermöglichen dem Leser Atem zu schöpfen und die verschiedenen Krisenherde und Gegner halten nicht nur den Protagonisten auf Trab, sondern auch den Rezipienten. Zwar labern die Schurken mal wieder zu viel und können es nicht lassen, wenn sie den Gegner schon „unter dem Messer” haben, ihn noch so lange voll zu quasseln, bis endlich Rettung naht, jedoch kann man dem Autor diese Schwäche durchaus nachsehen, gelingt ihm doch erneut ein packendes, atmosphärisch dichtes Abenteuer mit glaubhaften Charakteren und einem nicht zu überbietenden Spannungsgehalt.
Über weitere Bände dieser wunderbaren Serie wird man sich freuen dürfen, der nächste soll laut Ankündigung des Verlags bereits im September 2009 erscheinen. (gb)

bei amazon.de:
Silberlinge: Die dunklen Fälle des Harry Dresden

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1. Karl Stoeckl
2. Esther Czech
3. Eva Willsch
4. Sven Holz
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Das Schlangenschwert

Erstellt von Wolfgang Wieser am 28. Juni 2009

Sergej Lukianenko
Das Schlangenschwert

OT: Tanzi na Snegu
Deutsche Übersetzung von Ines Worms
Heyne
Erscheinungsdatm: Mai 2009
Taschenbuch
640 Seiten
ISBN 978-3-453-52552-8

Der junge Tikkirej lebt mit seinen Eltern unter einer Kuppel auf einem unwirtlichen Planeten. Dieser war dereinst Strafkolonie, heute leben dort nur noch die Nachfahren der einstigen Wächter und das Leben ist hart und entbehrungsreich. Wer arbeitslos wird und den täglichen Sauerstoff und die Nahrungsmittel nicht mehr bezahlen kann, dem bleibt oft nur die Euthanasie. Als Tikkis Eltern nicht mehr für den Unterhalt der Familie aufkommen können, beschließen sie deshalb, alles was sie haben inklusive der Sterbeprämie ihrem minderjährigen Sohn zu überschreiben, damit dieser aufwachsen und weiterleben kann. Tikki ist entsetzt, kann aber nicht mehr verhindern, dass seine Eltern sich für ihn opfern.

Alleine fasst der Junge den Entschluss, seine ungastliche Heimat zu verlassen. Er vermietet seine Gehirnkapazität an eine Raumschiffbesatzung, welche für den überlichtschnellen Flug sein Gehirn und das anderer Menschen als Rechner benutzt. Durch das Mitleid des Kapitäns gelingt es Tikkirej, das Raumschiff unbeschadet am übernächsten Hafen zu verlassen und einen Einbürgerungsantrag auf dem reichen und idyllischen Planeten Neu-Kuwait zu stellen. Aber Tikkirej hat hier wenig Glück, denn kurz nach seiner Ankunft beginnt eine perfide Invasion, welche die Bewohner des Planeten größtenteils zu willenlosen Anhängern einer mysteriösen Herrscherin macht. Nur durch die zufällige Bekanntschaft mit einem Agenten der Gegenseite gelingt dem Jungen doch noch die Flucht und er schließt sich den Kräften an, die mit aller Macht und Verzweiflung versuchen, die Folgen der unheimliche Invasion wieder zu neutralisieren…

Nach „Spektrum” ist der vorliegende Roman möglicherweise Lukianenkos zweitbestes bisher auf Deutsch vorliegendes Werk. Zwar krankt auch hier das Niveau etwas an dem zu heldenhaften Auftreten des jungen (zur Zeit der Haupthandlung ca. 13 Jahre alten) Protagonisten, die abenteuerliche und packende Handlung und die exotische Atmosphäre versöhnen den Leser jedoch schnell wieder.

Mit über 600 Seiten ist die Geschichte vielleicht auch etwas zu voluminös, was aber nichts daran ändert, dass Lukianenko glaubhafte Charaktere erschafft, denen er meisterhaft Leben einzuhauchen versteht (leider erfährt der Leser erst sehr spät im Verlauf der Handlung das ungefähre Alter des Protagonisten). Die überzeugenden Charaktere sind neben den lebendigen Beschreibungen der drei Planeten, auf denen die Handlung spielt, auch das große Plus von „Das Schlangenschwert”.

Wer intergalaktische Space Operas mag, der kommt bei diesem Buch voll auf seine Kosten. Verblüffend, welche Ideen der Autor immer wieder aus dem Hut zieht und dem Leser überzeugend vermittelt. Egal ob dies der Gebrauch menschlicher Gehirne als Bestandteil des intergalaktischen Flugs ist oder die harten Lebensumstände auf Tikkis Heimatplaneten, die zu „Sterbeprämien” führen, immer erscheint dem Leser das Sujet plausibel und einleuchtend dargestellt.

Mit wenigen kräftigen Pinselstrichen versteht es Lukianenko, in sich logische Welten zu erschaffen, Gesellschaftssysteme, die vorstellbar scheinen und in die man als Rezipient mühelos eintauchen kann, auch wenn sie einem nicht gefallen mögen (nur am Rande erwähnt der Autor dabei vergangene historische Epochen, die dermaßen skurril klingen, dass man als Leser gerne mehr erfahren würde über das Zeitalter in dem der „Katholische Dschihad” stattfand oder das „Matriarchat” herrschte und in dem sich Männer für ihre Existenz entschuldigen mussten). Auch die beängstigende Invasion, die aus den meisten Bewohnern von Neu-Kuwait sogenannte „Gehirnamputierte” macht, ist fein ausgedacht, anschaulich beschrieben und enthält viel Drohpotenzial, so dass man als Leser gut mitleiden, mitzittern und sich fürchten kann. Leider steht dem die scheinbare „Unzerstörbarkeit” des Helden etwas entgegen, so dass über den Ausgang der Geschichte natürlich kein Zweifel aufkommen kann. Sieht man von diesem Manko ab, ist der vorliegende Roman jedoch ein großer Lesegenuss, wenig anspruchsvoll zwar, aber doch extrem unterhaltsam. (gb)

bei amazon.de:
Das Schlangenschwert: Roman

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Der Mann, der nicht geboren wurde

Erstellt von Wolfgang Wieser am 28. Juni 2009

Tobias O. Meißner
Der Mann, der nicht geboren wurde
Im Zeichen des Mammuts 5

Piper
Erscheinungsdatum April 2009
Taschenbuch
368 Seiten
ISBN 978-3-492-26665-9

Nachdem Rodraeg von seinen eigentlich tödlichen Verletzungen durch Magie geheilt worden ist, ist er im Haus des Mammuts in Warchaim unter der liebevollen Pflege einer heilenden Schwester angelangt. Außer Cajin, der eine Art Hausmeister darstellt, und der schwangeren Schmetterlingsfrau Naenn, weilt auch noch der blinde und magisch begabte Schmetterlingsmann Estéron, der zum Kreis der Auftraggeber der Mammutgruppe gehört, im Haus der Truppe.

Noch immer erhält die Gemeinschaft anonyme Drohbriefe, welche mit DMDNGW unterzeichnet sind. Bald erweist sich, dass ein mächtiger Strippenzieher und geschickter Mörder hinter diesem Kürzel stehen muss, denn unaufhaltsam geschieht ein Mord nach dem anderen, ohne dass Rodraeg und seine Freunde es verhindern könnten. Wie ein Detektiv versucht der Anführer des Mammuts sich auf die Spur des Attentäters zu setzen, aber nichts scheint zu helfen. Ganz im Gegenteil erscheint es für die örtlichen Behörden immer wahrscheinlicher, dass die Mitglieder des Mammuts die wahren Verschwörer sind. Zwar kehrt Bestar in Begleitung einer jungen Frau namens Tjarka zurück, die sich dem Mammut anschließen möchte, doch von Eljazokad fehlt leider jede Spur, und bald wird Rodraeg verhaftet, hat er doch versucht, den Kommandanten der örtlichen Wachtruppen im Schlaf zu ermorden. Rodraeg selbst ist fassungslos, ist er doch einem mächtigen Hypnosezauber erlegen, und versucht nun verzweifelt mit Hilfe seiner Freunde vom Gefängnis aus das Mysterium um DNDNGW zu lösen, während ihm die Zeit zwischen den Händen zerrinnt und die Lage immer aussichtsloser wird…

Meißner schont weder sich noch seine Leser. Die Handlung treibt einem äußerst verzweifelten Höhepunkt entgegen, während ein wichtiger Protagonist und Sympathieträger nach dem anderen sein Leben lassen muss. Auch der innere Kreis des Mammuts wird diesmal nicht verschont. Als eine erste Art brutaler Cliffhanger stirbt eines der Mammutmitglieder, und diesmal gibt es keine magische Rettung.

Unfassbar, wie der deutsche Autor die Spannungsschraube bis zum Anschlag dreht, den Leser bibbern und zittern lässt, während ein positives Ende in immer weitere Ferne rückt. Neben den glaubhaften Protagonisten und der packend-sinisteren Atmosphäre, entwickelt sich die Enttarnung des Attentäters in kriminalistischer Manier zum großen Plus des Buchs und macht es zum bisher besten Teil des Zyklus um die „grüne” Truppe des Mammuts.

Ein Lob auch an den Verlag, der das Taschenbuch mit einem wunderbar düster-romantischen Titelbild versehen hat. Auch wenn der Titel des vorliegenden Romans leider verrät, wofür das Akronym DMDNGW steht, so wird seine wahre Identität doch erst gegen Ende der Geschichte enthüllt. Ebenfalls überraschend ist der Auftraggeber hinter dem geschickten Killer, doch hier soll nicht zu viel verraten werden.

Zwar verscherzt sich der Autor durch seinen trivialen Epilog wieder einige Sympathien, aber bis dahin ist das vorliegende Werk Lesespaß und Spannung pur, auch wenn letztere einige Zeit braucht, bis sie wirklich anfängt zu knistern (sieht man vom erschreckenden Prolog ab). Aber dann saugt den Leser die Handlung mit hinein ins Abenteuer.

Für alle Fans des „Mammut”-Zyklus ist „Der Mann, der nicht geboren wurd” das bisherige Highlight einer tollen Serie, die wieder einmal zeigt, dass niveauvolle und nahezu klischeefreie Fantasy sehr gut unterhalten und sogar aus Deutschland kommen kann. (gb)

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Im Zeichen des Mammuts 05. Der Mann, der nicht geboren wurde

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Das Cole Protokoll

Erstellt von Werner Karl am 28. Juni 2009

Das Cole Protokoll
Tobias S. Bucknell
Halo 6

Panini Books (2009)
ISBN: 9783833218736
Umfang: 409 Seiten
Originaltitel: Halo: The Cole Protocol (2008)
Übersetzer: Claudia Kern
Genre: Science Fiction
www.paninicomics.de/videogame

Die Menschheit befindet sich im Krieg, wie schon so oft in der Realität, als auch in der Science-Fiction. Allerdings sind es diesmal die Außerirdischen, welche eine Allianz gebildet haben. Mehrere nicht humanoide Rassen sind darin mehr oder weniger freiwillig vertreten: Die Echsenwesen der Sangheili, die vogelähnlichen Kig-Yar, die primatenartigen Jiralhanae und noch mindestens ein halbes Dutzend weiterer Spezies.

Alle stehen unter der Führung der Propheten, den San `Shyuum. Diese hatten Artekfakte einer verschwundenen Superrasse entdeckt und sind seitdem auf der Suche nach diesen. Die Suche nach den Blutsvätern nahm rasch den Charakter einer Religion an, denn oberstes Ziel der Allianz ist die Große Reise, die sie zu den Blutsvätern führen soll.

Um die Große Reise antreten zu können müssen die Halos, gigantische Ringwelten gefunden und aktiviert werden, denn nur mit ihnen ist es der Allianz möglich den gottgleichen Blutsvätern zu folgen.

Wie ebenfalls in der realen Welt, führt auch diese fiktionale Religion zu allerlei Extremen und Auswüchsen. Bei der Romanreihe – und natürlich auch den als Vorlage dienenden Computerspielen – metzeln die Armeen der Allianz alles nieder, was ihrer Suche und Religion im Wege steht. Egal ob neu entdeckte Wesen oder darunter auch die Menschheit: Alles wird vernichtet, was sich ihrer Lebensanschauung nicht unterwirft und eingliedern lässt.

Man geht dabei mit einer – im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlichen Brutalität vor (wobei ich dass ohne weiteres auch der Menschheit zutraue) – und verglast ohne Skrupel ganze Planeten. Den überlegenen Waffen der Allianz hat die Menschheit nichts Entsprechendes entgegenzusetzen und so bleibt fast immer nur eines: Die Flucht vor den anrückenden Raumschiffen.

Um letztendlich die Heimatwelt der Menschheit, die Erde, zu schützen, erlässt das UNSC – das United Nations Space Command – das Cole-Protokoll. Es besagt, das jedes Raumschiff, jede Raumstation und jede planetare Einrichtung beim Anrücken des Feindes sämtliche Navigationsdaten mit Hinweis auf die Erde sofort zu vernichten hat. Sollte dies nicht mehr möglich sein, muss die Basis oder das Raumschiff vernichtet werden. Inklusive aller, welche sich nicht mehr rechtzeitig absetzen konnten.

„Das Cole Protokoll“ ist der mittlerweile 6. Roman der Halo-Reihe, welche sich recht nah an die Spielvorlagen hält. Allerdings gelingt es dem Autor Bucknell nicht, sich vom martialischen Ballerspiel zu lösen und dem Roman ein Eigenleben einzuhauchen. Einige hoffnungsvolle Ansätze werden nicht weiterverfolgt und versanden leider. Und so richtig Spannung will aufgrund mancher Vorhersagbarkeit der Handlung auch nicht aufkommen. Trotz allem wird die Schar der Halo-Fans auch hier auf ihre Kosten kommen. Es muss ja nicht immer Dan Simmons sein.

Copyright © 2009 by Werner Karl

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HALO 01. Die Schlacht um Reach
HALO 02. Die Invasion
HALO 03. Erstschlag
HALO 04. Geister von Onyx
Halo 05. Erstkontakt
Halo 06. Das Cole Protokoll

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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Hilmar Hoffmann
2. Werner Krohn
3. Werner Krohn
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
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Das fünfte Imperium. Ein Vampirroman

Erstellt von Michael Drewniok am 27. Juni 2009

Viktor Pelewin
Das fünfte Imperium. Ein Vampirroman

Originaltitel: Empire V (Moskau : Ėksmo 2006)
Übersetzung: Andreas Tretner
Dt. Erstausgabe: Januar 2009 (Luchterhand Literaturverlag/Sammlung Luchterhand 62138)
400 S.
ISBN-13: 978-3-630-62138-8
www.luchterhand-literaturverlag.de

Das geschieht:

Der 19-jährige Roma gehört zu denen, die vom wirtschaftlichen Aufstieg im neuen Russland definitiv nicht profitieren. Mit seiner Mutter haust er in einer winzigen Wohnung und schlägt sich als Billiglohnsklave einer Supermarktkette durch, als ihm das Glück eines Tages auf denkbar ungewöhnliche Weise hold ist: Roma wird entführt und in einen Vampir verwandelt! Als solcher gehört er nunmehr zu den Herren dieser Erde. Die Menschen, so erfährt er, sind nur genetische Produkte der Vampire, die sich eine möglichst schmackhafte und leicht lenkbare Nahrungsquelle züchten wollten.

Aller Anfang ist auch als Vampir schwer. Roma bekommt einen neuen Namen - Rama - und wird einer aufwändigen Ausbildung durch erfahrene Lehrmeister unterzogen. Er muss lernen wie ein Vampir zu denken, was nur langsam, mühsam und begleitet von zahlreichen Missverständnissen gelingt, denn die Vampirologie stellt sein bekanntes Weltbild vollständig auf den Kopf: Nichts ist, wie es Rama zu sein schien, weil die Vampire Sorge dafür trugen, dass die Wahrheit nur ihnen vorbehalten bleibt. Die Menschen leben in einer sorgfältig konstruierten Scheinwelt, damit sie ahnungslos und leicht lenkbar bleiben.

Allmählich lebt sich Rama in seine neue Existenz ein. Mit der schönen Vampir-Novizin Hera an seiner Seite dringt er in die faszinierende Welt der Vampire vor, die zu seiner Verblüffung weder untot noch Blutsauger sind. Über interne Zwistigkeiten sind sie allerdings keineswegs erhaben. Dass seine neuen Wohltäter recht finstere Pläne mit ihm schmieden, wird Rama zu spät klar. Mit der für ihn typischen Torheit stolpert er mitten in die Falle …

Vampire unter & über uns

In der ‘richtigen’ Literatur gehört der Bildungsroman zu den altehrwürdigen Erzählformen: Der junge Mensch lernt das Leben in seinen positiven und negativen Fassetten kennen; ein Prozess, der beim Leser die Erinnerung an eigene Erfahrungen in Gang setzt, ihm aber außerdem eine Chance bietet, die scheinbar bekannte Welt durch den Filter eines unverbrauchten und ungeprägten Geistes neu wahrzunehmen.

Dieser Aspekt steht für Viktor Pelewin im Vordergrund. In “Das fünfte Imperium” bedient er sich zwar vieler Elemente der phantastischen Literatur, legt jedoch nur bedingt einen Roman vor, der sich ins phantastische Genre fügt. Pelewin ist ein Schriftsteller, den man - falls man große Worte nicht scheut - als eine “Stimme des modernen Russlands” bezeichnen kann. Seine schriftstellerische Karriere begann mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, und als Verfasser beschäftigt er sich mit den vielfältigen Folgen einer Kapitalisierung oder Globalisierung im Zeitraffer, die in ihrer Schonungslosigkeit bizarre Blüten treibt.

Dies beschreibt Pelewin manchmal durchaus direkt, lieber aber in allegorischer oder metaphorischer Form. Dies war unter dem sowjetkommunistischen Diktat üblich und lebensnotwendig, wird aber auch heute noch geübt; zwar ist Wladimir Putin kein Stalin, aber als Menschenfreund mit offenem Ohr für kritische Stimmen darf man ihn auch nicht betrachten. Deshalb kann es durchaus ratsam sein, Missstände von Vampiren in Worte fassen zu lassen. Die Literaturkritik - vor allem die des Westens - liebt solche kunstvolle Codierung, und wer mit den lokalen Verhältnissen vertraut ist, weiß ohnehin, was der Autor sagen möchte - ein Reiz, auf den der deutsche Leser nur beschränkt reagieren kann, weshalb Pelewin allzu ‘russische’ Interna eigens für diese Übersetzung entschlüsselt bzw. allgemeinverständlich umformuliert hat.

Fantasie und Kritik in homogener Mischung

Dem an literarisch verbrämter Gegenwartsbespiegelung weniger interessierten Leser bleiben die skurrilen Einfälle, mit denen Pelewin den klassischen Vampirroman bereichert. Der Pedant mag einwenden, dass diese nicht unbedingt neu oder besonders originell wirken, sondern bei anderen Autoren bereits anklingen. Allerdings ist fraglich, ob diese in Stil und Ausdruck mit Pelewin mithalten können. Die bereits mehrfach erwähnte Literaturkritik schwankt zwar im Urteil, aber fest steht, dass dieser Mann zu schreiben versteht! Bei Pelewin lohnt es nicht nur, zwischen den Zeilen zu lesen. Dennoch wird man so manche intelligente oder einfach witzige Anspielung übersehen, denn Pelewin feuert sie im Salventakt ab. So statisch und irritierend “Das fünfte Imperium” als Roman ohne echte Handlung manchmal wirkt: Die reine Lektüre dieser 400 Seiten ist ein Genuss, muss doch die Phantastik allzu oft als Refugium für Schwätzer und Stammler herhalten!

Aus der Absurdität seiner Geistesblitze macht Pelewin ohnehin keinen Hehl. Die Welt, wie er sie schildert, KANN von uns menschlichen Lesern eigentlich gar nicht verstanden werden, da wir einen von Vampiren gestalteten und sorgfältig überwachten Alltag leben. Mit dem jungen Rama einen Vampir-Eleven einzuführen, ist ein kluger Schachzug, denn als ehemaliger Mensch kämpft dieser mit ähnlichen Schwierigkeiten. Trotzdem lässt sich die vampirische Logik nur ansatzweise begreifen (womit sich der manchmal etwas zu schwurbelige Verfasser wunderbar aus der Verantwortung stehlen kann).

Die Welt schräg durch andere Augen betrachtet

Vieles von dem, was Pelewin darbietet, ist purer Spaß und genussvolle Destabilisierung klassischer Horror-Elemente. Seine Vampire schlafen tagsüber nicht in Särgen. Sie zerfallen nicht im Sonnenlicht. Ihr Spiegelbild ist deutlich sichtbar. Gipfel des Mythensturms ist der Verzicht auf das Saugen von Menschenblut. Nicht einmal das Wort findet Verwendung, es gilt unter Vampiren als verpönt. Stattdessen schätzen Pelewins Vampire die gutbürgerliche Küche.

Blut ist für sie nur mehr Informationsträger. Diese Idee wird farbenfroh und überzeugend umgesetzt: Vampir-Bibliotheken bestehen nicht aus Büchern oder Dateien, sondern aus Blutproben. Wenn Rama beispielsweise einen Tropfen Musikerblut verkostet, wird er selbst zum verständigen Musikus - zumindest theoretisch bzw. bis die Wirkung nachlässt.

Denn auch oder gerade in der Welt der Vampire ist nichts so, wie es zunächst zu sein scheint. Dynamik gewinnt “Das fünfte Imperium” aus Ramas ständigen Missverständnissen, Irrtümern und peinlichen Patzern. Seine Torheit rettet ihm freilich das Leben, denn hinter der Geburt und der Erziehung des Vampirs Rama wird nach und nach eine Verschwörung sichtbar. Auch die womöglich außerirdische Herkunft und das unglaubliche Alter hat die Vampire nicht wirklich reifen lassen. Betrug und Intrige werden auf ein exotisches Niveau gehoben, doch an den niederträchtigen Realität ändert dies nichts.

Mit der Aufdeckung dieses Komplotts versucht Pelewin auf den letzten Seiten, seinem geistreich aber zerfahren mäandrierendem Roman so etwas wie ein logisches Finale zu verschaffen. Es gelingt, wirkt aber etwas pflichtschuldig. Der Weg ist das Ziel dieses Romans. Wer sich darauf einzulassen vermag, wird mit einem phantastischen Vergnügen der etwas anderen Art belohnt.

Autor

Viktor Olegowitsch Pelewin ist ein Schriftsteller, der äußerst medienwirksam das Licht der Öffentlichkeit scheut. Lesungen, Interviews und Fernsehauftritte verweigert er, sondern teilt sich ausschließlich über das Internet mit. Er begründet das mit der Ablehnung persönlicher Prominenz, wehrt sich aber auch nicht gegen den Ruf der unbestechlichen Unabhängigkeit, dem ihm dieses Verhalten beschert.

Bekannt ist immerhin, dass Pelewin am 22. November 1962 in Moskau geboren wurde und Elektrotechnik studierte, bevor er an das Moskauer Literaturinstitut wechselte. Seit 1990 veröffentlichte er mehrere Romane und zahlreiche Erzählungen, die in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurden.

Als Schriftsteller beschäftigt sich Pelewin mit den politischen und vor allem gesellschaftlichen Umbrüchen, die das moderne Russland nach 1991 erfuhr. Dabei ignoriert er Genregrenzen und arbeitet gern mit - oft ironisch verfremdeten - Elementen der Phantastik.

[md]

Titel bei Amazon.de:
Das fünfte Imperium: Ein Vampirroman

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Die Zauberer

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. Juni 2009

Michael Peinkofer
Die Zauberer

Piper Verlag, München, 3/2009
PB mit Klappbroschur, Fantasy, 978-3-8025-70171-6, 590/1495
Titelbild von Silvia Fusetti
Karte von David Ernle

www.piper.de
www.michael-peinkofer.de
www.aivlis-home.com/

Ursprünglich hat der 1968 geborene und studierte Kommunikationswissenschaftler Michael Peinkofer als Redakteur für die Filmzeitschrift „Moviestar“ gearbeitet, bis er sich vor einigen Jahren dazu entschied, freier Autor zu werden und nach einigen Ausflügen in andere Genres schließlich auf die Fantasy umsattelte. Die Trilogie um die orkischen Brüder Balbok und Rammar begeisterte eine Vielzahl von Lesern.

Da die „Erdwelt“ mit ihrer langen Geschichte auch noch Einiges hergibt, hat er sich nun dazu entschlossen, weitere Abenteuer von dort zu erzählen.

Tausend Jahre vor den Erlebnissen der Orks sah die Erdwelt noch ganz anders aus. Die Elfen besaßen immer noch die Oberherrschaft über die zivilisierten Länder, auch wenn die Menschen bereits auf dem Vormarsch waren.

Nachdem das Böse in der Gestalt um den Dunkelelfen Margok bereits einmal besiegt wurde, achten die mächtigen Elfenzauberer umso mehr auf die Einhaltung von Gesetzen und Regeln, damit das Gleichgewicht der Welt bewahrt bleibt, auch wenn einige von ihnen bereits erkennen, dass auch hier ein Wandel vollzogen werden sollte.

Indessen folgt der junge Aldur nach seiner Feier zur Volljährigkeit einer Tradition seiner Familie. Wie sein Vater soll er in der Ordensburg Shakara die Zauberkunst studieren.

Mit ihm kommen zwei andere Schüler an, die aus anderen Gründen von den Zauberern auserwählt wurden. Da ist einmal die junge Elfin Alannah, die durch die Aufnahme in den Orden nur knapp einem Gerichtsverfahren und einer Verurteilung als Mörderin entgeht, weil sie im Affekt einen jungen Menschen umgebracht hat, und auf der anderen Seite Granock, der nicht nur der erste Mensch in Shakara sondern zudem ein Dieb ist. Vor allem Aldur fällt es nicht leicht, den in seinen Augen minderwertigen Sterblichen zu akzeptieren.

Doch ihre Meister spüren, dass es sehr wichtig zu sein scheint, dass sich gerade diese drei vertragen. Anzeichen häufen sich, dass die einst vertriebene Dunkelheit in die Erdwelt zurückgekommen ist. Die magischen Bücher, die schon Margok dazu verhalfen, an die Macht zu kommen, tauchen wieder auf, und ein Unbekannter schürt Unfrieden unter den Orks und den Menschen. Als sich die drei Novizen zusammen mit ihrem Meistern auf den Weg machen, um Gerüchten nachzugehen, merken sie recht schnell, dass sie in eine Falle laufen, weil das Böse längst unter ihnen weilt.

Das Buch kommt diesmal gänzlich ohne Humor aus – es ist in seinem Grundtenor auch eher ernst und dramatisch. Dafür wird es umso spannender, da sich manches nicht voraus ahnen lässt und die Wendungen gerade zu Ende des Buches hin angenehm zu überraschen wissen.

Ganz ohne Orks bleibt die Geschichte allerdings nicht, denn auch wenn der Schamane Rambok keiner der Helden ist, so spielt er eine nicht unerhebliche Rolle im Endkampf der flott erzählten Geschichte, die ganz offensichtlich der Auftakt zu einer neuen Saga zu sein scheint. In erster Linie dient die Geschichte nämlich dazu, die Helden einzuführen und einen engen Freundschaftsbund entstehen zu lassen, der später noch wichtig werden könnte.

Natürlich darf auch das Böse seine Ränke schmieden und üble Pläne in die Tat umsetzen, so dass die Spannung gewahrt bleibt.

Michael Peinkofer bietet mit „Die Zauberer“ nicht nur spannende Unterhaltung sondern auch eine angenehme Variante zu vielen Klischees, die in der Fantasy sonst üblich sind. Er macht mit diesem Roman wirklich Lust darauf, mehr zu erfahren, auch wenn man die Romane um die chaotischen Ork-Brüder nicht unbedingt kennt oder mag. (CS)

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Die Zauberer

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Kunchomer Pfeffer: Schattenflüstern

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. Juni 2009

schattenflusternEevie Demirel & Marco Findeisen
Kunchomer Pfeffer: Schattenflüstern

Das schwarze Auge 104
Fantasy Productions, Erkrath, 12/2008
TB, Fantasy, 978-3-89064-237-6, 336/900
Titelillustration von Alan Lathwell
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
http://alanlathwell.deviantart.com/
http://alanlathwell.cgsociety.org/gallery/

Eine Fantasy-Welt bekommt durch die kleinen Geschichten oft mehr Profil, als wenn immer nur die großenSchlachten oder ganze Länder verändernde Geschehnisse bzw. der Kampf zwischen guten und bösen Magiern oder Göttern beschrieben werden. Genau das hat die Buchreihe zum Pen-und-Paper-Rollenspiel „Das schwarze Auge“ gegenüber anderen Romanen zu Spielwelten immer ausgezeichnet.

Ein überwiegender Teil der Geschichten bewegt sich nämlich nicht unter den mächtigen Meisterfiguren, sondern zeigt, wie ganz normale Menschen in Abenteuer schliddern, mit denen sie eigentlich gar nichts zu tun haben wollen. Das ist auch bei „Schattenflüstern“, der ersten Geschichte um den „Kunchomer Pfeffer“, der Fall.

Eevie Demirel und Marco Findeisen begeben sich in ihrem Debüt in ‚das Land der ersten Sonne’. Kunchom ist von den Ereignissen, die den Norden Aventuriens im Jahr 1027 BF erschüttert haben weitestgehend unberührt geblieben. Alles geht seinen gewohnten Gang: Man handelt, feiert und lebt. Auch die Stadtgarde wird nicht arbeitslos, selbst wenn einige ihrer Angehörigen wie Kasim ben Gaftar, ein gläubiger Novadi, eine ruhige Kugel schieben wollen. Er hält gegen Schmiergeld schon einmal die Klappe und lässt Raub oder sogar Mord unter den Tisch fallen – denn was machen die schon außer unnötiger Arbeit und Stress?

Sein Kamerad Deniz ibn Seyshaban ist leider von einem ganz anderen Kaliber, was Kasim zu spüren bekommt, als eine Leiche in der Taverne seines Onkels auftaucht.

Der Tulamide Deniz mag zwar dem Wein all zu gerne zusprechen und immer wieder auch betrunken seinen Dienst ableisten, ist aber leider auf der anderen Seite unbestechlich und will um jeden Preis die Gerechtigkeit siegen lassen. Auch gutes Zureden hält ihn nicht davon ab, nach dem Mörder zu suchen.

In Verdacht gerät dabei der almadanische Streuner und Tagedieb Federigo Manaldo Sforigan, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Obwohl er eigentlich nur nach Kunchom gekommen ist, um hier ein wenig Geld zu machen und sich zur Ruhe zu setzen, wird ihm dies schon bald missgönnt, denn ungünstige Umstände und ein Gegenstand, der in seinen Besitz gelangt, machen nun auch den Mörder zusätzlich zu der Garde auf ihn aufmerksam.

Das kompliziert das Verwirrspiel. Und so tut sich schon bald für alle Beteiligten eine Schlangengrube von Verrat, Intrigen und düsterer Zauberei auf, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

Der Schwerpunkt des Romans liegt zum einen auf der verzwickten Kriminalgeschichte, die so gut wie ganz auf übernatürliche Elemente verzichtet, und nicht zuletzt auf der stimmungsvollen Beschreibung der Stadt und ihrer Bewohner. Die Autoren nehmen sich sehr viel Zeit, die Figuren auszuarbeiten und ihnen Leben zu geben, dabei das Szenario im Stil von „Tausendundeiner Nacht“ möglichst stilgerecht darzustellen.

Nebenbei kommt auch der Humor nicht zu kurz, denn die Figuren tappen in ihrer Menschlichkeit auch schon einmal körperlich oder mit ihren Worten in arge Fettnäpfchen.

Auf der anderen Seite führt das allerdings dazu, dass die Geschichte nur sehr gemächlich ihren Lauf nimmt und gerade zum Ende hin mehrfach ins Stocken gerät, weil Marco Findeisen und Eevie Demirel den roten Faden aus den Augen verlieren. So erscheint die Auflösung etwas zu einfach, ist aber wenigstens weitestgehend logisch.

Alles in allem ist „Kunchomer Pfeffer: Schattenflüstern“ einer der besseren Romane der Reihe. Er kann mit lebendigen Schilderungen und einer ungewöhnlichen und spannenden Geschichte jenseits vieler Klischees aufwarten; allein das letzte Drittel verliert etwas, da die Autoren ihre Fäden nicht ganz so weiter verfolgen, wie sie sollten. (CS)

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Das Schwarze Auge - Khunchomer Pfeffer: DSA-Roman

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Priester

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. Juni 2009

Trudi Canavan
Priester

Das Zeitalter der Fünf 1
Priestress of the White. Age of the Five Trilogy Book One, Australien, 2005
Blanvalet Verlag, München, 11/2007
TB mit Klappbroschur, Fantasy 24479, 978-3-442-24479-9, 830/995
Aus dem Australischen von Michaela Link
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung eines Motivs von Steve Stone
Innenillustrationen und Karte von N. N.

www.blanvalet.de
www.trudicanavan.com
www.hildendesign.de
www.ba-reps.com/artist/stone/as/illustrator

Die Australierin Trudi Canavan (geb. 1969) erregte mit ihrer Trilogie um „Die Gilde der Schwarzen Magier“ großes Aufsehen. In Folge wurde ihr neuer Dreiteiler – „Das Zeitalter der Fünf“ – voller Spannung erwartet und bekam reichliche Vorschusslorbeeren. Gerade bei Büchern, die stark beworben und hoch gelobt werden, ist Vorsicht oft ratsam, denn geht man mit entsprechenden Hoffnungen an den Titel heran, wird man meist enttäuscht. Das trifft leider auch auf „Priester“, den ersten Band der Serie, zu.

Das Mädchen Auraya wird auserwählt, eine Priesterin ‚der Weißen’ zu werden. Ihre Magie ist stark, sie selber ist wissbegierig und selbstbewusst. Allerdings hat die Ehre und die relative Unsterblichkeit, die die Götter ihren Anhängern gewähren, auch einen Preis: Auraya muss ihre Familie und ihr Heimatdorf verlassen – und die Liebe zu Leiard, einem Traumweber und ihr einstiger Lehrer, ist verboten.

Als mysteriöse schwarze Magier auftauchen, deren Ziel es ist, den Kult um ‚die Weißen’ auszumerzen, begibt sich Auraya auf eine lange und gefährliche Reise, um Verbündete in dem drohenden Krieg zu finden. Leiard begleitet sie als Ratgeber, und die Beziehung der beiden wird schließlich entdeckt. Einer der anderen Priester zwingt den Traumweber, Auraya aufzugeben, die sich daraufhin gekränkt von ihm zurückzieht, ohne die wahren Hintergründe zu kennen.

Ihr bleibt jedoch keine Zeit, mit dem Schicksal zu hadern, denn die Schlacht gegen die Pentadrianer erfordert ihre ganze Kraft…

Wer weitschweifig erzählte Fantasy im Stil von Henri Loevenbrucks „Das Geheimnis der weißen Wölfin“, Jacqueline Careys „Kushiel“ oder Ellen Kushners „Riverside“ schätzt, wird gewiss auch in diese Trilogie einen Blick werfen wollen – und vielleicht trifft sie auch den Nerv, schließlich sind Geschmäcker verschieden.

Einigen Lesern dürfte die Weitschweifigkeit jedoch schon zu viel sein, denn Aurayas lange Reise, in der die Welt der Hauptfigur vorgestellt wird, die vielen Handlungsebenen und Protagonisten verhindern, dass die Handlung schnell auf den Punkt kommt. Es gibt reichliche Längen und damit Langeweile.

Weder sind die Charaktere sonderlich originell, noch bietet die Geschichte überraschende Wendungen. Das Ende ist vorhersehbar – und zwei nicht minder umfangreiche Teile kommen noch. Man quält sich durch einen zähen Roman, der nicht an „Die Gilde der Schwarzen Magier“ heranreicht. Vor allem die Geduld jüngerer Leser (die Jugendbuchausgabe erschien bei cbt) dürfte rasch aufgebraucht sein.

Von daher ist es ratsam, ein wenig in „Priester“ zu blättern und sorgfältig zu prüfen, ob man sich mit Thema und Stil anfreunden kann. Legt man Wert auf phantasievolle Abenteuer, spannende Action und interessante Charaktere, wird man mit einem anderen Titel wahrscheinlich glücklicher. (IS)

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Priester. Das Zeitalter der Fünf 01.

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