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Drachenpfade

Erstellt von Werner Karl am Dienstag 9. Februar 2010

drachenpfadeSergej Lukianenko und Nick Perumov
Drachenpfade

Originaltitel:  Ne wremja dlja drakonow  7 Wrong Time for Dragons  (1999)
ISBN 9783453266414
Fantasy
Aus dem Russischen von Anja Freckmann
München: Verlagsgruppe Random House 2009
Heyne Hardcover
Umfang 640 Seiten

www.randomhouse.de
www.heyne.de

Dieser Fantasyroman entstand in Zusammenarbeit des bekannten Phantastikautors Sergej Lukianenko und des hierzulande völlig unbekannten Nick Perumov, und, um es vorweg zu nehmen, Heyne hätte sich die Ausgabe diese Werkes als Hardcover sparen sollen (oder besser überhaupt die Veröffentlichung), denn das vorliegende Buch ist ein trauriges Beispiel überaus trivialer Phantastik, die nicht nur mit über 600 Seiten viel zu dick geraten ist, sondern auch keine einzige originelle oder auch nur erzählens- oder erwähnenswerte Idee ihr Eigen nennt.

Geschildert wird die Geschichte einer Fantasyparallelwelt, in der dereinst von einem mächtigen Helden ein Drache besiegt wurde. Doch der Held muss sich heute der Anschläge anderer Zauberer erwehren, während die Rückkehr des Drachen die Menschheit bedroht. Warum die Bösewichter dann den Held trotzdem töten wollen…na ja…dafür sind sie halt böse! Auf einer zweiten Handlungsebene, die minimal interessanter ist als die öde Fantasywelt, erhält ein Normalbürger Lukianenko´scher Prägung Besuch durch ein merkwürdiges junges Mädchen, die ihn in die Parallelwelt entführt, wo er wohl, als Identifikationsfigur für den Leser, zum Helden reifen soll (und wer Lukianenko kennt weiß, dass dies kein Problem sein dürfte). Mehr passiert auf den ersten 200 Seiten nicht, sieht man von einem Mordkomplott gegen den ursprünglichen Helden ab, bei dem dessen Neffe stirbt.

Was hier dröge und klischeehaft vor sich hin dümpelt, ist eine jener dürftig-phantasielosen Hervorbringungen, die man von der us-amerikanischen Fantasy so gut kennt. Lukianenko/Perumov beweisen, dass auch russische Autoren einen solchen Schrott verzapfen können, weshalb Perumov wohl auch Ende der 90er in die USA ausgewandert ist, um sich dort in den Niederungen der trivialsten Trivialliteratur zu tummeln. Immerhin ist der Mist geschickt geschrieben und gut übersetzt, was aber nicht darüber hinweg täuschen kann, dass die Autoren keine wirklich interessante oder wenigstens ansatzweise ansprechende Geschichte haben, die sie erzählen können.

Verglichen mit den meisten anderen Werken Sergej Lukianenkos ist das vorliegende eine Schande für den begabten Autor! Eine Enttäuschung für all jene Leser, die seine wunderbaren SF-Romane Spektrum, Das Schlangenschwert oder Die Ritter der vierzig Inseln schätzen, die bei Heyne erschienen sind.

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald
 
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Das grosse Gold

Erstellt von Michael Drewniok am Montag 8. Februar 2010

stark-21-gold-coverRichard Stark
Das große Gold

Originaltitel: Breakout (New York : Mysterious Press 2002/London : Hale 2003)
Übersetzung: Rudolf Hermstein
Deutschsprachige Erstveröffentlichung: Oktober 2009 (Zsolnay Verlag)
285 S.
ISBN-13: 978-3-552-05480-6

Das geschieht:

Der Einbruch in mit wertvollen Medikamenten gefülltes Lagerhaus endet für Parker und seine Bande denkbar unglücklich: Sie landen im Stoneveldt Detention Center, einer Anstalt für Häftlinge in Untersuchungshaft. Parker versteckt sich hinter einer falschen Identität, die keinesfalls auffliegen darf, da seine Karriere als Berufsverbrecher, der bisher durch die Maschen der Justiz schlüpfen konnte, sonst beendet wäre. Bevor er vor Gericht gestellt und anschließend in ein ‚richtiges‘ Gefängnis verlegt wird, will Parker deshalb ausbrechen.

Über seinen Pflichtverteidiger stellt Parker den Kontakt zu einem verlässlichen Kontaktmann her. Ed Mackay wird für ein Gelingen der Flucht sorgen, sobald er ‚draußen‘ ist. Hinter den Mauern schaut Parker sich nach brauchbaren Spießgesellen um. Er findet seinen Zellengenossen Williams sowie Tom Marcantoni – harte Männer, die eine lebenslange Gefängnisstrafe fürchten müssen und bereit sind, das Risiko eines Ausbruchs einzugehen. Doch Marcantoni stellt eine Bedingung: Wenn die Flucht gelingt, sollen Parker und Williams einen Juwelenraub mit ihm durchziehen.

Widerwillig schlägt Parker ein. Immerhin glückt der Ausbruch reibungslos. Zudem wirkt Marcantonis Plan narrensicher. Zwar wird der begehrte Schmuck in einem uralten Zeughaus der US-Army aufbewahrt, doch vor Jahren hat Marcantoni einen unbekannten Geheimgang entdeckt. Den nutzt die neu formierte Bande, um ins Innere vorzudringen. Doch das Pech bleibt Parker treu: Der Rückweg ist versperrt, und die Einbrecher sehen sich plötzlich in einem Haus gefangen, das wie eine Festung gebaut wurde. Jetzt ist guter Rat teuer, denn die Zeit und die Polizei, die auf den Straßen nach den Ausbrechern fahndet, drängen. In höchster Not wird ein Plan geschmiedet, doch der zeigt in der Umsetzung gefährliche Lücken …

Job mit hohem Risiko

Nicht zum ersten Mal muss Parker die Erfahrung machen, dass gute Leute auch in seinem Milieu schwer zu finden sind. Als hart arbeitender Berufsverbrecher ist er in dieser Hinsicht schon oft enttäuscht worden. Bisher führte das zu misslungenen Coups und aufregenden Fluchten; mehrfach fing sich Parker sogar eine Kugel ein oder musste andere Verletzungen überstehen. Dieses Mal kommt es jedoch zum Super-GAU: Parker wird gefasst und kommt hinter Gitter!

Genau das wollte und musste er vermeiden, denn sein Erfolg beruht neben der Professionalität als Verbrecher auf seiner Anonymität. Mit großem Aufwand schlägt Parker einen Bogen um alles, das ihn ins Getriebe des Systems saugen könnte. Im digitalen 21. Jahrhundert ist das eine echte Herausforderung geworden, doch Parker zahlt gern jeden Preis für seine Namenlosigkeit. Nur ihr verdankt dieses Mal die Möglichkeit, seinem Gefängnis zu entkommen, weil seine Häschern schlicht nicht ahnen, welcher dicke Fisch ihnen da ins Netz gegangen ist.

Das kann nur gelingen, weil Parker ungeachtet der brisanten Situation die Nerven behält. Er nimmt es, wie es kommt, denn Professionalität ist auch im Gefängnis der Schlüssel zum Erfolg, der hier das Entkommen bedeutet. Parker wartet ab, taxiert seine Mitgefangenen, die Wärter, die Polizeibeamten, die ihn vernehmen, sucht nach Schwachstellen im Alltagsgefüge des Gefängnisses. Schnell hat einen Plan entwickelt, der sich an den Realitäten orientiert. Sämtliche Risiken sind nicht ausgeschaltet, aber Parker minimiert sie.

Drückt dem Bösewicht die Daumen!

Der Mensch tendiert dazu, um den Schwächeren zu bangen, der sich anschickt, einem übermächtigen Gegner die Stirn zu bieten. Das schließt sogar diejenigen Zeitgenossen ein, die sich wie Parker den Zorn des Gesetzes völlig zu Recht zugezogen haben. Offenbar projiziert man sich automatisch in die Rolle des Opfers, das man deshalb gern dabei beobachtet, wie es sich der Falle entwindet. (Anders denken natürlich jene Leser, die bereits von einem der Parkers dieser Welt ausgeraubt wurden …)

Je aussichtsloser die Flucht, desto reizvoller wird der Versuch, es trotzdem zu versuchen. Der normale Leser wird im Gefängnis jede kriminelle Initiative verlieren und sich dem System unterordnen. Parker denkt nicht eine Sekunde so. Er sieht in den Schranken, die ihn zurückhalten sollen, vor allem die Möglichkeiten. Intelligenz und Entschlossenheit sind stärker als Stahlgitter: Wird das so clever umgesetzt wie von Richard Stark, ist das stets ein sicherer Garant für Spannung.

Zumal dieses Mal Ort und Zeit nicht nur einmal gegen Parker sind. Gleich dreimal gilt es, sich selbst oder andere Gefangene zu befreien. Geschickt schürt Stark die Spannung, indem er die Handlung durch Abläufe bereichert, die Parker nicht kontrollieren kann. Im Hintergrund stellen scheinheilige Bürger, skrupelarme Polizisten und simple Verräter ihre Fallen auf. Ein Rädchen greift ins andere, und die Maschinerie, die Parkers Schicksal besiegelt, scheint schnell so rund zu laufen, dass ein Entkommen ausgeschlossen scheint.

In der Ruhe liegt die Kraft

Aber so denkt erneut nur der von der Situation überforderte Amateur-Straftäter. Parker setzt einen Fuß vor den anderen und bleibt geduldig. Hindernissen stellt er sich, wenn sie auftauchen, statt sich vorab verrückt zu machen. Rückschläge gehören zu seinem Leben. Deshalb ist ihm klar, dass er selbst nach einer gelungenen Flucht nicht frei ist: Er hat sich der Unterstützung von Männern versichert, die für ihre Leistungen einen Preis fordern werden. Als Profi kalkuliert Parker dies ein; er denkt gar nicht daran, seine Partner zu betrügen.

Dabei geht es ihm keineswegs um Verpflichtung oder gar Freundschaft, denn so ist Parker nicht gestrickt. Stattdessen kalkuliert er eiskalt: Wenn er jetzt nicht bei seinen Kumpanen bleibt, werden sie ihn später ignorieren, sollte er ihre Hilfe dringend benötigen. Nur das hält ihn bei der Stange, den Parker interessiert sich letztlich nur für Parker. Ein sozial kompetenterer Mann wie Williams erkennt das und wünscht sich sogar, wie Parker zu sein, den seine Teflon-Persönlichkeit zum ideal funktionierenden Verbrecher aufwertet.

Die Spannung steigt, wenn sich sämtliche Geschicke gegen die Gauner zu verschwören scheinen. Mit perfider Beiläufigkeit sorgt Verfasser Stark dafür, dass der Leser sich wie selbstverständlich auf Parkers Seite schlägt, obwohl dieser nicht nur flüchtet und raubt, sondern auch mordet und Zeugen einschüchtert. Der Reiz liegt wohl in der unglaublichen Zielgenauigkeit, mit der Parker sich auf jede noch so hoffnungslose Situation einzurichten versteht.

Auf seine Weise ist Parker außerdem konsequent. Seine neuen Spießgesellen mobilisieren eigene Kontakte, um sich über ihn zu informieren. Was sie erfahren, stimmt mit dem überein, was der Leser über Parker weiß: Er ist ein Profi, auf den man sich bedingungslos verlassen kann; sollte man ihn allerdings zu linken versuchen, wird er brutal zurückschlagen. Verrat nimmt Parker nicht unbedingt persönlich, sondern er ahndet ihn, um ein Zeichen zu setzen. Damit wird sogar der Mord an einem Verräter zur Investition in die Zukunft: Marcantoni denkt nicht daran, Parker zu betrügen.

Aller schlechten Dinge sind drei

Auf seine beinahe zen-buddhistische Ruhe muss Parker sich dieses Mal wie gesagt stärker denn je stützen. Seit jeher leiden seine Unternehmen unter der Tücke des Objekts. Nüchtern unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet ist Parker kein besonders erfolgreicher Verbrecher. Er kommt zurecht, aber oft zahlt er drauf. „Das große Gold“, das der deutsche Titel fälschlich in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, ist für Parker wertlos, obwohl er es schon in den Händen hält. Stattdessen kann er froh sein, wenn er sein nacktes Leben rettet.

Der Originaltitel „Breakout“ beschreibt viel exakter, worum es in diesem 21. Parker-Abenteuer geht: Dreifach variiert steht der trickreiche Kampf um die Freiheit im Mittelpunkt der Handlung. Parker zieht sämtliche Register seines kriminellen Handwerks und offenbart ein erstaunliches Repertoire, das offene Gewalt ebenso einschließt wie psychologisches Geschick.

Geschildert wird das komplexe und geschickt entwirrte Geschehen im typischen Stark-Stil, d. h. in trügerisch simplen Worten und Sätzen. Der Verfasser scheint mit jedem Wort zu kämpfen. Tatsächlich teilt er uns präzise mit, was wir wissen müssen, und erspart uns das im modernen Krimi üblich gewordene Geschwafel. Hin und wieder wechselt Stark die Erzählperspektive; plötzlich erleben wir Parker aus der Sicht der Menschen, die mit ihm zu tun haben. Das verstärkt seine Außenseiter-Stellung, während wir gleichzeitig unauffällig mit zusätzlichen Informationen versorgt werden, für die nun eine Weile die in den Fokus geratenen Figuren geraten. Parker bleibt dabei verschlossen wie eine Auster.

Ob er unter seiner Schale überhaupt ein ‚normales‘ Seelenleben verbirgt, bleibt auch dieses Mal (zum Glück) wieder offen. Mit dem nächsten Bruch beginnt Parker wieder am Nullpunkt. Die wirre deutsche Veröffentlichungsgeschichte der „Parker“-Thriller verdeutlicht das unfreiwillig: Obwohl die Bände unter Missachtung der chronologischen Reihenfolge erscheinen, macht sich dies nicht negativ bemerkbar, da Parkers Biografie so wenige Fixpunkte kennt. In Erwartung weiterer unterhaltsamer Abenteuer dringen wir daher gern tiefer in Parkers kriminelle Vergangenheit vor.

Autor

„Richard Stark“ ist einer von mehreren Künstlernamen des Thriller-Profis Donald Edwin Westlake (geb. 1933 in Brooklyn, New York), der sich in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre als Verfasser von Kurzgeschichten einen Namen zu machen begann. So hoch  war sein literarischer Ausstoß, dass er unter diversen Pseudonymen veröffentlichte. 1960 erschien sein erster Roman. „The Mercenaries“ (dt. „Das Gangstersyndikat“); er ließ Westlakes Talent für harte, schnelle Thriller deutlich erkennen.

Bereits 1962 betrat Parker, ein eisenharter Berufskrimineller, die Bildfläche. „The Hunter“ (dt. „Jetzt sind wir quitt“/„Payback“) verfasste Westlake als Richard Stark. „Richard“ borgte sich der Autor vom Schauspieler Richard Widmark, „Stark“ suggeriert - völlig zu Recht - die Machart dieses Romans. Bis in die 1970er Jahre veröffentlichte „Richard Stark“ neben seinen vielen anderen Romanen – zu erwähnen ist hier vor allem seine berühmte Reihe um den erfolglosen Meisterdieb Dortmunder – immer neue Parker-Romane, bevor er die Reihe abbrach, um sie nach 22-jähriger Pause (!) 1997 wieder aufzunehmen.

Neben dem Schriftsteller Westlake gibt es auch den Drehbuchautor Westlake. Nicht nur eine ganze Reihe seiner eigenen Werke wurden inzwischen verfilmt. So inszenierte 1967 Meisterregisseur John Boorman das Parker-Debüt „The Hunter“ als „Point Blank“. Lee Marvin - der allerdings den Rollennamen „Walker“ trägt - und die fabelhafte Angie Dickinson spielen in einem Thriller, der zu den modernen Klassikern des Genres zählt. (1999 versuchte sich Brian Helgeland an einem Remake.) Westlake selbst adaptierte für Hollywood Geschichten anderer Autoren. Für sein Drehbuch zu „The Grifters“ (nach Jim Thompson) wurde er für den Oscar nominiert.

Nach einer fünf Jahrzehnte währenden, höchst produktiven und erfolgreichen Schriftsteller-Karriere dachte Westlake keineswegs an den Ruhestand. Auf einer Ferienreise traf ihn am Silvestertag des Jahres 2008 ein tödlicher Herzschlag. An sein Leben und Werk erinnert die Website www.donaldwestlake.com, die in Form und Inhalt an seine Romane erinnert: ohne Schnickschnack, lakonisch und witzig, dazu informativ und insgesamt unterhaltsam. Zu den „Parker“-Romanen (und -Filmen etc.) gibt es auch eine eigene, sehr schöne Website.

Ganz neu und zum Neustart der „Parker“-Reihe entstanden ist eine deutschsprachige Website.

Titel bei buch24.de

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Drachenkaiser

Erstellt von Werner Karl am Montag 8. Februar 2010

drachenkaiserMarkus Heitz
Drachenkaiser

Piper Verlag, München, 09/2009
HC, Steampunk, Fantasy, Action
ISBN 9783492701532
Titelbild von Klaus Scherwinski

www.piper-fantasy.de
www.mahet.de
www.klausscherwinski.de

Viel muss man nicht mehr zu Markus Heitz sagen, der inzwischen fast ähnlich erfolgreich ist wie Wolfgang Hohlbein und sich daran macht, dem Altmeister der dt. Fantasy den Rang abzunehmen. Dabei bewegt er sich in der dunklen Phantastik genau so sicher wie in der Fantasy. Aber man merkt schon, dass ihm das letzte Genre mehr liegt. So hat er nach über zwei Jahren eine Fortsetzung seines Erfolgs „Mächte des Feuers“ verfasst, ohne daraus gleich eine ganze Reihe zu machen. „Drachenkaiser“ schließt direkt an den ersten Roman an, nur wenige Wochen oder Monate sind vergangen.

Im Jahr 1926 sieht das Europa, das Silena und Grigorij kennen, ganz anders aus, als der Leser es aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung hat. Allein eine Tatsache hat die Menschen daran gehindert, sich gegenseitig in Kriegen zu zerfleischen oder alte Ordnungen umzustürzen: Drachen. Diese haben das Land in Territorien aufgeteilt. Auch wenn sie sich nur wenig darum scheren, was die normalen Menschen in ihrem Gebiet so treiben, wenn diese ihren Tribut leisten, so rivalisieren sie munter miteinander und versuchen, ihre Gebiete zu vergrößern. Silena, direkte Nachfahrin eines der Drachenheiligen und selbst Drachentöterin, und der russische Fürst Grigorij Wadim Basilius Zadornow haben es geschafft, die erste entscheidende Schlacht gegen die Drachen Europas zu schlagen und damit deren Intrigen ein Ende zu bereiten.

Die beiden ahnen jedoch, dass der Krieg noch nicht vorbei ist. So dämmert das Jahr 1926 in angespannter Erwartung herauf. Grigorij beobachtet mit Sorge, dass es aufgrund einer Wirtschaftskrise in der menschlichen Bevölkerung brodelt, vor allem in seiner eigenen Heimat. Silena indessen fragt sich, ob die Trennung vom Officium eigentlich rechtens war und beschließt, das heraus zu finden, indem sie nach Deutschland zurückkehrt. Ernüchtert stellt sie dort fest, dass die Organisation, die einst ihr ganzes Leben bestimmte, von innen her am Verfaulen ist. Und dann droht noch eine andere Gefahr, die ausgerechnet aus dem fernen Osten kommt, und diese geht weit heimtückischer und skrupelloser vor als die europäischen Drachen. Schon bald steht die Welt wieder in Flammen. Die Helden wissen gar nicht, wo sie zuerst eingreifen sollen, um den Machenschaften des chinesischen Drachen Nie-Lung Einhalt zu gebieten. Schließlich ist klar: Nur im Reich der Mitte selbst können sie etwas finden, um ihn zu stoppen …

Markus Heitz schreibt spannende Romane, die einem kaum Zeit lassen, Atem zu holen, so viel passiert in ihnen – das ist etwas, was er ausgezeichnet beherrscht und was auch in „Drachenkaiser“ sehr gut zu bemerken ist. Er setzt in erster Linie auf Dramatik und lässt es an mehreren Schauplätzen gleichzeitig ordentlich krachen. Es tauchen sehr viele Figuren auf und haben ihren Anteil an der Handlung, so dass man schon genau darauf achten muss, wer mit wem agiert. Allerdings kann es leicht passieren, dass man bei den vielen Sprüngen den Faden verliert. In erster Linie trägt tatsächlich die Action die Geschichte, weniger sind es die Charaktere selbst, die wie der Hintergrund leider sehr schwammig und oberflächlich bleiben. Es gelingt ihm nicht wirklich, das besondere Flair der zwanziger Jahre einzufangen, da es nicht unbedingt immer ausreicht, einige Dinge nur beim Namen zu nennen.

Wer sich weiterhin nicht daran stört, dass die Figuren sehr zweidimensional bleiben, die Dialoge oft flapsig wirken und kein wirkliches Flair dieser schillernden Zeit in der eigenen Phantasie entstehen mag, sondern allein damit zufrieden ist, dass dramatische Geschehnisse mit leicht durchschaubaren Intrigen und die Action an erster Stelle stehen, wird gut unterhalten. Langweilig wird die Geschichte nicht, nur wirklich in Erinnerung behalten wird man sie kaum, wenn man das Buch beendet hat. Auch ist es sinnvoll, „Die Mächte des Feuers“ zu kennen, da der Autor immer wieder Bezug auf den Roman nimmt und darauf verzichtet, viel zu erklären. Wie sein Vorgänger ist auch „Drachenkaiser“ für alle Action verwöhnten Fans gedacht, die einfach nur ein wildes Abenteuer genießen wollen - nicht mehr und nicht weniger.

Copyright © 2010 Christel Scheja
 
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Drachenkaiser

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Puppenkrise

Erstellt von Werner Karl am Montag 8. Februar 2010

puppenkriseRené Scheibe
Puppenkrise

(sfbentry)
Carlsen Manga, Hamburg, 1/2008
TB, dt. Manga, Action, Comedy
ISBN 9783551785015

www.carlsenmanga.de

Teenager Teddy will Leibwächter werden, verschläft aber schon an seinem ersten Arbeitstag und erreicht doch noch gerade so seinen Auftrag und seinen Ausbilder. Dieser, Alexander, soll Mela bewachen, deren Eltern sehr reich sind. Diverse Gruppierungen versuchen, Mela zu entführen, um an das Geld zu kommen. Dass zum Beispiel dieses Geld in einem Fall nur dazu da ist, Kosten für Schminke zu decken, spiegelt Inhalt und ‚Ernsthaftigkeit’ dieses Manga nur zu deutlich wieder. Die sehr einfach gehaltenen Zeichnungen transportieren weder Gefühle, Geschichte oder gar Hintergrund. In erster Linie dienen sie nur den Sprechblasen als Halt. Gesprochen wird allerdings sehr abgehakt; weniger Inhalt in Form von Gedanken oder Ideen vermittelnd, als auf – meist dem Leser schon bewusste – aktuelle Gegebenheiten hinweisend.

Das erste Panel, der Blick über die Dächer eines kleinen Städtchens, ist das einzige Bild, in dem Landschaft im weitesten Sinne gezeigt wird. Und das sehr gelungen! Leider wird im Verlauf der Geschichte kein weiteres Mal derartige Feinarbeit gezeigt, so dass die gesamte Handlung auch irgendwo in einem großen weißen Raum stattfinden könnte (und es meist auch tut!). Wobei die Handlung nur als kleineres Chaos vorkommt. Jeder jagt irgendwie jeden, und die einzige Figur, die anfangs nicht vorgestellt wird, ist die, die dem Ganzen einen gewissen Fortlauf, der Hetzjagd eine Art Sinn verleiht. Jammu ist der Tüftler, der völlig zufällig, irgendwie zu den beiden Bodyguards und ihrem Schützling stößt und sich fortan mit den äußeren Umständen auseinandersetzt und so für eine Art Flucht sorgen kann.

Die eigentlichen Verfolger wie die Handlanger der ‚Bösen Hexe’ (die auch nur so heißt) oder eben die beiden, die Geld für Schminke brauchen, und auch ‚Klaumaid’ sind austauschbar, stellen kaum eine Gefahr dar und verhalten sich meist sehr slapstickartig - was sie mit Mela und ihren Bodyguards allerdings dann auch gemein haben, wobei der Humor zu platt und offenkundig präsentiert wird und kein Platz für Zwischentöne lässt. Spannung im eigentlichen Sinn ist sowieso nicht vorhanden. Sehr überraschend und diesen Manga damit aus der absoluten Belanglosigkeit hebend, ist dann wiederum das letzte Panel, in dem die Geschichte tatsächlich noch einen überraschenden Höhepunkt bieten kann. Dieser lässt allerdings auch einige Fragen offen, u. a. die, ob man sich eine eventuell vorhandene Fortsetzung tatsächlich zulegen soll.

Insgesamt ist dieser Manga eher für Hardcore-Fans, denn für Gelegenheitsleser geeignet. Sowohl Sprache als auch Zeichnungen sind mehr als einfach gehalten und bieten dem Publikum weder inhaltlich noch optisch Anreize, die ihn zum Lesen weiterer Werke ähnlicher Machart animieren könnten.

Thomas Folgmann (ft)
 
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Warhammer 40.000 - Jünger Finsterer Götter

Erstellt von Redaktion am Montag 8. Februar 2010

Bei Buch24.deAlan Bligh, Owen Barnes, John French, Mike Mason
Jünger Finsterer Götter
Warhammer 40.000 - Quellenband

(sfbentry)

Feder & Schwert
Hardcover; 270 Seiten; ISBN 978-3-86762-064-2
Übersetzer: Michael Römer
Umschlagillustration: Clint Langley

Mit „Jünger Finsterer Götter“ ist ein weiterer Quellenband zu dem Rollenspiel „Schattenjäger“ erschienen. Richtete sich „Das Handbuch des Inquisitors“ mehr an die Spieler, so bekommen diesmal die Spielleiter ein dickes Paket an nützlichen Dingen geshcnürt. Auch hier fällt die gewohnte stabile Verarbeitung des Hardcovers sofort ins Auge, die Produkte aus dem Hause Feder & Schwert meistens auszeichnet. Die Umschlagillustration von Clint Langley ist sehr gelungen und einfach nur als stark zu bezeichnen. Dunkel gehalten, mit flammendem Schwert als Blickfang, macht das Titelbild schon einiges her.

Der Quellenband ist eine Sammlung von Kulten, Verschwörungen und Geheimnissen. Wie üblich, unterteilt sich auch „Jünger Finsterer Götter“ in mehrere Kapitel, die unterschiedliche Schwerpunkte haben. Diesmal gibt es jedoch einen großen Unterschied zu den bisherigen Publikationen der Reihe. Im Quellenband sind unzählige Handouts zu finden, die Briefe, Abschriften, Notizen, Verhörprotokolle und vieles mehr beinhalten. Wer das Material seinen Spielern zugänglich machen möchte, kann es entweder aus dem Buch herauskopieren oder das Download-Angebot des Verlags nutzen. Zu den Handouts ist bei Feder & Schwert nämlich ein mehrseitiges PFD zu finden. Internetverbindung vorausgesetzt und zum Ausdrucken ist natürlich ein Drucker nötig.

Da es sich um einen Quellenband zu „Schattenjäger“ handelt, sind die Texte natürlich aus der Sicht imperialer Beobachter geschrieben und konzentrieren sich oftmals auf den Calixis-Sektor, dem ausgesuchten Spielplatz des Rollenspiels. Mit ein wenig Arbeit kann das Material aber angepasst werden und informierte Spielleiter haben keine Probleme, sich an den Texten zu bedienen und auf ihre Heimrunde anzupassen. Der Reiz liegt dennoch darin, den Quellenband genau so zu benutzen, wie er vorliegt und auch in genau jenem Umfeld zu spielen, das empfohlen wird. Dann greifen Grundregelwerk, Quellenbände und Abenteuer wie eine komplexe Mechanik ineinander. Das sorgt für gesteigerten Spielspaß.

So enthält „Jünger Finsterer Götter“ das Abenteuer „Das Haus von Staub und Asche“. Es ist für erfahrene Charaktere gedacht, die bereits den vierten oder fünften Rang innehaben. Im Abenteuer geht es um Relikte aus dem Besitz des Freihändlers Erasmus Haarlock, die versteigert werden sollen. Es liegt auf der Hand, dass die Spieler eine heftige Herausforderung erwartet, in denen Kulte eine gewichtige Rolle spielen werden. Dieses Abenteuer passt hervorragend zu einer Abenteuerreihe, in der die Kulte und auch Erasmus Haarlock vorkommen. Bereist das erste Abenteuer in dieser Reihe (englischer Titel „Tattered Fates“) verweist ständig auf den Quellenband und regt an, die dort enthaltenen Sonderregeln und besonderen Fähigkeiten einzusetzen. Das bewirkt ein kompaktes Gesamtpaket und sorgt für eine authentische Atmosphäre. Hier stimmt einfach alles. Zudem ist das Abenteuer spannend geschrieben und sehr unterhaltsam.

Doch bevor sich das Buch den Kulten und Verschwörern zuwendet, gibt es erst einmal einen kleinen Ausblick auf die Prophezeiung des Tyrannensterns. Allerdings sind es keine eindeutigen Informationen, sondern Vermutungen und Hinweise. Das geschieht primär durch schön gestaltete Handouts, die den Spielern ausgesucht vorgelegt werden können. Erst dann kümmern sich sich Autoren um den Kern des Buchs.

Drei ganze Kapitel führen Organisationen, Kulte, Fraktionen und Sekten auf, die den Spielern das Lebens schwer machen und deren Charakteren ans Leder wollen – und auch den Feind darstellen, den es zu bezwingen gilt. Dabei gliedern sich die Informationen in drei große Gruppen, die nach Zuständigkeit der mächtigen imperialen Orden getrennt werden: Haereticus, Xenos und Maellus. Das bedeutet also Gefahren innerhalb des Imperiums, Gefahren durch Außerirdische und Gefahren aus dem Warp – in dem das Chaos lauert. Hier ist für jeden etwas dabei!

Bei der Beschreibung der unterschiedlichen Fraktionen stehen die Hintergrundtexte im Vordergrund. Sie sind spannend und flüssig geschrieben, besitzen den typischen Humor der Warhammer auszeichnet und vermitteln gleichzeitig die bedrückende Düsternis. Stets gehört auch eine kleine Tabelle zum Eintrag, anhand der ein Spielleiter ganz einfach festlegen kann, was ein Charakter alles über solch eine Organisation wissen kann. Der umfassende Rest beinhaltet Informationen über die Geschichte eines Kults, den Aufbau, wo er überall mitmischt, wer die wichtigsten Leute sind, wohin die Tendenzen führen und vieles mehr. Es gibt Abenteuerideen, Vorschläge für Kampagnen, Profilwerte, unzählige Illustrationen in schwarzweiß und bunt, Ausblicke auf die Zukunft, Rückblicke auf die Vergangenheit und viele Details, deren Aufzählung den Rahmen sprengen würde. Überhaupt sind überall liebevolle Kleinigkeiten zu finden und zeigen, dass die Autoren Spaß an ihrer Arbeit haben und auch auf scheinbare Nebensächlichkeiten achten. Sie bilden winzige Facetten die schnell mal übersehen werden, in denen sich das Licht aber besonders prächtig fängt.

Der Feind scheint - nach Lektüre des Quellenbands – übermächtig. Und so dreht sich ein ganzes Kapitel um die weltlichen und geistlichen Verteidiger des Imperiums. Allerdings konzentrieren sich die Autoren dabei auf den inneren Feind, richten den Blick auf Verrat, Korruption und Kabalen. Aber es werden auch zwei mächtige Inquisitoren vorgestellt, die sich der Verderbnis in den Weg stellen.

Erneut wird deutlich, dass es keine Frage ist ob die Akolythen sterben, sondern wann und wie. Diese offensichtliche Hoffnungslosigkeit zeichnet den dystopischen Charakter des Rollenspiels aus und macht es auf dem Markt unverwechselbar. Dabei wird der Kanon der Vorlage (das Tabletopspiel „Warhammer 40.000“ aus dem Hause Games Workshop) eingehalten. Dadurch lohnt der Quellenband auch für Quereinsteiger oder Genrefremde, die sie sich hier mit zusätzlichen Informationen versorgen können.

Den Abschluss von „Jünger finsterer Götter“ bildet das bereits zuvor angesprochene Abenteuer „Das Haus von Staub und Asche“. Im Anhang gibt es weitere Handouts. Leider lässt der Quellenband einen Index vermissen, was sehr bedauerlich ist. Dadurch wird das schnelle Auffinden von Informationen, Fähigkeiten oder Sonderregeln unnötig erschwert. Schade.

Die Aufmachung des Buchs ist dagegen erstklassig, vor allem der Druck und das lockere Layout wissen zu überzeugen. Auch die Übersetzung wurde adäquat durchgeführt. Leider blieb das ein oder andere Wortspiel auf der Strecke. Als Beispiel mögen die „Pilger von Hayte“ gelten, denn als Wortspiel ergibt sich aus der Übersetzung „Pilger des Hasses“. Diese Kleinigkeiten fallen dem normalen Spieler aber keinesfalls auf und sind leicht zu verschmerzen. Michael Römer hat als Übersetzer jedenfalls Erstklassiges geleistet. Zumal sich auch an eine Teminiliste gehalten werden muss, die vom Rechteinhaber verwaltet wird. Immerhin sollen alle Spiele dieses Spieleuniversum wie aus einem Guss wirken. Und das ist hier der Fall.

„Jünger finsterer Götter“ ist wunderbar geschrieben, voll wichtiger und nützlicher Informationen und edel aufgemacht. Einzig der fehlende Index stört, alles andere bekommt die Note „Sehr gut mit Sternchen!“

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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LeVine & Humphrey Bogart

Erstellt von Michael Drewniok am Sonntag 7. Februar 2010

bergman-levine-bogart-coverAndrew Bergman
LeVine & Humphrey Bogart

Originaltitel: Hollywood & LeVine (New York : Holt, Rinehart & Winston 1975)
Deutsche Erstausgabe: 1985 (Ullstein Verlag/Ullstein Krimi Nr. 10334)
Übersetzung: Jürgen Bürger
221 S.
ISBN-13: 978-3-548-10334-1
(sfbentry)

Das geschieht:

Der II. Weltkrieg ist vorüber, aber die Geschäfte gehen für Jack LeVine, Privatdetektiv in New York, 1947 schlechter denn je. Da trifft es sich gut, dass ein alter Freund und Studienkollege ihn anheuern möchte. Walter Adrian lebt und arbeitet eigentlich in Hollywood, wo er es als Drehbuchautor zu Ruhm und Geld gebracht hat. Aber etwas Unheimliches geht seit einiger Zeit hinter den Kulissen der großen Studios vor. Adrian wird geschnitten, seine Karriere ist beschädigt. Gründe werden nicht genannt, aber der Autor ahnt etwas: Er hat sich stets öffentlich gegen Armut und Korruption sowie für mehr Gleichheit ausgesprochen und sogar mit dem Sozialismus geliebäugelt.

Das taten nicht nur in Hollywood viele Männer und Frauen. Die USA und die Sowjetunion waren im Krieg Verbündete. Aber seit Stalin als ernsthafter Konkurrent in der Weltpolitik auftritt, gilt die UdSSR als Reich des Bösen, Nun planen rechte Kreise  den großen Schlag und wollen unter dem Vorwand des Kampfes gegen die ‚roten‘ Elemente ihres Heimatlandes auch unliebsame Konkurrenten im Kampf um Macht und Geld kaltstellen. In dem jungen, krankhaft ehrgeizigen und skrupellosen Kongressmann Richard M. Nixon finden sie den idealen Inquisitor für ihren verbrecherischen Plan.

Ein „Komitee gegen unamerikanische Umtriebe“ wird geplant und Walter Adrian steht auf dessen Liste. LeVine kommt zu spät nach Hollywood: In der Westernstadt der Warner-Studios findet er den  Freund an einem Wildwest-Galgen baumelnd. Selbstmord, verkündet die Polizei, die als Instrument des „Komitees“ agiert. Mord, weiß LeVine, der Gerechtigkeit fordert, wie es seine Art ist. Das bringt ihn in Lebensgefahr, denn dieses Mal legt er sich mit Gegnern an, die das Gesetz auf ihrer Seite haben und sich nicht scheuen, es zwecks Einschüchterung und Mord zu beugen. Aber es gibt auch Verbündete, sodass sich LeVine während einer rasanten Verfolgungsjagd an der Seite des Filmstars Humphrey Bogart findet …

Ein ganz düsteres Kapitel

Politische Brisanz, realistische Gesellschaftskritik & Unterhaltung mit Köpfchen, dargeboten als stimmige, spannende, nachdenklich machende Mischung: Wir lesen offenkundig einen US-amerikanischen Kriminalroman aus den 1970er Jahren, als diese Elemente einander nicht ausschlossen, sondern fast vollendet harmonierten. „New Hollywood“ nannte man dieses Phänomen in der Filmstadt, die in einer kaum zehn Jahre währenden Glanzphase Meisterwerke wie „Bonnie & Clyde“ (1967), „French Connection“ (1971), „Chinatown“ (1974) oder „Taxi Driver“ (1976) zu Stande brachte.

„LeVine & Humphrey Bogart“ ist ein Werk, das sich romanhaft mit einem düsteren Kapitel der modernen US-amerikanischen Geschichte beschäftigt: den Hexenjagden des Senators McCarthy und seines „House Committee on Unamerican Activities“ (HUAC), vor das in den 1950er Jahren gezielt prominente Schauspieler, Autoren, Sänger u. a. Künstler geladen wurden, wo sie sich zu möglicherweise ungesetzlichen Aktivitäten äußern mussten. Befand sie dieses Tribunal - das selbstverständlich selbst definierte, was „unamerikanisch“ bedeutete – ‚kommunistischer Umtriebe‘ für schuldig, wurden sie bestraft und fanden sich vor allem auf einer Schwarzen Liste. Das bedeutete praktisch Berufsverbot, denn die großen Filmstudios in Hollywood, aber auch Radiostationen, Theater und sogar Nachtclubs im ganzen Land schlugen sich, um ihre Pfründen bangend, auf die Seite der Hexenjäger.

Unschuldige Männer und Frauen standen vor dem Nichts, gerieten in Not, begingen verzweifelt Selbstmord. ‚Verräter‘, die vor dem HUAC-Druck kapitulierten und ‚Genossen‘ denunzierten, entgingen dem Ruin, aber sie wurden von Kollegen und Freunden geächtet. Wer sich dem Terror widersetzte oder ihn anprangerte, geriet sofort selbst in die HUAC-Mühlen: Das ist die totalitäre Welt, deren Entstehung LeVine in erster Reihe miterleben darf.

Spannung und Brisanz

Andrew Bergmann nennt die Dinge beim Namen. Das ist längst nicht so selbstverständlich wie es uns heute vorkommt, denn 1975 waren prominente Befürworter der Hexenjagd noch am Leben oder nahmen sogar bedeutende Ämter ein. Bisher hatten sie sich ihrer historischen Verantwortung entziehen können. „LeVine & Humphrey Bogart“ markiert den Zeitpunkt, an dem sich dies änderte.

Dieser Roman demonstriert weiterhin, dass sich Anspruch und Unterhaltung in der Tat keineswegs ausschließen müssen. War „The Big Kiss-Off of 1944“ (1974, dt. „LeVine“), die erste LeVine-Geschichte, bei aller ebenfalls geäußerten Kritik an Korruption und Hurrapatriotismus vor allem eine glänzende Rekonstruktion der unmittelbaren Nachkriegszeit als Detektivstory, ist Bergman mit „LeVine & Humphrey Bogart“ eindeutig ehrgeiziger.

Düster wird der Weg in den McCarthy-Terror geschildert. Für Bergman ist bereits seine Entstehung ein Verbrechen, das vor allem deshalb inszeniert wurde, um die politischen Gegner der amerikanischen Rechten aus dem Weg zu räumen. Folglich treten deren Repräsentanten wie Gangster heimlich, bedrohlich, verschwörerisch in abbruchreifen Häusern und an anderen wenig Vertrauen erweckenden Orten auf, wird ihr Wirken als Komplott gegen Gesetz und Moral identifiziert.

Den Fall wird LeVine vielleicht lösen, aber der Gerechtigkeit wird er nicht zum Sieg verhelfen können. Beklemmend zeigt uns Bergman die Mechanismen, die dem HUAC seinen Weg ebnen. Es gibt für jene, die sich ihm in den Weg stellen, keine Warnung, keinen Schutz. So verbietet sich das obligatorische Happy-End; die Drahtzieher werden ihr übles Spiel fortsetzen, und LeVine weiß dies auch.

Detektiv am Scheideweg

Jack LeVine ist immer noch ganz genretypisch der desillusionierte, aber insgeheim idealistische und grundehrliche Privatdetektiv alter Schule. Seine aktuellen Erlebnisse sind die ideale Voraussetzung dafür zum Zyniker zu werden, denn diese Dimension des legalisierten Verbrechens sind ihm bisher nicht bekannt gewesen.

Zudem bewegt sich LeVine abseits seines Territoriums. New York kennt er, Los Angeles nicht. Das scheinbar so auf sich selbst konzentrierte, um das Filmbusiness kreisende, die Medienpräsenz beschwörende Universum von Hollywood ist tatsächlich vielschichtiger als gedacht. Auch im oberflächlichen Tinseltown leben Menschen mit politischem Idealismus - oder Ambitionen.

Machtkämpfe ganz eigener Art toben hier, in die sich LeVine vorsichtig aber unverdrossen stürzt. Normalerweise würde er gut damit fahren: Das Verbrechen ruht quasi überall auf der Welt auf gewissen Grundkonstanten, die ein erfahrener Kriminalist zu deuten weiß. Doch hier stößt LeVine an seine Grenzen. Seine unsichtbaren, schwer oder gar nicht fassbaren Gegner werden personifiziert durch den Kongressmann Richard Nixon. Das ist keine fiktive Gestalt, wie wir (hoffentlich) wissen, sondern ein historischer Prominenter ganz besonderen Kalibers: ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der von seinen Bürgern aus dem Amt gejagt wurde, weil er seine Gegner bespitzeln (und sich erwischen) ließ - und das war nur eines von zahlreichen Vergehen.

Realer Schurke im Krimi-Einsatz

Als Bergman „LeVine und Humphrey Bogart“ 1975 schrieb, war Watergate noch eine sehr aktuelle Affäre. Nixon hatte gewiss andere Sorgen, als gegen sein Porträt als skrupelloser Aufsteiger, der um jeden Preis nach oben will, zu protestieren. Zu diesem Zeitpunkt symbolisierte er den moralischen Bankrott der politischen Rechten. Wieso dies so ist, so kommen musste, versucht Bergman auf seine Weise zu illustrieren. Der junge Nixon ist bei ihm kein simpler Nachwuchsstrolch, sondern wirkt eher schizophren als ehrgeiziger Eiferer, der selbst an die hohlen Phrasen zu glauben scheint, die er in endlosen Serien hervorstößt. Bergman gelingt ein erschreckend überzeugendes Bildnis.

Ebenso eindringlich ist seine Darstellung der Opfer. Nicht Solidarität bestimmt die Situation. Statt sich zusammenzutun, versuchen die ins Visier der Inquisitoren geratenen Filmleute vor allem die eigene Haut zu retten - und sei es auf Kosten der Leidensgenossen. Das macht es ihren Gegnern doppelt leicht. Indem sie die eingeschüchterten Männer und Frau gegeneinander ausspielen, können sie im Hintergrund bleiben und die besorgten Moralisten mimen. Indem sie sich wie Vieh treiben lassen, fügen sich die Verfolgten selbst einander die schlimmsten Wunden zu: Sie verraten einander und werden das niemals vergessen oder vergeben.

Dies alles breitet Andrew Bergman auf nur 220 Seiten und dadurch ebenso dicht wie intensiv aus. Hier ist kein Raum für jenes ablenkende Geschwätz, das heute zu viele Kriminalromane in ziegelsteindicke Seifenopern verwandelt. Bergman bleibt gnadenlos auf dem Punkt und nimmt seine Leser auf eine nur allzu reale Höllenfahrt in die Vergangenheit mit.

Autor

Andrew Bergman wurde 1945 in New York City geboren. Eine Berufslaufbahn in den Medien wurde ihm quasi in die Wiege gelegt; sein Vater arbeitete als Redakteur für die „New York Daily News“. Bergman absolvierte das Harper College und studierte an der University of Wisconsin-Madison.

1971 trat Bergman mit „We’re in the Money“ hervor, einer historisch-soziologischen Studie über den von der Wirtschaftskrise und New Deal geprägten US-Film der 1930er Jahre. Kurz darauf verfasste er in rascher Folge die beiden Kriminalromane „The Big Kiss-Off of 1944“ (1974) und „Hollywood & LeVine“ (1975) um den Privatschnüffler Jack LeVine.

Dann ging Bergman selbst nach Hollywood. Mehr als ein Vierteljahrhundert arbeitete er als Drehbuchautor und Regisseur. Geschrieben und/oder inszeniert wurden von ihm Filme wie „Soapdish“ (1991; dt. „Lieblingsfeinde - eine Seifenoper“), „The Freshman“ (1990), „Fletch“ (1984; dt. „Fletch - Der Troublemaker“), „Striptease“ (1996) oder „Honeymoon in Vegas“ (1992).

2001 kehrte Bergman zur Überraschung von Publikum und Kritik zur Figur des LeVine zurück und schrieb ihm mit „Tender Is LeVine“ ein neues Abenteuer auf den Leib: Das „Striptease“-Filmdesaster von 1996 hatte ihm einen Karriereknick und viel Freizeit beschert. Erst 2003 kehrte Bergman mit „The In-Laws“ (dt. „Ein ungleiches Paar“ - nur Drehbuch) nach Hollywood zurück.

[md]

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Die Nebelelfen

Erstellt von Werner Karl am Sonntag 7. Februar 2010

die-nebelelfenMonika Felten
Die Nebelelfen

Piper Verlag, München, 09/2009
HC, High Fantasy
ISBN 9783492701518
Titelbild von Lea Müntges

www.piper-fantasy.de
www.monikafelten.de
www.soundso.de.tc

Vor vielen Jahren debütierte Monika Felten mit ihrem Fantasy-Roman „Elfenfeuer“, der eine ganz klassische Geschichte erzählte. Damals stöhnten die Bewohner von Thale unter der Herrschaft eines grausamen und finsteren Herrschers, bis es einer Schar mutiger Heldinnen gelang, diesen zu stürzen und damit eine über dreihundert Jahre währende Tyrannei zu beenden. In zwei nachfolgenden Romanen schilderte die Autorin, wie das Böse noch einmal zurückzukehren versuchte und wie das Grauen eigentlich begann.

„Die Nebelelfen“ zeigt dass das Böse nicht zum ersten Mal versucht hat, die Welt zu erobern. Denn in einer fernen Vergangenheit wurden die Wurzeln für das spätere Verhängnis gelegt. Damals herrschten allein die Nebelelfen über Thale und lebten im Einklang mit der Natur und den anderen Völkern, die das fruchtbare Land besiedelten, wie etwa die Maare. Die Menschen hatten das Land noch nicht gefunden und sich dort niedergelassen. Eines Tages öffnen sich in einem Bergwerk, in dem das kostbare magische Metall Sternenbulit abgebaut wird, magische Tore in eine andere Dimension. Angeführt und geleitet von einem gewissen An-Rukhbar dringt eine Schar von Magiern vor und verwandelt die Bergleute, ehe diese sich versehen, in mächtige, aber seelenlose Eberkrieger, die ihnen aufs Wort gehorchen. Einzig der junge Bergmann Warti entkommt dem Verhängnis und versucht, die Nebelelfen und ihren König zu warnen, nachdem er feststellen muss, dass sogar seine Familie bereits verloren ist. Dabei trifft er nicht nur auf Nam, ein eher friedliches Wesen aus der anderen Welt, sondern auch auf einen Weisen, der ihm den Grund für ihre Anwesenheit und die Pläne der Magier verrät.

Derweil tappen die Kurierreiterin Brinnah und ihr Riesenalp Artair in eine Falle, als sie bei den Maaren nach dem Rechten sehen wollen. Während Brinnah in einen Käfig gesperrt wird, vergiftet man den großen Vogel. Glücklicherweise können Warti und Nam die Kurierreiterin befreien und mit ihr das Bergwerk verlassen. Sie reisen jedoch nicht gemeinsam weiter, da die Chance größer ist, dass einer von ihnen das Ziel erreicht, wenn sie nicht zusammen bleiben, sondern getrennte Wege gehen. Vor allem Brinnah weiß, dass die Zeit drängt. Der Elfenkönig muss so schnell wie möglich erfahren, über welche Macht An-Ruhkbar verfügt und was er als nächstes plant. Die junge Nebelelfe wagt eine Menge, als sie sieht, dass die Gefahr bereits weiter fortgeschritten ist, als sie dachte. Aus diesem Grund reist sie in die Zwischenwelt, um den Weg abzukürzen, doch dieser ist voller Gefahren.

„Die Nebelelfen“ ist nur locker mit dem „Elfenfeuer“-Zyklus verbunden, und man muss diesen nicht kennen. Trotzdem ist der Aha-Effekt größer, wenn man die Trilogie bereits gelesen hat, denn die Autorin hat viele kleine und feine Hinweise auf spätere Ereignisse eingebaut, die einen entweder amüsieren oder sogar überraschen, da man so etwas nicht gedacht hat. Besonders interessant ist der interessante Brückenschlag zu den späteren Ereignissen und Figuren. Vor allem spielt Brinnah eine größere Rolle, als man zunächst annimmt. Ansonsten bleibt Monika Felten ihrem Erfolgsrezept treu. Das Böse macht sich in einer eher heilen Welt breit, und am Anfang versuchen einige wenige, die sein Wirken entdeckt haben, etwas zu unternehmen. Zwar gelingt es, die Warnung zu überbringen, aber ein epischer Kampf, der viele Opfer fordern wird, ist unvermeidlich.

Zwar ist die Handlung sehr vorhersehbar, aber das stört nicht wirklich, denn die Welt der Nebelelfen wird atmosphärisch in Szene gesetzt, ihre Protagonisten sind so angelegt, dass man unwillkürlich mit ihnen mitfiebert, hofft und leidet. Und die eine oder andere Wendung kommt doch so überraschend, dass man sich darüber freut. Zudem gelingt es der Autorin, all zu kitschige Momente gekonnt zu umschiffen. Auch wenn Thale zunächst märchenhaft-idyllisch wirkt und Figuren wie Nam eher niedlich erscheinen, so nimmt sie doch kein Blatt vor den Mund, wenn es um Gewalt und Grausamkeit geht. Kämpfe sind auch bei ihr blutig und Kriege verlustreich, vor allen sieht das Happy End, doch anders aus, als man vermuten mag.

„Die Nebelelfen bietet ein durchweg gelungenes High Fantasy-Abenteuer mit einer angenehmen Mischung aus Action, Romantik und Drama, das sicherlich zwar in erster Linie Mädchen und junge Frauen ansprechen dürfte, aber auch kritischere Geschmäcker zufrieden stellen kann.

Copyright © 2010 Christel Scheja
 
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Die Nebelelfen

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Magic Knight Rayearth Sammelband 1

Erstellt von Werner Karl am Sonntag 7. Februar 2010

magic-knight-rayearth-sammelband-1Clamp (Satsuki Igarashi, Ageha Ohkawa, Tsubaki Nekoi, Mokona Apapa)
Magic Knight Rayearth Sammelband 1

(sfbentry)
Mahou Kishi Rayearth 1 – 3, Japan, 1994/95)
Carlsen Manga, Hamburg, 11/2009
TB, Manga, Magical Girl, Fantasy, Mecha, Action
ISBN 9783551756640
Aus dem Japanischen von Antja Bockel

www.carlsenmanga.de
www.clamp-net.com/html/index.html

Die Mittelschülerinnen Hikaru, Fuu und Umi werden von Prinzessin Emeraude nach Cephiro gerufen, damit sie die bösen Geister finden und zu Magic Knights werden, um die phantastische Welt vor dem bösen Soru-Priester Zagato retten zu können. Der Zauberer Clef stattet die drei mit Rüstungen aus und schickt sie zur Schmiedin Presea, die ihnen einige ihrer Waffen leiht, bis die Mädchen ihr das Metall Escudo bringen, aus dem sie dann für jede eine ganz spezielle, sich entwickelnde Waffe fertigen will. Hikaru, Fuu und Umi begegnen Freunden und Feinden, aber sie erreichen ihr Ziel, nur um mit ihren neuen Waffen erneut aufzubrechen. Auf jedes der Mädchen wartet ein böser Geist, dem bewiesen werden muss, dass die neuen Magic Knights ihrer Hilfe würdig sind. Geführt werden sie von dem kleinen Wesen Mokona, der offenbar mit Clef in Verbindung steht und über einige erstaunliche Fähigkeiten verfügt. Der Beweis, dass Hikaru, Fuu und Umi die Macht der Mashin, wie sich die bösen Geister nennen, verdienen, geht einher mit den Attacken von Zagatos Handlangern. Die Mädchen können die Gegner unter Mühen besiegen, aber nicht allein durch Magie und Waffengewalt sondern vor allem durch Güte und Verständnis. Auch die Bande der Freundschaft spielen eine wichtige Rolle. Als alle Hürden gemeistert sind, steht den dreien der Kampf gegen Zagato bevor – aber eine noch viel größere und vor allem böse Überraschung wartet auf die Magic Knights…

„Magic Knight Rayearth“ besteht aus zwei Trilogien, die bereits vor einigen Jahren bei Carlsen erschienen, lange vergriffen waren und nun in Form zweier Sammelbände neu aufgelegt wurden - wie auch „Card Captor Sakura“ bei EMA, was zweifellos dem großen Erfolg von „Tsubasa Reservoir Chronicle“ zu verdanken ist, einer Shonen(!)-Serie von Clamp, in der zahlreiche Charaktere aus verschiedenen Reihen der Künstlergruppe („RG Veda“, „X 1999“, „Tokyo Babylon“…) modifiziert auftauchen. Natürlich möchten auch die jüngeren Fans erfahren, welche ursprüngliche Geschichte die jeweiligen Figuren haben, und die Nachdrucke machen es möglich.

Der vorliegende Titel zählt fast schon zu den Genre-Klassikern, und man merkt ihm auch an, dass er aus den 1990er Jahren stammt. Vergleichen lässt sich „Magic Knight Rayearth“ mit Magical Girl-Serien wie z. B. „Sailor Moon“, „Wedding Peach“ und „Kamikaze Kaito Jeanne“. Ihnen ist gemein, dass junge Schulmädchen unverhofft aus ihrem Alltag gerissen werden, zu Kämpferinnen für das Gute mutieren und eine wichtige Aufgabe erfüllen müssen. Der Kampf gegen Dämonen oder andere finstere Mächte und die Rettung der eigenen oder einer anderen Welt sind der Dreh- und Angelpunkt, oft noch verknüpft mit einem persönlichen Anliegen wie der Rückkehr nach Hause oder der Aussicht auf eine besondere Belohnung, sobald die Mission erledigt ist.

Das Abenteuer schweißt Hikaru, Fuu und Umi, die sich nicht kannten, sehr schnell zu Freundinnen zusammen, die einander niemals im Stich lassen und lieber sich selbst opfern würden, bevor einer der anderen ein Leid geschieht. Das Thema Mädchenfreundschaft und auch das Schwärmen für ein anderes Mädchen findet man häufig bei Clamp, manchmal mit einer Tendenz zu Yuri. Aus dieser Zuneigung schöpfen die Protagonistinnen immer neue Kraft und beeindrucken ihre Beobachter, vor allem ihre Gegner und die Mashin. Im Laufe der Handlung entwickeln sich die Charaktere zwar nicht weiter, wohl aber ihre Rüstungen, Waffen und magischen Fähigkeiten. Sie wachsen an den immer mächtigeren Gegnern und den Aufgaben, die zu erledigen sind. Das kennt man auch aus „Saint Seiya“, „Kenshin“, „Samurai Deeper Kyo“ etc. Freundschaft und Action stehen im Vordergrund, doch gibt es auch das typisch ‚nervige Gekreische’ und das ‚niedliche Schoßtier’ (ob Mokona, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Pikachu hat, nach der gleichnamigen Zeichnerin von Clamp benannt wurde?), das vielen Comic-Fans die Mangas in ihren frühen Jahren verleidet hat.

Die superdeformierten Abbildungen halten sich in Grenzen, aber der Stil der Reihe ist an sich schon recht comichaft und ‚typisch Shojo’, d. h. breite Gesichter mit winzigen Nasen und Mündern, riesige Augen, Kindchenschema, wehendes Haar, schmaler Körper, lange Extremitäten, verspielte Kleidung. Die Kampfszenen sind dynamisch, die Hintergründe eher sparsam oder symbolträchtig. Mit den Mashins wird auf die Begeisterung der Japaner für Gigant-Roboter geantwortet, die vor allem in futuristischen Shonen-Serien auftauchen („Gundam Wing“, „Saber Rider“, „Vision of Escaflowne“ etc.). „Magic Knight Rayearth“ wirkt schon ein bisschen altbacken im Vergleich mit jüngeren Serien, aber das dürfte keinen wahren Fan stören. Clamp ist ein Name, der für ein bestimmtes Genre steht und spannende Abenteuer, sympathische Helden, einen Mix aus Humor, Drama und Action verspricht. Mag man Magical Girls, wird man sich die Gelegenheit gewiss nicht entgehen lassen, diesen Titel der Sammlung hinzuzufügen. Das dicke Taschenbuch ist zwar etwas unpraktisch zum Lesen, aber der kleine Preis von knapp 10.- für rund 600 Seiten gefällt.

Irene Salzmann (IS)
 
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Magic Knight Rayearth Sammelband 1

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Seide und Schwert 2: Mondkind

Erstellt von Werner Karl am Sonntag 7. Februar 2010

mondkindKai Meyer & Yann Krehl (Text-Adaption)
Seide und Schwert 2: Mondkind
Das Wolkenvolk 2

(sfbentry)
Nach dem gleichnamigen ersten Band „Seide und Schwert“
der Jugendbuch-Trilogie „Das Wolkenvolk“, Loewe Verlag, Bindlach, 2006
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 4/2009
HC-Album, Comic, Fantasy, Geschichte
ISBN 9783939823957
Titelgestaltung von Dirk Schulz
Illustrationen von Ralf Schlüter, Horst Gotta (Tusche), Dirk Schulz (Farben)
Extra: 1 herausnehmbarer Druck

www.splitter-verlag.de
www.kaimeyer.com/
http://yannkrehl.de
http://ralfschlüter.com/
www.pencil-ink-color.de/ (closed?)
www.indigo-online.de

Die fliegende Heimat des Wolkenvolks ist bedroht, denn niemand versteht die alten Maschinen, die dafür sorgen, dass die Stadt hoch in den Lüften bleibt. Schon seit einer geraumen Weile sinkt sie immer tiefer, wie Alessia, die Tochter des Herzogs hilflos und voller Schrecken beobachten muss, seit sie vom Schattendeuter eingesperrt wurde, weil sie um Dinge weiß, die seine Pläne gefährden könnten. Unterdessen sucht Niccolo, obwohl er das Wolkenvolk nicht liebt, nach den verschwundenen Drachen, die den Aether ausatmen, der die Wolkeninsel retten soll. Auf seiner Reise begegnet er dem Mädchen Nugua, das von den Drachen aufgezogen worden war und ebenfalls hofft, ihre Freunde zu finden. Auch Feiquing, ein Mann, der seine Erinnerungen verloren hat und durch Magie mit dem Kostüm eines Rattendrachen verschmolzen wurde, schließt sich ihnen an. Die Gefährten greifen in den Kampf zwischen einer jungen Frau und einem Krieger ein. Das Bisschen von seinem Chi, das Niccolo Mondkind gibt, befähigt sie, den Xian in die Flucht zu schlagen. Der Preis, den beide dafür zahlen müssen, ist hoch: Niccolo und Mondkind sind nun durch Liebe verbunden, und diese Liebe ist so stark, dass die abtrünnige Halb-Unsterbliche ihn vor sich zu warnen versucht. Aber auch nachdem Niccolo erfahren hat, was Mondkind tat, ist er davon überzeugt, dass sie nichts dafür kann, weil sie manipuliert wird.

Niccolo, Nugua und Feiquing setzen ihre Suche nach den Drachen fort. Meister Li, ein Fangshi, erweist sich als ein starker und nützlicher Begleiter, aber schnell finden die Drei heraus, dass er nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Er hat seine Gründe, nach Mondkind zu forschen, die wiederum Wisperwind jagt, an die sie ihre Schwerter verloren hat. Doch auch er kann nicht verhindern, dass sie von den Mandschu aufgespürt werden und Nugua eine tödliche Verletzung beigebracht wird. Ihre einzige Hoffnung sind die Drachen, die vielleicht wissen, wie man von der ‚purpurnen Hand’ geheilt werden kann. Niccolo übergibt Nugua der Obhut von Meister Li und will sogar die Beschaffung des Aethers den Freunden überlassen, um stattdessen Mondkind helfen…

Spannend geht die Geschichte um einige junge Menschen weiter, die alle einen persönlichen Grund haben, nach den verschollenen Drachen zu suchen und die durch die Anliegen ihrer Weggefährten in weitere Konflikte hinein gezogen werden. Man sollte den 1. Band, „Wisperwind“, gelesen haben, um zu wissen, wie es zu den jeweiligen Situationen kam, denn auch wenn man Wesentliches den Dialogen entnehmen kann, so beginnt der zweite Teil in einer laufenden Handlung, und man tut sich ohne Hintergrundwissen etwas schwer, die Motive der einzelnen Akteure zu verstehen. Als Setting wählte Kai Meyer ein fiktives, von den Mandschu beherrschtes China, in das er Anspielungen auf historische Persönlichkeiten wie Marco Polo oder Leonardo da Vinci einbaut, ungeachtet der Zeiten, in denen sie lebten. Bei den meisten Lesern wird dadurch ein Aha-Effekt ausgelöst, wenngleich das Abenteuer keine wirklichen historischen Bezüge knüpft, sondern der Autor nach Belieben mit Fantasy und Kung-Fu mischt und sich die Kulisse passend zurechtbiegt.

Die Umsetzung des Romans in Comic-Form ist Yann Krehl sehr gut gelungen. Man muss die Bücher nicht gelesen haben, um dem Comic folgen zu können. Auch zeichnerisch wissen Ralf Schlüter, Horst Gotta und Dirk Schulz zu überzeugen. Das Resultat ist ein farbenprächtiger Band, der über den gängigen Umfang von knapp 50 Seiten hinausgeht und außerdem durch interessantes Zusatzmaterial erfreut (Skizzen, getuschte Zeichnungen, einige Worte zu Feiquing, an dem sich wohl die Geister scheiden, da die einen diese Figur sicher niedlich und lustig, die anderen sie eher als nervig empfinden dürften). Als Extra ist ein herausnehmbarer Farbdruck beigefügt, der vor allem die Sammler begeistern wird. Auf den beiden Handlungsebenen werden die Geschehnisse vorangetrieben, etwas weniger auf der Wolkeninsel, umso mehr dafür in China. Niccolo stellt seine eigentliche Aufgabe hinten an, weil er durch Magie mit Mondkind verbunden ist und er ihr helfen will. Dass Nugua in ihn verliebt ist, übersieht er. Selbst als ein schwerer Schicksalsschlag das Mädchen trifft, folgt er lieber der mysteriösen jungen Frau, die nicht einmal ein richtiger Mensch ist. Auch über den Aether erfährt man etwas Erstaunliches, doch die Drachen bleiben vorerst verschwunden. Am Ende des Albums trennen sich die Wege der Gefährten, und statt zwei wird es künftig mindestens vier Handlungsebenen geben, bis die einzelnen Stränge wieder zusammengeführt werden.

Obwohl einige Geheimnisse enthüllt wurden, bleibt noch so manche Frage unbeantwortet. Durch neue Figuren und zusätzliche Probleme wird die Story komplexer und tritt das Hauptanliegen – die Suche nach den Drachen – für Niccolo in den Hintergrund. Man darf vermuten, selbst wenn andere an seiner Stelle den Aether beschaffen wollen, dass die Hilfe fürs Wolkenvolk erst spät, vielleicht zu spät kommen wird…, aber bis dahin werden noch viele Comicseiten umgeblättert, denn vier weitere Alben sind in Planung. Der zweite Band der „Wolkenvolk“-Serie unterhält Leser, die phantastisch-abenteuerliche Comic-Geschichten mögen und sich besonders gern von einem chinesisch anmutenden Ambiente bezaubern lassen, bestens. Die Charaktere sind sympathisch und interessant, ihre Probleme nachvollziehbar und nicht selten tragisch. Stimmungsvolle Zeichnungen runden die spannende Erzählung ab. Es sind außerdem genügend Cliffhanger gesetzt worden, dass man auch die weiteren Teile unbedingt lesen möchte.

Irene Salzmann (IS)
 
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Seide und Schwert 2: Mondkind

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Der Bastard von Tolosa

Erstellt von Werner Karl am Samstag 6. Februar 2010

der-bastard-von-tolosaUlf Schiewe
Der Bastard von Tolosa

Droemer Verlag, München, 11/2009
HC mit Schutzumschlag, Belletristik, History
ISBN 9783426198414
Titelgestaltung von ZERO Werbeagentur, München unter Verwendung
eines Motivs von Fine Pic, München, Bridgeman Art Library

www.droemer.de

Ulf Schiewe, Jahrgang 47, hat, statt einer Karriere als Kunstmaler nachzugehen, in der Softwareindustrie gearbeitet. Nun hat er sein Debüt in der Kunst des Schreibens gegeben und einen historischen Roman vorgelegt, der in jedem nur denkbaren Wortsinn episch zu nennen ist. Auf über 900 Seiten entfaltet sich die bewegende Lebensgeschichte des Edelmanns Jaufré Montalban, Cavalier und Castellan von Rocafort. In der Ich-Perspektive wird erzählt, wie er 1096 mit tausenden anderen Kriegern aufbricht, um Jerusalem zu ‚befreien’. Er entflieht so der glücklosen Ehe mit einer Frau, zu der er gezwungen wurde, nachdem er seine Liebe nicht heiraten durfte. Vierzehn Jahre bleibt er in Outremer, wo er sein Glück findet. Er ist Castellan einer großen christlichen Festung, hat eine Frau, die er über alles liebt, und eine Tochter.

Doch dann wird seine Frau getötet, und er kehrt mit seiner Tochter und seinem Freund Hamid - ein Moslem - nach Hause zurück. Dort wird er nicht mit mit offenen Armen empfangen: Seine Familie hatte ihn tot geglaubt, seine erste Frau steht im Begriff, einen anderen Mann zu heiraten, sein Sohn Raoul begegnet ihm mit Hass und Unverständnis. Bald wird er von neuem in Krieg, Verrat und Kampf verstrickt, denn er hütet ein gefährliches Geheimnis …

Kunstvoll nutzt der Autor Retroperspektiven und all die Vorteile, die der Ich-Erzähler bietet, um den Leser hautnah an die Schrecken der Kreuzzüge und die für uns so grausam erscheinende Zeit des 11. Jahrhunderts heran zu führen. Jaufré wirkt gerade durch seine Fehler, seine emotionale Naivität, seine geradlinige Ehrlichkeit beinahe erschreckend authentisch. Auch all die anderen Charaktere werden durch das Auge des Erzählers lebendig, ob es nun der unschuldige kleine Mönch ist, der den Erinnerungen des Edelmannes lauscht, die Freunde, Feinde oder Geliebten dieses Mannes: Sie alle wirken stark und überzeugend.

Etwas schwächer ist die Sprache der Helden: Man mag Jaufré verzeihen, dass er durch sein hartes, sehr wechselhaftes Leben zu solch modernen Gedanken und Lebenseinstellungen gelangt ist, doch auch viele Nebenfiguren sprechen unangemessen für diese Epoche. Außerdem ist der sehr detailgetreue Stil manchmal zu ausschweifend, um die Spannung ungebrochen hochhalten zu können. Das sollte aber niemanden davon abhalten, dieses Epos zu genießen, das für männliche wie weibliche Leser viel zu bieten hat: Schlachtengetümmel, Kampf, Niederlage und Sieg, aber auch Liebe, Verlust, Intrigen.

Alles in allem ist „Der Bastard von Tolosa“ ein historischer Roman, der sich wohltuend von jenem Schema F abhebt, das sich in jüngster Zeit in dieses Genre eingeschlichen hat. Keine tapfere Heldin, die männlicher Gewalt trotzen muss, bis ihre wahre Liebe sie errettet, sondern authentische Menschen vor sorgsam recherchiertem Hintergrund, agieren hier.

Copyright © 2010 Alexandra Balzer
 
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Der Bastard von Tolosa

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